Tolles Buch über so viele spannende Fragen und einer Heldin, die neben dem großen Shakespeare bestehen kann
Jodie Picoult schriebt über zwei Heldinnen die nicht nur ihre Verwandtschaft miteinander verbindet sondern auch der feste Wille für ihre Worte und Gehör zu finden- beide stoßen dabei auf Widerstände, ausgelöst von Männern. In Emilias Fall, im Jahrhundert, geprägt durch die gesellschaftlich Kultur und der Tatsache, dass Frauen nach gesellschaftlicher Meinung nichts zu sagen haben und den Männern gehören. Und dennoch kämpft Emilia, ihr ganzen Leben lang für ihre Liebe, für ihre Stimme und auch dafür, schreiben und veröffentlicht zu werden. Viele Jahre stößt Melina auf die Spuren ihrer Vorfahrin Emilia und die Vermutung, dass diese im 17. Jahrhundert Theaterstücke veröffentlicht hat. Nur nicht unter ihrem eigenen Namen, sondern mit Hilfe von niemand geringerem Als William Shakespeare. Melina, selbst studierte Theaterautorin schreibt ein neues Stück um es bei einem Wettbewerb einzureichen. Leider ist die Jury in der Männerdominierten Theaterwelt dafür bekannt, vor allem männliche Autoren zu berücksichtigen...Mich hat dieses Buch sehr begeistert- aus ganz vielen Gründen: Zum einen schätze ich einfach Jodie Picoult und viele ihrer Bücher habe ich verschlungen. Sie schreibt spannend und erschafft Protadonisten, die ich schnell ins Herz schließe- ich leide und freue mich aus ganzem Herzen mit ihnen. Sie machen Wandlungen durch, die ich fühle und ihr völlig abnehme. Und so war es auch in diesem Fall. Wir wechseln im Buch immer zwischen Melina und Emilia, also zwischen dem 17. Jh. und der Gegenwart- und trotzdem scheint sich die Welt manchmal gar nicht so sehr verändert zu haben. Noch immer müssen Frauen für ihre Anerkennung kämpfen- wenn auch nicht mehr ganz so hart aber dennoch auch in der Gegenwart spürbar. Emilia kämpft Zeit ihres Lebens. Ich war in den wenigen Momenten des Glücks mit ihr Glücklich und habe mit ihr gefiebert wenn sie verhandelte und wenn sie ihre Freunde, Familie oder Wegbegleiter betrauerte. Selbiges mit Melina in der Gegenwart- die ebenfalls kämpfen muss, wenn auch auf andere Weise aber sich dennoch immer wieder die Frage stellt: Ist es nur wichtig, dass mein Stück auf die Bühne kommt oder ist es wichtig, dass meine Name genannt wird? "Es war einmal ein Mädchen, das unsichtbar wurde, damit ihre Worte es nicht waren" - daß trifft es einfach wundervoll. Ich habe es genossen, dass sich viele Titel von Shakespeare (oder Emilia) in diesem Buch wiederfinden. So viele Aspekte aus dem Leben Emilas finden sich in den Stücken wieder- Jodie Picoult hat diese Fäden in ihrem ROMAN wunderbar zusammengeflochten, so dass ich als Leserin mir wirklich wünschte, es würde alles so stimmen. Die Autorin erklärt im Nachwort ausführlich, wo Wahrheit und Fiktion aufeinandertreffen, wo sie interpretiert hat und wie sie recherchierte. Alles aufschlussreich. Zeitgleich schafft sie es auf beeindruckende Weise die Geschichte in die Gegenwart zu holen und den Diskurs um die Gleichberechtigung als Thema in die New York Times zu bringen. Mir waren die Zweifel daran ob Shakespear wirklich der Autor vieler seiner Stücke ist bekannt, diese Zweifel wurden nun verstärkt. Was bleibt sind wunderbare Tragödien und Komödien mit der Frage, wer seinen Namen in den Wind geschrieben haben könnte.