Jens Wolff analysiert exemplarisch Luthers Auslegung des christozentrisch gedeuteten Psalm 22 aus der zweiten Psalmenvorlesung und verdeutlicht, daß Luther nahezu überall metaphorisch redet, ohne Christi Kreuz zu verharmlosen.
Although Luther's theology of the cross has always been an important subject of research, there are scarcely any suitable historical-systematic monographs which deal particularly with Luther's interpretation of the crucified Risen One. Jens Wolff provides a case study of the cross and the resurrection. Making use of various examples, he analyzes Luther's interpretation of Psalm 22 in Luther's second lecture on the Psalms. This shows a close connection to the 'Antilatomus' and the phrase "Christus. . . factus est pecattum metaphorice" (2 Cor. 5:21). The author demonstrates how Luther uses metaphors of Christ to show that Christ is constantly present, but he does not play down the crucifixion. The author was awarded the Martin Luther Prize in Wittenberg for this work. Jens Wolff untersucht das zentrales Thema der christlichen Theologie: die Christologie. Einen Knotenpunkt christologischer Lehrbildung stellt Martin Luthers Konzeption dar.
Während Luthers Kreuzestheologie schon immer ein prominenter Forschungsgegenstand war, gab es seit Erich Vogelsangs Pionierstudie "Die Anfänge von Luthers Christologie" (1929) keine geeignete historisch-systematische Spezialmonographie über Luthers Deutung des gekreuzigten Auferstandenen. Jens Wolff bietet nun eine "case study" zu Christi Kreuz und Auferstehung. Er analysiert exemplarisch Luthers Auslegung des christozentrisch gedeuteten Psalm 22 aus der zweiten Psalmenvorlesung. Sie weist einen engen Zusammenhang mit dem "Antilatomus" und der kreuzestheologischen Formel "Christus . . . factus est peccatum metaphorice" auf (vgl. 2Kor 5, 21).
Das systematisch-theologische Ziel der Untersuchung ist die Ausarbeitung einer theologischen Metaphorologie unter Rekurs auf Luthers plurale Heilsmetaphorik, deren bekanntestes Element das Bild vom seligen Tausch und fröhlichen Wechsel ist. Der Kreuzestod des gottverlassenen Christus und seine Auferstehung kommen bildlich zur Sprache, wie anhand des Heilswortes vom "Tod des Todes" erörtert wird. Die historisch-systematische Arbeit am Modellfall zeigt, daß Luther nahezu überall metaphorisch redet, ohne das Kreuzesgeschehen zu verharmlosen. Dies unterscheidet ihn von der traditionellen exegetischen Überlieferung zu Psalm 22, z. B. den Psalmenkommentaren von Augustin, Hieronymus, Thomas von Aquin und Cajetan, während sich größere Übereinstimmungen mit den Psalmenkommentaren von Melanchthon, Bucer, Zwingli und Calvin ergeben. Luther gebraucht bildhafte Rede von Christi Kreuz und Auferstehung in außerordentlich großer Formvarianz. Von dieser Sprachdynamik kann nicht zuletzt die Predigt der Gegenwart profitieren. Jens Wolff wurde für dieses Werk 2004 mit dem Martin-Luther-Preis in Wittenberg ausgezeichnet.
Inhaltsverzeichnis
§ 1: Psalm 22 als Leittext zu Luthers Christusbild
Erstes Kapitel: Der metaphorische Christus - Luthers Einleitung zu Ps 22
§ 2: Der Aufbau der Einleitung zu Ps 22
§ 3: Der neutestamentliche Christus als Schlüssel zum Alten Testament
§ 4: Die metaphorische Wahrheit des Gekreuzigten
§ 5: Kreuz und Auferstehung im Bild
§ 6: Gottes Tod für das Leben des Sünders
§ 7: Gottes Sünde im " Antilatomus" (2Kor 5, 21)
Zweites Kapitel: Der Tod Gottes - Luthers Exegese von Ps 22, 3-19
§ 8: Das Skandalon des Kreuzes (Ps 22, 3-11)
§ 9: Das geschriebene Wort vom Gekreuzigten und bildhafte Rede
§10: Der Gekreuzigte als Heilsereignis pro nobis (Ps 22, 12-19)
§ 11: Das gekreuzigte Miteinander von Gott und Mensch in Jesus Christus
Drittes Kapitel: Das Leben Gottes - Luthers Exegese von Ps 22, 20-32
§ 12: Das Leben Gottes - die Auferstehung (V. 20-26)
§ 13: Gottes Leben und des Todes Tod
§ 14: Die Präsenz des gekreuzigten Auferstandenen (V. 27-32)
§ 15: Wortmetaphern und Metaphernworte
§ 16: Epilog