Tiger und Quappi, ein Künstlerehepaar, welches eher unter Max und Mathilde Beckmann bekannt ist, spielt in diesem Buch die Hauptrolle. Er ist ein gefeierter Maler, der viele Bewunderer und Käufer hat, sie ist eine Musikerin, die ihre Karriere zugunsten von Max und zum Ärger ihrer Familie aufgegeben hat.
Beide flüchteten nach Amsterdam, um den Nationalsozialisten und deren Politik zu entkommen. Seine Bilder wurde auf die Liste der entarteten Kunst gesetzt. Als Leser verfolgt man das Leben der Beckmanns im Jahr 1942. Deutschland hat Holland besetzt und die Lage spitzt sich für das Paar und die jüdische Bevölkerung immer mehr zu. Durch die Tagebucheintragungen von Mathilde Beckmann erhält man einen tiefen Einblick in die Seele des Ehepaars. Die Stimmung wird immer drückender und schwerer, je länger der Krieg anhält. Sie kämpft um etwas Essen und gute Stimmung, er kämpft gegen Niedergeschlagenheit, Depression und als Künstler diffamiert zu werden.
Immer wieder erfahren sie Unterstützung durch verschiedene Kunstsammler und durch den Kunsthistoriker Dr. Erhard Göpel. Er hat den offiziellen Auftrag von Hitler für ein geplantes Kunstmuseum in Linz Kunst in Holland aufzuspüren und anzukaufen. Seine Expertise und seine Begeisterung für Max Beckmanns Kunst schützt das Ehepaar und einige ihrer jüdischen Freunde. Erhard Göpel wird immer mehr zur rettenden Hand für jüdische Restauratoren, Kunstsammler und Galeristen. Durch seine Machtposition bei den Nationalsozialisten kann er Deportationen verzögern oder verhindert oder Ausreisen ermöglichen. Doch im Laufe des Jahres 1942 wird Göpel immer mehr unter Druck geraten und seine Person gerät auf das Radar von Arthur Seyß-Inquart.
Man wechselt immer wieder zwischen den Handlungssträngen hin und her. Auf der einen Seite die Nationalsozialisten, die sich bereichern, die Kunst rauben und sich erheben über die anderen Menschen. Die Gewalt und der Machtmissbrauch, um die eigene Stellung zu sichern bzw. auszubauen werden gut von der Autorin beschrieben und aufgezeigt. Einzelne Nationalsozialisten schwanken und helfen durch Verzögerung oder Vertuschung, andere wiederum ergötzen sich am Leid der Menschen. Die Autorin nutzt hier eher die nüchterne und präzise Art des Erzählens. Historische Fakten gepaart mit einigen fiktiven Einschüben, um das Bild auszufüllen.
Auf der anderen Seite liest man die Tagebucheintragungen von Quappi. Emotional und persönlich. Ihre Not an Lebensmittel zu kommen, die Angst um jüdische Freunde, der Kampf um Aufträge, damit etwas Geld reinkommt. Ihre Familie, die Max nicht mögen und mit ihr den Kontakt knapp halten. Quappi, die den Frust und die Wut von Max aushält und versucht die Stimmung positiv zu halten. Doch am Ende muss auch sie sich von ihren wertvollsten Besitz trennen, um zu überleben.
Beide Seiten verwebt die Autorin zu einer interessanten Geschichte mit vielen historischen Fakten rund um den Kunstraub der Nationalsozialisten. Wer sich gern mit Kunst und Geschichte auseinandersetzt, wird bei diesem Buch auf seine Kosten kommen.