
»Eine Geschichte mit echtem Herz« The Guardian
Ein herausragendes amerikanisches Debüt, das auf herzergreifende Weise von Liebe, Verlust und Migration erzählt. Zwei Männer, die einander lieben, und ihre Ehefrauen stehen im Mittelpunkt dieser Geschichte, die vom post-sozialistischen China bis ins heutige New York führt. Ihre Leben, die von intimer Verbundenheit geprägt sind, machen dieses Buch zu einem einzigartigen Leseerlebnis.
Während in einem Kino in der chinesischen Provinz Fuzhou alte Kriegsfilme laufen, finden Old Second und Shun-Er in der Privatsphäre der Vorführräume eine große, aber verbotene Liebe. An der Kinokasse verkauft Bao Mei Tickets an nervöse Männer, hütet ihre Geheimnisse, berät sie in ihrem Liebesleben und findet schließlich ihr eigenes Glück. Doch als Shun-Ers Frau die Homosexualität ihres Ehemanns aufdeckt, trifft sie eine verhängnisvolle Entscheidung, die die Leben aller Beteiligten aus den Angeln hebt. Old Second und Bao Mei werden daraufhin in eine höchst ungewisse Zukunft in Amerika getrieben, wo sie feststellen, dass für viele Einwanderer der amerikanische Traum eben doch nur das ist: ein Traum. Zwischen den Reisfeldern Chinas und den Malls der USA entspinnt Jiaming Tang eine hochemotionale Geschichte um die Männer, die ihre Wahrheit nicht leben können, und die Frauen, die sie geheiratet haben.
»Nicht nur ein außergewöhnliches Debüt, sondern ein zukünftiger Klassiker« Jessamine Chan
Besprechung vom 19.12.2025
Ein Stück Heimat in der Diaspora
Jiaming Tangs Romandebüt "Cinema Love" erinnert an ein New Yorker Einkaufszentrum
So lebendig und plastisch schildert Jiaming Tang das einst pulsierende Herzstück von Chinatown, dass man noch während der Lektüre bei Google nach dem Vorbild schaut: Ginseng, Schreibwaren, Telefonkarten, kandierte Weißdornfrüchte - alles, was chinesische Einwanderer vermissen könnten, war hier zu finden, ein Stück Heimat in der Diaspora. Der East Broadway Shopping Mall in New York setzt Tang in seinem Debütroman "Cinema Love" ein literarisches Denkmal. Ein "zu wichtiger" Ort, "um sich in einen Traum aufzulösen", so wird das Einkaufszentrum im Roman beschrieben. Und doch verfällt es, fällt dem Doppelschlag von Gentrifizierung und Lockdown zum Opfer, und wirkt zum Schluss "wie eine Auster, aus der man das Fleisch gekratzt hat".
Die heute gespenstisch wirkende Mall, die einst das "monumentale Zentrum" im persönlichen Universum des 1996 geborenen Autors war, wie er im Gespräch mit dieser Zeitung (F.A.S. vom 3. August) erklärte, hätte Stoff genug für einen ganzen Roman geboten. Trotzdem verlässt Tang die Sphäre des selbst Erlebten und Gesehenen. Ausgangspunkt seines Buches ist das "Worker's Cinema" im Fuzhou der Achtzigerjahre, ein Treffpunkt schwuler Männer, von dem aus sich eine verwickelte Geschichte über Liebe und Begehren, Verrat und Schuld entfaltet. Old Second, Yan Hua und Bao Mei: Ihre komplex ineinander verschlungenen Lebenswege führen alle nach Amerika, aber eine Versöhnung bleibt aus.
Kein Zweifel: Jiaming Tangs Buch würde vor jeder Jury für Kreatives Schreiben mit Auszeichnung bestehen. Die erzählerische Konstruktion trägt, der Ton sitzt, außerdem landet das Buch punktgenau in gleich mehreren aktuellen Debatten - Queerness, Migration, Strukturwandel in den Vereinigten Staaten. Aber gerade darin liegt auch ein Problem: Was als das persönliche, melancholische Porträt einer Passage berührt, bleibt in der weiteren Handlung auf Distanz. Tang sprach im Interview von "Spiegelbildern" seiner Familie, die er in seinem Roman auftreten lasse. Das ist eine unfreiwillig entlarvende Metapher. Seine Figuren wirken wie brillante, aber ungreifbare Projektionen. Und so bleibt "Cinema Love" unter dem Strich vor allem das: ein Epitaph für ein Einkaufszentrum. sina
Jiaming Tang:
"Cinema Love". Roman.
Aus dem Englischen
von Nicolai von Schweder-Schreiner. Klett-Cotta, Stuttgart 2025. 304 S.,
geb.
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