3,5 Sterne Ich mag die Fragestellung, wie Menschen sich verhalten, wenn sie nicht mehr sterben würden und in dieser Geschichte kommt noch die Idee hinzu, dass auch nichts Neues mehr entstehen kann bei den Menschen, während die Natur nicht stillsteht. Das war mein erstes Buch der Autorin und ich war gespannt, was mich erwartet. Leider war das Buch für mich etwas enttäuschend, denn einerseits wird nur der Zeitraum während des Stillstands betrachtet, es gibt keine Erklärung für das Phänomen und man erfährt auch nicht, wie es danach weitergeht. Des weiteren hat mich das Verhalten der Menschen teilweise irritiert. Es ist klar, dass es Menschen gibt, die in Extremsituationen ihr ganzes Leben umwerfen oder vor lauter Skepsis zu Verschwörungstheoretikern werden und dass ohne Veränderung auch Langeweile aufkommen kann. Mir fehlt in der Geschichte jedoch der Blickwinkel derjenigen, die den Moment genießen können und in der Gegenwart leben. Diese Gruppe wird hier nicht dargestellt. Selbst eine todkranke Person ist unzufrieden, obwohl sie Zeit geschenkt bekommt. Das finde ich unglaubwürdig und traurig. Die Personen im Buch sind so gestaltet, dass es schwer fällt, Sympathie zu empfinden, weil sie mir alle zu extrem und negativ in ihren Entscheidungen und Aktionen sind. Am ehesten ist mir Otto sympathisch. Bei ihm kann man noch am meisten behaupten, dass er weitermacht und versucht, sich sein Leben schön zu gestalten. Faszinierend fand ich, dass die Geschichte zeigt, wie weitreichend der Stillstand sein kann. Es geht nicht nur um Geburt und Tod, sondern auch um Weiterentwicklung. Die Vorstellung, nichts mehr erlernen zu können, ist beängstigend und demotivierend und ich bin froh, dass es sich hier nur um ein fiktives Gedankenmodell handelt.