Ein wirklich sehr gelungener Spin Off Einstieg vom Shatter me Universum!
Eigene MeinungIch konnte mich nicht lange zurückhalten und wollte eigentlich sofort in Watch Me reinstarten. Gesagt, getan. Und wie mir dieses Spin-off gefallen hat? Holt euch ein gutes Getränk, ich erzähle es euch in Ruhe.Tahereh Mafi versteht es einfach, Charaktere zu erschaffen, die im Kopf bleiben, und gleichzeitig eine Spannung aufzubauen, die einen Seite um Seite weiterlesen lässt. In Watch Me lese ich aus der Perspektive von James und Rosabelle. Zehn Jahre sind vergangen, seit die Rebellen das Reestablishment gestürzt haben, und aus dem kleinen James ist ein junger Erwachsener geworden. Oder zumindest versucht er alles dafür, von Juliette, Warner oder auch Kenji als solcher wahrgenommen zu werden.Gerade diese Entwicklung von James hat mir unglaublich gut gefallen. Mafi hat ihn spürbar altern lassen - nicht nur auf dem Papier, sondern auch in seiner Art zu denken, zu handeln und zu fühlen. Anfangs war es für mich ungewohnt, James in dieser Rolle zu erleben, da mir diese Art der Charakterdarstellung von der Autorin so noch nicht bekannt war. Doch je weiter ich gelesen habe, desto klarer wurde mir: Diese Entwicklung ist nicht nur logisch, sondern auch sehr gelungen.James ist humorvoll, oft etwas unbeholfen und bringt mit seinem Witz viele schwere oder dunkle Momente angenehm auf. Es gibt nur wenige Szenen, in denen er mich nicht zum Lachen, Grinsen oder Augenverdrehen gebracht hat. Gleichzeitig merkt man, dass hinter dieser lockeren Fassade Verantwortung, Zweifel und innere Konflikte stecken.Ganz anders wirkt dagegen die Perspektive von Rosabelle. Ihre Kapitel sind deutlich ernster, düsterer und geheimnisvoller angelegt. Dieser Kontrast zwischen den beiden Sichtweisen funktioniert meiner Meinung nach sehr gut und sorgt für eine angenehme Balance innerhalb der Geschichte. Beide Charaktere sind detailliert ausgearbeitet, wirken authentisch und bringen ihre ganz eigene Stimmung mit.Auch wenn ich James noch aus "Kindheitstagen" kenne - als weinerlichen, vorsichtigen und zerbrechlichen Jungen -, lerne ich ihn hier mit seinen 21 Jahren völlig neu kennen. Besonders gefallen hat mir, dass Tahereh Mafi dabei immer wieder einfließen lässt, was nach dem Sturz des Reestablishment passiert ist und wie sich die Welt seitdem verändert hat. Diese Einblicke fühlen sich organisch an und geben der Geschichte zusätzliche Tiefe.Rosabelle hingegen bleibt bewusst etwas zurückhaltender beleuchtet. Ich bekomme nach und nach Informationen über sie, aber nie zu viele auf einmal. Dadurch bleibt sie mysteriös und schwer greifbar. Ihr starkes Zurückziehen in sich selbst hat es mir als Leserin stellenweise etwas schwer gemacht, eine tiefere Verbindung zu ihr aufzubauen. Statt großer Offenbarungen kommt es eher zu Wiederholungen ihrer Gedanken und Gefühle, was ich ein wenig schade fand - auch wenn es zu ihrem Charakter passt.Ein weiteres Highlight für mich war definitiv das Wiedersehen mit der alten Bande. Juliette, Warner und Kenji wiederzutreffen, hat sich einfach richtig gut angefühlt. Es war, als würde man in eine vertraute Welt zurückkehren, die sich zwar verändert hat, aber dennoch sofort wieder nach "Zuhause" anfühlt.Gleichzeitig wird schnell klar, dass die Welt auch nach dem Sturz des Reestablishment noch lange nicht sicher ist. Gefahren lauern weiterhin überall. Besonders spannend fand ich den Unterschied zwischen Rosabelles Sektor und der New Republic. Technologisch ist ihr Sektor der New Republic deutlich voraus, was eine zentrale Rolle in der Handlung spielt.Um diese Unterschiede offenzulegen - und um Rosabelle zu schützen -, trifft James eine folgenschwere Entscheidung: Er nimmt sie mit in die New Republic. Zu diesem Zeitpunkt ahnt er noch nicht, in welche Schwierigkeiten er sich selbst, seine Familie und letztlich auch Rosabelle bringt. Denn Rosabelle würde alles tun, um ihre kleine Schwester zu retten.Mein abschließendes FazitWatch Me spielt zehn Jahre nach der Shatter Me-Reihe und wird aus der Perspektive von James und Rosabelle erzählt. Der Schreibstil ist wie gewohnt sehr flüssig, angenehm und leicht zu lesen. Besonders der erwachsene James ist für mich ein echtes Highlight: humorvoll, vielschichtig und glaubwürdig entwickelt.Die Geschichte bleibt durchgehend spannend, auch wenn es aus Rosabelles Sicht stellenweise zu Wiederholungen kommt. Sie bleibt geheimnisvoll und etwas distanziert, was sie zwar interessant macht, mir aber emotional nicht immer ganz nah gebracht hat. James gleicht das jedoch mit seinem Humor und seiner offenen Art sehr gut aus und lockert viele schwere Momente auf.Insgesamt hat sich das Lesen wie ein gelungenes Zurückkehren in eine vertraute Welt angefühlt. Ich freue mich sehr darauf, weiterzulesen, und bin gespannt, wie sich James, Rosabelle und ihre Pläne weiterentwickeln werden.