Seltsame Dinge geschehen in Moskau. Zunächst kommt ein Zeitschriftenvorsitzender unter einigermaßen rätselhaften Bedingungen ums Leben, dann trifft es immer mehr Menschen: Unerklärliche Dinge geschehen, Menschen verlieren den Verstand oder gehen ganz verloren. Den wenigen, die versuchen, Licht ins Dunkel zu bringen, glaubt niemand ein einziges Wort, nur einer, der Meister, ein Schriftsteller in Schwierigkeiten, erkennt, was wirklich passiert: Der Teufel ist in der Stadt...Michail Bulgakow lädt den Leser mit seinem Hauptwerk, "Meister und Margarita", auf eine Reise ins Moskau der 1930er Jahre ein. Zwischen Realität und Fantasie baut er eine Brücke, um der Gesellschaft seiner Zeit einen Spiegel vorzuhalten. Kein Wunder also, dass das Werk in Russland erst Jahrzehnte später veröffentlicht wurde. Inspiriert wurde Bulgakow wohl von Faust und anderen Erzählungen über das Wirken des Teufels, doch er fügt dem ganzen einen ganz neuen Ton bei. Bitterböse sarkastisch betrachtet er die Moskauer Gesellschaft und nimmt die Politik der Zeit aufs Korn, kritisiert Zensur und das Leben in Angst unter Stalin und dem Sowjetregime, spart dabei nicht mit schwarzem Humor.Erzählt wird auf drei verschiedenen Ebenen, das Bild, das der Autor wohl im Kopf hatte, setzt sich allerdings erst ganz zum Schluss zusammen. Vorher kann das Buch einigermaßen verwirrend sein. Genau darin liegt aber auch sein Charme, es geschehen unzählige absolut absurde (und auf jeder Seite moralisch fragwürdige) Dinge, die dem Leser auf erstaunlich unterhaltsame Weise nähergebracht werden.Trotz all seiner möglichen Interpretationsebenen, seinem bewusst chaotischen und zunächst zusammenhanglos wirkenden Erzählstil, trotz sehr vieler verschiedener Charaktere und Perspektiven erweist sich der Roman als auch erstaunlich einsteigerfreundlicher Klassiker mit lockerem und auf seine ganz eigene Weise mitreißenden Schreibstil. Es stört bei diesem Buch gar nicht, wenn man keine Ahnung hat, wo die Reise enden soll, der Weg ist das Ziel und der wiederum ist ein äußerst wilder Ritt, der noch lange nach dem Beenden des Buches als fasziniertes Fragezeichen nachhallt.