Liest sich gut weg, aber geht nicht in die Tiefe. Und beim Ende habe ich mich dann gleich doppelt geärgert.
Obwohl ich schon längst das Klima-Quartett von Maja Lunde lesen wollte, kannte ich bislang nur "Die Schneeschwester". Dieses Buch hatte mich (auch als Hörbuch) total beeindruckt, vor allem durch seine sensiblen Zwischentöne, daher kam nun endlich eine neue Lunde-Lektüre dran. Die (ungekürzte) Lesung von Simone Kabst gefiel mir sehr gut durch ihre sensible Herangehensweise. Den sechs Hauptpersonen und den zahlreichen Nebenfiguren verleiht sie jeweils eine unterschiede Atmosphäre, die gleich ins Ohr und den Kopf ging.Wir starten mit Jenny und einem Fast-Unfall, bei dem sie und ihre Familie hätte sterben können. Weiter geht es mit Rentner Otto, der auf den Wunsch seiner Frau hin seinen geliebten Garten (und das dazugehörige Haus aufgibt). Jakob verfolgt etwas ängstlich, wie sein ungeborenes Kind von Woche zu Woche größer wird. Ellen arbeitet mit Anfang 20 in einem Bestattungsinstitut, um in einem entspanntem Job mehr Luft für ihre Adrenalin lastigen Hobbys zu haben. Doch dieser Tag bleibt das Telefon im Bestattungsinstitut still.Der "Stillstand" hat begonnen: Niemand stirbt mehr, keine Kinder werden mehr geboren, Haare wachsen nicht mehr,, genauso wenig wie Krebs, der zuvor noch Jennys schnelles Todesurteil bedeutet hätte. Was für ein Gedankenexeriment.In dieses Gedankenexperiment mischt Lunde neben den philosophischen Überlegungen auch einige Gedanken zur Ausbeutung des Menschen der Natur. Gleichwohl blieb mir das Ganze doch oberflächlich. Versteht mich nicht falsch, das liest bzw. hört sich für mich gut weg. Und die Konstellation der zumeist unabhängigen Einzelschicksale ist gut gewählt und kombiniert sich an einigen Stellen auch sehr stimmig. Aber die Tiefe fehlte mir dann doch, zu viel Alltag und Banalität, zu wenig Reflexion, was einen Sternenabzug zur Folge hatte.Einen weiteren kosteten die ärgerlichen Aspekte: Es gibt eine gewisse Überhöhung von Mutterschaft, die mich gerade zum Ende hin immer mehr nervte. Und beim Ende kamen dann gleich zwei Sachen zusammen. Die Figur, die Verschwörungserzählungen anheim fällt, wird schließlich als "mutig" bezeichnet, weil sie ins Handeln gekommen wäre. Ja, das ist zwar die Meinung der Figur, aber so als letzter Diskurs darüber finde ich das mehr als ungünstig. Und setzt Lunde mit der allerletzten Episode einen gewissen Twist, nachdem die ganze Geschichte auch komplett anders gedeutet werden könnte. Und für mich sackt damit alles nochmal deutlich ab."Für immer" ist als Unterhaltung für Zwischendurch ganz nett, es wird mir aber definitiv NICHT für immer im Gedächtnis bleiben. Ich hoffe, dass das Klima-Quartett besser ist, weil davon stehen drei Bände bei mir im Regal.