Der Klappentext entsprach genau meinem Beuteschema, dunkle Familiengeheimnisse, verschiedene Zeitebenen und interessante Schauplätze. Allerdings konnte mich das Buch nicht ganz überzeugen.
Irland 2005
Nach einer gescheiterten Ehe ist Maggie in ihre Heimat Kerry zurückgekehrt. Kurz zuvor ist ihr Großvater Atticus Swan verstorben. In seinen Unterlagen findet sie einen alten Brief aus Norwegen, darin wurde gebeten eine Frau und ein Kind aufzunehmen. Das Kind scheint ihre Mutter Freja zu sein. Deren Mutter Anna verschwand vor über 40 Jahren in einer stürmischen Nacht. Ein Verlust, denn Freja nie wirklich überwunden hat. Dieser Brief und ein Gemälde von einer Inselgruppe in Nordnorwegen veranlassen Maggie nachzuforschen. Ihre Reise führt sie nach Hamburg und ins nördlichste Norwegen. Doch schafft sie es das Familiengeheimnis zu lüften? Und wie hängt das Märchen vom Glasschlüssel damit zusammen?
Einevaer 1940-1943
Die junge Astrid Amundsen ist aus dem besetzten Oslo geflohen. Der Vater ihres bestens Freundes hat ihr eine Stelle aus Aushilfslehrerin auf der Hauptinsel Hundholmen besorgt. Das Leben dort ist hart und entbehrungsreich, nur wenige Menschen leben dort. Astrid freundet sich mit den Schwestern Nina und Liv an. Ein junger britischer Soldat wird angespült, der eine dringende Nachricht überbringen muss. Kurz darauf macht die Wehrmacht auch in Einevaer Station, ganz Norwegen ist in deutscher Hand. Die drei jungen Frauen Astrid, Nina und Liv sind nicht bereit, ihre Freiheit aufzugeben und bringen sich in höchste Gefahr.
Der Erzählstrang in der Gegenwart wies für meinen Geschmack sehr viele Längen auf. Grob betrachtet ging es immer nur darum, dass Maggie damit beschäftigt war, den Hausstand ihres Großvaters durchzusehen und dabei Spuren aus der Vergangenheit suchte und den Verbleib ihrer Großmutter aufzuklären wollte. Ziemlich oft wurde thematisiert, wie ihr handwerklich völlig unbegabter Vater wieder etwas kaputt gemacht hat. Das Wiedersehen mit einer Jugendliebe verlief für mich sehr konstruiert. Im Gesamten hätte man hier einiges einkürzen können.
Der Teil in der Vergangenheit dagegen war für mich absolut spannend und sehr emotional. Hier konnten mich sowohl die Charaktere als auch das Wortbuildung absolut überzeugen. Die drei jungen Frauen Astrid, Nina und Liv haben wahren Mut bewiesen und sich im 2. Weltkrieg von der deutschen Besatzung nicht unterkriegen lassen und mit allen Mitteln gegen den Feind gearbeitet. Auch von Rückschlägen haben sie sich nicht unterkriegen lassen, bis nur die Flucht als Option blieb.
Der Schreibstil der Autorin ist vom Grunde her flüssig und bildhaft, was im älteren Erzählstrang auch perfekt umgesetzt wurde. Ich hatte das Gefühl, dass sie versuchte, der Gegenwart genau so viel Text zu widmen, was es jedoch nicht gebraucht hätte. So sind leider die bereits beschriebenen Längen entstanden.
Auch wenn das Buch sehr spannend und berührend endet, kann ich das Gesamtwerk leider nur als guten Durchschnitt bewerten. Dies ist jedoch meine persönliche Empfindung, andere LeserInnen werden es vielleicht anders sehen.
Mein Fazit:
Leider konnte der gegenwärtige Erzählstrang nicht mit der fesselnden Geschichte der Vergangenheit und ihren starken Charakteren mithalten. Gleiches gilt auch für das Setting. Irland blieb ziemlich blass, während mich das Archipel Einevaer mit seinen Naturgewalten absolut überzeugt hat.