Ein Bergdorf im Großraum Mittenwald. Die Arbeit im auslaufenden neunzehnten Jahrhundert ist hart und entbehrungsreich, meistens reicht der Ertrag gerade mal zum überleben.
Vroni Graseggers zweiter Ehemann Anton (sieh trauert ihrem verblichenen ersten Gemahl, der außer Gewalt nichts für sie übrig hatte, in keinster Weise nach), ist mehr ein Tagträumer denn ein hart arbeitender Bauer. Aber er versucht den Hof mit frischen Ideen voran zu bringen, möchte investierten und ausbauen. Schließlich gilt es in Zukunft einige Mäuler mehr zu füttern.
Die Beziehung ist mehr oder weniger ein Arrangement ohne große Gefühle.
Und wenn dann da nicht der renommierte britische Arzt Reginald Langdon-Down, Spezialist für die damals sehr weit verbreitete mongolische Krankheit (es lebe die Genpool-Überschneidung), in Vronis Leben auftauchen würde und so manches Blut in Wallung bringt, wären so manche Gefühle unbekannt geblieben; besonders am Tag der Johannifeuer.
Im Kontrast zur schweren Arbeit an den Bauernhöfen steht Vronis Schwiegermutter, ein sehr großer Kropf als Erkennungsmerkmal, die ein für die Bergwelt sehr untypisches Mindset hat und nicht nur exzentrisch wirkt, sondern auch gerne mal abseits der aufgezwungenen Normen von Tradition und Kirche handelt. Ein Protagonistin, die man einfach mögen muss.
So kann man im großen und ganzen den Roman zusammenfassen das klassische Setting für einen schmonzettierten Heimatroman. Sogar ein Wilderer kommt vor
Dennoch bewegt sich der Roman etwas abseits dieses Genres. Wunderbare Naturbeschreibung und Stimmungsbilder werten dieses Buch auf, machen es zu einem feinen Sommerroman mit viel, aber nicht übertriebenen Gefühl. Kleine Seitenhiebe auf das sterbende Königreich (Ludwig II ist tot, sein Bruder Otto in der Klapse, und der Prinzregent naja) runden mit etwas Geschichte alles ab.
Gerne gelesen, gut für warme Tage, an denen der Denkmuskel eh schon auf Stand-by läuft und somit eine Leseempfehlung für alle, die sich leicht mit geschickt gesetzten Buchstaben berieseln lassen möchten.