"The Wycherleys - Die Debütantin" ist Band 1 einer neuen Romantasy-Reihe, die mit einer spannenden Grundidee und einer vielseitigen Welt überzeugt. Im Mittelpunkt steht dabei die junge Hexe Aurelia, die sich mit einem Fluch auseinandersetzen muss dieser bewirkt, dass sich keiner der gleichaltrigen Hexen und Hexer an sie binden möchte. Doch ohne Bindung wird Aurelia ihre Magie verlieren. Aurelia muss deshalb schleunigst herausfinden, wie sie den Fluch loswerden kann, und verbrüdert sich hierfür mit ihrem Erzfeind Jules Nightly. Der Wettlauf gegen die Zeit wird eingebettet in eine Gesellschaft des frühen 19. Jahrhunderts, in der Magie, Traditionen und politische Spannungen eine große Rolle spielen.
Besonders positiv hervorzuheben ist die kreative Ausgestaltung der magischen Elemente. Statt klassischer Zauberstäbe und -sprüche entwickelte die Autorin für das Wirken der Magie eigene Konzepte und Regeln, die die Welt frisch und lebendig wirken ließen. Auch der Umgang mit Beziehungen und Rollenbildern wurde angenehm modern gedacht und hebt sich von vielen typischen Genre-Klischees ab. Durch imm wiederkehrende Bälle entsteht ein leichter Bridgerton-Vibe, der für meinen Geschmack allerdings noch sehr viel stärker hätte ausfallen dürfen.
Die Geschichte wird aus der Sicht der weiblichen Hauptfigur Aurelia erzählt und beinhaltete von Beginn an verschiedene Handlungsstränge, was für Abwechslung sorgte und immer wieder neue Aspekte eröffnete. Gleichzeitig führte genau das aber auch dazu, dass einige Figuren und Entwicklungen nicht die Tiefe bekamen, die sie in meinen Augen verdient hätten. Vieles blieb eher angedeutet oder verlief sich im Sand, obwohl deutlich mehr Potenzial vorhanden gewesen wäre.
Ein zentraler Bestandteil war auch die romantische Entwicklung zwischen Aurelia und ihrem Love Interest Jules innerhalb der Geschichte. Die beiden umgab ein leichtes Romeo-und-Julia-Drama und obwohl die beiden ach so verfeindet seien sollen, entstand sich zwischen den beiden schnell ein nahezu freundschaftlicher Umgang miteinander. Die vorab angekündigten Enemies-To-Lovers-Vibes habe ich hier daher nicht nachvollziehen können. Auch sonst konnte mich die romantische Entwicklung zwischen den beiden Figuren nicht von Anfang an vollständig abholen, da die entstandenen Gefühle auf mich teilweise etwas plötzlich wirkten. Mit der Zeit gewann die Beziehung jedoch an Glaubwürdigkeit und entwickelte einen angenehmen Charme, wodurch ich im letzten Drittel des Romans doch noch so richtig mitfühlen konnte!
Der Schreibstil ist insgesamt sehr angenehm und flüssig, sodass sich das Buch leicht lesen ließ. Besonders im späteren Verlauf nahm die Geschichte auch deutlich an Fahrt auf: Zusammenhänge wurden klarer, die Spannung stieg und die Handlung wirkte auf mich insgesamt runder. Im letzten Drittel des Romans konnte ich diesen daher kaum noch aus der Hand legen.
Am Ende bot der Roman einen zufrieden stellenden Abschluss, der Lust auf eine Fortsetzung macht, ohne sich ausschließlich auf einen dramatischen Cliffhanger zu verlassen!
Insgesamt ist "The Wycherleys - die Debütantin" ein unterhaltsamer Fantasyroman mit vielen originellen Ideen, der vor allem durch seine Welt und seine Ansätze bei mir punkten konnte, auch wenn nicht alle Möglichkeiten vollständig ausgeschöpft wurden. Ich freue mich dennoch schon jetzt auf Band 2!