Seit sie denken kann, musste Olivia um alles kämpfen. Sie ist Arkanerin, beherrscht die Magie der Zirkel, doch sie ist eine Außenseiterin, ein Naturtalent, das eher widerwillig geduldet als anerkannt wird. Trotzdem hat sie es an die Arcane Academy, die Eliteuniversität für Arkaner, geschafft. Während sie noch damit ringt, möglichst wenig aufzufallen und jedes bisschen Wissen aufzusaugen, findet sie sich schon bald in einer Gruppe ehrgeiziger Studenten wieder, die nach gefährlichem Wissen streben und bereit sind, dafür große Opfer zu bringen... Der Fantasy-Einzelband "If We Were Gods" verspricht eine faszinierende Mischung aus Magie und Dark Academia in einem schottischen Setting. Das klingt erstmal traumhaft, die Umsetzung ist leider etwas holprig. Gerade zu Beginn muss die Autorin ihr sehr komplexes (uns auch sehr spannendes) Magiesystem erklären und überhäuft den Leser mit langen Infodumping-Passagen, während sonst eher nicht besonders viel passiert. Hat man es durch diese Abschnitte geschafft, kann man sich der Haupthandlung widmen: Die Studenten streben nach geheimem Wissen, das sie in den verbotenen Ebenen der Realität finden, über die sie aber gar nichts wissen. Natürlich finden sie den Weg aber trotzdem. Nur ihre Beweggründe sind etwas fraglich. Im Laufe der Geschichte lernen wir sechs Protagonisten kennen, die eine ungleiche Gruppe bilden, jeder hat sein Päckchen zu tragen. Die Dynamik der Gruppe ist nicht immer besonders nachvollziehbar, vor allem, weil die Autorin manchmal längere Zeitabschnitte überspringt und dem Leser bloß mitteilt, was passiert, man es aber nicht selbst mitbekommt. Mit anderen Worten: Man bleibt häufig auf Distanz zu den Charakteren. Genau das gleiche passiert auch mit der im Originalklappentext angekündigten Liebesgeschichte, die dieses Buch nicht wirklich gebraucht hätte. Sie erscheint wenig nachvollziehbar und bringt auch keinen sichtbaren Mehrwert in die Handlung, scheint eher da zu sein, weil das sich für das Marketing gut macht. Auch wenn es draufsteht: Romantasy ist in diesem Buch nicht zu finden. Während die Protagonisten also unangebrachte Mengen Alkohol trinken und ihr Studentenleben auf fragwürdige Weise genießen, genügt ihnen die Macht, die sie als Magier bereits besitzen noch nicht und sie wollen mehr. Dafür wollen sie alle Regeln ihrer Gesellschaft brechen und in die verbotenen Ebenen eindringen, um von dort verbotene Zauber zu stehlen, die ihnen Unsterblichkeit schenken sollen. An der Stelle darf man sich natürlich fragen, warum dieses Kunststück ausgerechnet einer übernächtigten, habgierigen Gruppe Studenten gelingen sollte, und sonst niemandem. Außerdem drängt sich die Frage auf, warum das Ganze eigentlich? Jeder der Protagonisten hat mit seinen eigenen Dämonen zu kämpfen, doch scheinbar ist die einzig plausible Möglichkeit, damit umzugehen für die sechs, einen Gottkomplex zu entwickeln. Bis auf eine Ausnahme sind sie alle geradezu besessen von der Idee, um jeden Preis mehr Macht zu erlangen, und verstricken sich dabei immer mehr in moralische Schwierigkeiten und Gewissenlosigkeit. In ihrer Arroganz bemerken sie ihre eigene Kurzsichtigkeit aber natürlich nicht. Nun kann man das Buch natürlich unter dem Gesichtspunkt lesen, dass genau das das Ziel der Autorin war, dem Leser diese Moral mit auf den Weg zu geben. Nur leider endet das Buch nicht mit einer zufriedenstellenden Auflösung, die verbleibenden Protagonisten lernen kaum etwas aus ihren Fehlern und insbesondere Olivias Schock über all das, was sie angerichtet hat, ist zwar wahrnehmbar, hält sich aber doch in Grenzen. Das Buch stellt zwar indirekt die Frage, wie weit man gehen darf, geht aber nicht wirklich darauf ein und bleibt dann jegliche Antwort schuldig. Außerdem endet es mit einer ganz unvorhergesehenen Wendung, über deren Sinn man nur spekulieren kann, aber wohl eher nicht sollte, denn diese Geschichte ist ein Einzelband. Warum fällt mir die Bewertung dieses Buches trotzdem nicht leicht? Das Magiesystem, der ganze Fantasy-Anteil, Magie beruhend auf den Ebenen, aus denen die Realität besteht, Zaubersprüche aus Runen und eine ganze Menge geschichtliche Bezüge haben dieses Buch auf seine ganz eigene Weise auch reizvoll und faszinierend gemacht. Auch die Haupthandlung war nicht komplett vorhersehbar und konnte unterhalten, nur die Protagonisten haben es der Geschichte leider unmöglich gemacht, all dieses Potenzial auch zu nutzen und die richtige Moral aus dieser Handlung zu ziehen.