Dark Romance, die auch ohne Spice funktioniert. Thriller-Vibes, starke Dynamik, aber eine FMC, die mich stellenweise wahnsinnig gemacht hat.
¿ Manchmal stolpert man in der Dark Romance über ein Buch, das sich wohltuend von den üblichen Mustern abhebt. Fallen - Kein Abgrund ist tief genug ist genau so ein Fall: eine überraschend bodenständige Protagonistin, ein zutiefst rätselhafter Mann ohne Vergangenheit und eine Geschichte, die auch ohne Spice als Thriller funktionieren würde. Nicht alles ist rund, manches hat mich stellenweise genervt - aber emotional gepackt und neugierig gehalten hat mich dieses Buch definitiv.¿ Was mir zu Beginn besonders gefallen hat: die Protagonistin ist einfach ... normal. Keine Mafia-Tochter, keine Auftragskillerin, kein gebrochenes Mädchen aus einem extremen Milieu - sondern eine Lektorin. Und ja, das hat mich wirklich abgeholt ¿Sie ist hilfsbereit, manchmal überfordert, anpassungsfähig und angenehm menschlich. Ich mochte ihren Humor, ihre Schlagfertigkeit und vor allem ihre Ehrlichkeit sich selbst und ihm gegenüber. Gerade weil das Buch in der Ich-Perspektive erzählt ist, war es für mich wichtig, gern in ihrem Kopf zu wohnen - und das war anfangs absolut der Fall. Es fühlte sich vertraut an, fast wie nach Hause kommen.¿ Im Verlauf wird es allerdings ambivalenter. Sie beginnt, sich selbst anzulügen - etwas, das mich grundsätzlich nervt. Gleichzeitig ist genau das auch Teil ihrer Entwicklung: Jedes Mal, wenn sie der Wahrheit ausweicht, wächst sie später daran, wird stärker und steht schließlich doch dazu. Dieses Muster mochte ich wieder sehr. Problematisch wurde es für mich erst im letzten Drittel, wenn sie versucht, ihre "Themen" mit Cole zu klären. Das war stellenweise wirklich zum Haare raufen: ungeschickt, naiv und emotional wenig klug. Sie ist nicht dumm, aber auch nicht überzeichnet stark - leider kippt das gegen Ende zu sehr in Richtung Hilflosigkeit. Vielleicht ein Überlebensmechanismus im Umgang mit Menschen wie Cole, aber als Leserin war es anstrengend.¿ "Noah" hingegen mochte ich sehr. Dieser rational-dunkle Dark-Romance-Typ, dem bestimmte Emotionen fehlen, ist genau mein Beuteschema. Geheimnisse, Dunkelheit, Kontrolle - und gleichzeitig Charme und körperliche Präsenz. Ein Mann, der ohne Erinnerung an seine Vergangenheit an einen Strand gespült wird und trotzdem selbstsicher, dominant, gefährlich ist. Er kann lieben, beschützen - und töten, wenn es nötig ist. Gewalt ist für ihn Mittel zum Zweck, kein Selbstzweck. Genau das unterscheidet ihn von Cole und macht ihn trotz allem nachvollziehbar.¿¿ Die Dynamik zwischen den beiden funktioniert stark: Zwei Schicksale, die sich gegenseitig verändern. Sie findet durch ihn Selbstvertrauen und eine neue Verbindung zum Leben, er erlebt zum ersten Mal Normalität, Wärme, Vertrauen und echte Zuneigung. Diese Gegensätze tragen die Geschichte.¿ Cole, der Verlobte, ist sehr gut getroffen: bequem, jovial, unauffällig - bis es unbequem wird. Dann zeigt sich eine Seite, die erschreckend realistisch ist. Trotz Noahs Gewalttaten hatte ich durchgehend das Gefühl, dass Cole der eigentlich Wahnsinnige dieser Geschichte ist. Für ihn wird Gewalt irgendwann zum Zweck. Das ist subtil, aber wirkungsvoll erzählt.¿ Abseits der Romance funktioniert das Buch auch als Thriller. Selbst ohne Spice wäre die Geschichte spannend: Wer ist Noah wirklich? Was ist ihm passiert? Wie entkommt er seiner Vergangenheit? Man fiebert mit, rätselt und bleibt dran. Der gut dosierte, qualitativ starke Spice mit klaren Dom-Sub-Vibes fügt sich stimmig in den Plot ein, ohne ihn zu erdrücken.¿ Ein weiteres Plus ist der Sidekick Jaden, der Bruder. Klug, loyal, mutig - und mit einem Satz, der hängen bleibt:"Ich war noch nie so erwachsen, wie ich tue."Solche Figuren geben der Geschichte Tiefe.¿ Unterm Strich ist Fallen - Kein Abgrund ist tief genug eine intensive Dark-Romance mit starkem Thriller-Anteil, überzeugendem männlichen Protagonisten und einer weiblichen Figur, die nicht perfekt ist - was sie menschlich macht, aber auch gelegentlich frustriert. Trotz Schwächen im letzten Drittel hat mich das Buch emotional getragen und gut unterhalten.