
Ein freches Sommerbuch über das große Abenteuer Freundschaft - für Mädchen und Jungen ab 12.
Was tun, wenn die Sommerferien alles andere als chillig starten? Für Tomma beginnt der Sommer mit einer echten Bruchlandung: getrennte Eltern, keine Kohle für Urlaub, stattdessen wartet die Ferienbetreuung im Jugendzentrum. Doch statt Langeweile und Gruppenspielen mit Fremden erlebt sie einen Sommer, der alles verändert: Mofa-Ausflüge mit Eddie, ein selbst gebautes Badewannenboot, Rollerdisco, Jahrmarkt und ein riesiger, manchmal gruseliger Hund. Zwischen Sommerhitze, Mobbing, Außenseiter-Gefühl und dem ganz normalen Teenager-Wahnsinn warten kleine und große Abenteuer auf Tomma und ihre alten und neuen Freunde.
Mit viel Humor, Herz und einer Prise Chaos erzählt dieses Jugendbuch von echten Ferienabenteuern, Diversität, Toleranz und dem Mut, sich selbst zu finden. Und natürlich von der ersten Liebe . . .
- Für alle, die Lust auf eine unvergessliche Sommergeschichte haben
- Ein Roman mit jeder Menge Spaß, Rollerskates und Herz
- Ein Must-Read für alle, die den Sommer lieben!
- Thematisiert Mobbing, Diversität und erste Liebe - mit viel Humor und Tiefgang
Besprechung vom 22.06.2026
Wie peinlich bin ich?
Jonny Bauers Erzählerin erlebt, dass Ferien im Jugendzentrum nicht so schlimm sind wie erwartet
Das Sommercamp des Jugendzentrums, "versammelt alle, die nicht in den Urlaub dürfen", so sieht es zumindest Tomma: "Die Zurückgebliebenen, die Ungewollten." Klar, dass sie da nicht hinwill, und genauso klar, dass sie muss, schließlich macht ihr Vater gerade Ferien mit seiner neuen Familie, die Mutter muss noch ein paar Wochen arbeiten, und sparen müssen sie außerdem. Aber dass Tomma auch noch Spaß hat in diesem Sommer, kann sich die Mutter gefälligst abschminken.
Das Setting, das Jonny Bauer für seinen ersten Jugendroman "Ameisensommer" gewählt hat, ist vertraut: Ein Teenager am Beginn der Pubertät sträubt sich gegen das Unausweichliche und muss nach und nach zugeben, dass es nicht so schlecht ist wie gedacht. Schulkonflikte ragen in die Ferienwochen hinein, das Arrangement der Eltern ist wackelig, der Hausmeister beim Jugendzentrum ist zum Fürchten und dann eigentlich doch ganz nett. Und erst sein Hund! Außerdem gibt es da noch Eddie.
Eddie, der am zweiten Tag mit seinem Mofa aufs Gelände gerast kommt, dass die Kleinen auseinanderspringen, und trotzdem vom Betreuer mit Handschlag begrüßt worden wäre, wenn er das nicht ausgeschlagen hätte. Der immer was an seiner Maschine zu sprühen oder zu schrauben hat und Tomma kurz nach seinem ersten Auftritt bittet, ihm beim Nachfüllen des Öls den Trichter zu halten. Dabei hatte sie sich doch hinter ihrem Buch verschanzt und fest geglaubt, er habe nicht einmal mitbekommen, dass sie nicht umhinkann, ihn zu beobachten.
Wenn sich Tomma nicht hinter einem Buch verschanzt, dann hinter ihrem Smartphone, nörgelt ihre Mutter, im Funkloch Jugendzentrum notfalls hinter Gleichgültigkeit und schlechter Laune. Jonny Bauer lässt keine Gelegenheit aus, den inneren Widerstand seiner Ich-Erzählerin auszuführen - und kaum eine für die Erwähnung von Tommas innerem Widerspruch. Als Eddie sie am Samstag vom Kung-Fu-Training abholt, sagt sie nicht etwa "Was für eine schöne Überraschung", sondern "Hast du mir etwa nachspioniert?" - und kommentiert sich selbst: "typisch ich". Als er ihr zeigt, dass die Eissporthalle zur Rollerdisco umfunktioniert wurde, dabei kann er gar nicht skaten, will sie ihn umarmen, macht es aber nicht. Als er sie zu Hause absetzt und davonknattert, winkt sie und denkt sofort: "wie peinlich bin ich denn?"
Dass Tomma diese Abweichungen auffallen, ist interessant. Dass Jonny Bauer diese Wahrnehmungen in ihrer Beiläufigkeit belässt, angenehm. Bei anderen Themen ist er weniger zurückhaltend: Dass Schule "eigentlich ganz okay" ist, muss die arme Tomma festhalten, bevor sie zwei Seiten weiter erklärt: "Eigentlich ist Mutter ganz okay. Klar ist sie eine Mutter, das nervt schon, aber sie ist cool, manchmal wenigstens." Ihre Anmerkungen über soziale Ungerechtigkeit, pädagogische Qualifikation, Rücksichtnahme im Straßenverkehr und Kindheit heute haben einen Schlag ins Bekenntnishafte. Sie gelten - gedacht, nicht ausgesprochen - allein den Lesern.
Eddie und Tomma nehmen sich einiges heraus in dieser Ferienfreizeit, sie ecken an, werden zur Rede gestellt, schaffen es aber auch, ein Mädchen wiederzufinden, dessen Fehlen die Betreuer in der ganzen Aufregung um das Verschwinden der beiden erst gar nicht bemerkt haben. In Tommas Schilderungen spielt diese Pola das ganze Buch über eine so konstante Rolle, dass ihr unspektakulärer letzter Auftritt und Abgang etwas Enttäuschendes haben.
Der abschließende Plan von Tomma und Eddie hingegen, in dem Pola zu ihrem Leidwesen nicht auch noch Platz findet, hat etwas so Durchgeknalltes, dass er den realistischen Rahmen der bisherigen Romanhandlung hinter sich lässt. Dafür erinnert er an die Bücher, die Tomma selbst ganz gerne liest: eine schöne Korrespondenz. Dass sich auch der Autor davon die Rettung seines Romans verspricht, zeigen dann die fünf Zeilen aus dem Showdown, die Jonny Bauer seinem ersten Kapitel vorangestellt hat. FRIDTJOF KÜCHEMANN
Jonny Bauer: "Ameisensommer".
Thienemann, Stuttgart 2026. 176 S., br., 13,- Euro. Ab 12 J.
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