"Ferien mit Agatha Christie¿ ist eine Anthologie mit zwölf Kriminalgeschichten, die hauptsächlich in Urlaubsregionen spielen. Fehlen dürfen hier natürlich nicht Christies bekannteste Ermittlerfiguren Hercule Poirot und Miss Marple: Miss Marple begegnen wir in "Blut auf dem Bürgersteig¿, wo in einem idyllischen Fischerort in Cornwall ein Mord geschieht, und in "Der Tempel der Astrate¿, eine schaurige Geschichte, die im Garten eines Herrenhause spielt. Poirot taucht in "Dreiecksgeschichte auf Rhodos¿, "Das Abenteuer des italienischen Edelmannes¿, "Der verschwundene Mr Davenheim¿ und "Der unglaubliche Diebstahl¿ auf. Alle Poirot-Geschichten besitzen eine schöne Wendung, insbesondere in "Dreiecksgeschichte auf Rhodos¿ kommt ein atmosphärischer Urlaubsflair auf. Da "Der unglaubliche Diebstahl¿ die umfangreichste Erzählung der Anthologie ist, möchte ich auf sie etwas ausführlicher eingehen: Poirot muss hier den Verbleib von wichtigen Dokumenten klären, wobei - für eine Kurzgeschichte - ein vergleichsweise großes Figurenpersonal auftritt, was befragt werden muss (worunter die Übersichtlichkeit leidet). Daher hat die Kurzgeschichte - trotz ihrer überraschenden Auflösung - auch langatmige Sequenzen. Neben den Marple- und Poirot-Geschichten findet sich auch zwei Parker Pyne-Geschichte ("Das Orakel von Delphi¿ und "Tod auf dem Nil¿; beide konnten für mich aber nicht an den großen Bruder Poirot bzw. die große Schwester Marple heranreichen) und zwei eher humorvolle Geschichten, die mit dem Motiv der Verwechslung spielen ("Der Smaragd des Radschas¿ und "Jane sucht Arbeit¿). Unheimlich geht es in "Die Straße des Harlekins¿ zu, eine Kurzgeschichte mit phantastischen Zügen, in der ein Tanzabend tragisch endet. In "Ein geheimnisvoller Unbekannter¿, die sich um einen mysteriösen Brief dreht, wird viel mit Referenzen auf andere Kriminalgeschichten gearbeitet, was prinzipiell interessant ist. Leider sind diese aber mittlerweile eher in Vergessenheit geraten, sodass sich die Bezüge nicht mehr so schnell (ohne Recherche) offenbaren. Die Struktur der Kriminalgeschichten ist häufig ähnlich: Es geschieht ein unerhörtes, rätselhaftes Verbrechen, das durch die Logik der Ermittlerfigur gelöst wird, sodass es zu einer überraschenden Wendung kommt. Das Muster ist insgesamt spannend, allerdings sollte man die Geschichten nicht direkt hintereinander lesen, da sich der Effekt des Musters sonst abschwächt. Etwas aus dem Rahmen der Kriminalgeschichten fällt der autobiografische Eingangstext "Sommer in den Pyrenäen¿, in denen Christie von einem Ausflug mit tragischem Verlauf erzählt. Insgesamt ist "Ferien mit Agatha Christie¿ eine - in Bezug auf die Handlungsorte und die Figuren - abwechslungsreiche Anthologie mit klassischen Kriminalgeschichten für spannungsreiche Lesestunden im Urlaub.