Spannender und erschütternder Fall über Verlust und späte Rache mit interessanten Einblicken in die Arbeit der Rettungsschwimmer.
Dieser Band hat mich auf eine andere Art beschäftigt als viele seiner Vorgänger. Die Geschichte ist spannend, aber vor allem erschreckend. Denn im Mittelpunkt steht letztlich die Frage, was aus einem Menschen werden kann, wenn Trauer, Verlust und der Wunsch nach Vergeltung über Jahrzehnte hinweg nicht zur Ruhe kommen.Aus der Sicht des Kindes von damals konnte ich die Verzweiflung und Wut zunächst nachvollziehen. Die Überzeugung, dass die Rettungsschwimmer nicht alles getan hätten, um seine Mutter zu retten, mag für ein Kind plausibel erscheinen. Doch die daraus entstandene Rache, die sich Jahrzehnte später gegen die damaligen Rettungskräfte richtet, ist erschütternd und zeigt, wie zerstörerisch festgehaltener Hass werden kann.Besonders interessant fand ich die Einblicke in die Arbeit der Rettungsschwimmer an der französischen Atlantikküste. Mir war zuvor nicht bewusst, wie eng verschiedene Einsatzkräfte zusammenarbeiten und welche Risiken sie täglich eingehen, um Menschen zu retten. Diese Informationen waren spannend in die Handlung eingebunden und haben meinen Blick auf ihre Arbeit erweitert.Auch die Entwicklungen im privaten Umfeld von Luc Verlain haben mir gefallen. Die Rückkehr von Yacine hat mich besonders gefreut. Schon in früheren Bänden mochte ich die Figur sehr und freue mich, dass er nun dauerhaft Teil des Teams bleibt.Wie so oft gelingt es Alexander Oetker, Atmosphäre, Ermittlungen und gesellschaftliche Themen miteinander zu verbinden. Gleichzeitig blieb dieser Band für mich etwas hinter meinen persönlichen Highlights der Reihe zurück. Nicht, weil er schlecht wäre, sondern weil mich andere Fälle noch stärker packen konnten.Dennoch ist es ein spannender und nachdenklich stimmender Kriminalroman, der eindrucksvoll zeigt, wie lange Verlust und Rache das Leben eines Menschen bestimmen können.