Die Demokratie ist darauf angewiesen, dass wir widersprechen: gegen Ungleichheit und Machtmissbrauch, gegen Unterdrückung und Gewalt. Widersprechen kann eine Verweigerung des Gehorsams sein, ein trotziger Akt, der darauf besteht, dass die Gegenwart nicht demokratisch genug ist. Gegenwärtig aber reibt sich das Leisten und Aushalten von Widerspruch an Erschöpfung, Prekarisierung, Vereinzelung und Gegenwehr auf: Zu widersprechen bedarf der Fürsorge und wo es keine Fürsorge gibt, versiegt das Widersprechen. Sorgetheoretische Ansätze bieten dafür Erklärungen sowie Alternativen zu einem »leistungsorientierten« Demokratieverständnis, das an den eigenen, heroisch-maskulinistischen Ansprüchen zu scheitern droht. Im Kontext der sorgefeindlichen Gegenwart untersucht Carolin Zieringer das widersprechende Subjekt und das politiktheoretische Ausblenden seiner verletzlichen Abhängigkeit von Sorge. In Bezugnahme auf radikale Demokratietheorien, intersektional feministische Sorgetheorien und Disability Studies zeigt die Autorin, dass dem Leisten und Aushalten ein Drittes hinzuzufügen ist: das Sorgen für Widerspruch.
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