Auf The Enemy's Daughter bin ich durch eine meiner liebsten Bloggerinnen aufmerksam geworden. Was sie an Büchern mag, gefällt meistens auch mir, und nachdem sie die Geschichte vorgestellt hatte, wollte ich sie unbedingt selbst lesen. Also habe ich das Buch angefragt - und mochte es schon nach den ersten Seiten sehr.Nach dem Untergang der alten Welt leben fünf Klans und das wohlhabendere Kingsland auf einem der wenigen bewohnbaren Landstriche. Zwischen ihnen herrscht seit Jahrzehnten ein erbitterter Konflikt. Isadora ist die Tochter des Anführers der Klans und arbeitet als Heilerin, obwohl sie sich nach mehr Wissen und einem selbstbestimmten Leben sehnt. Als sie bei einem gefährlichen Einsatz auf Tristan aus Kingsland trifft, ist für sie zunächst klar, dass er zu ihren Feinden gehört. Doch eine unerwartete Verbindung zwingt die beiden, einander näherzukommen. Dabei muss Isadora sich fragen, ob das, was sie über Kingsland zu wissen glaubt, wirklich die ganze Wahrheit ist.Isadora und Tristan mochte ich beide sehr. Besonders Isadoras Neugier und ihr Wunsch, Menschen zu helfen, haben sie mir schnell nahegebracht, und auch Tristan habe ich gerne kennengelernt. Manchmal wirkten die Figuren und ihre Reaktionen auf mich allerdings recht jugendlich, gerade gemessen daran, wie hart die dystopische Welt um sie herum ist. Auch die Nähe zwischen Isadora und Tristan entwickelte sich für mein Gefühl etwas zu schnell. Ich mochte die beiden zusammen, hätte aber gerne noch länger miterlebt, wie aus ihrem Misstrauen langsam Vertrauen und schließlich Liebe wird.Das Setting hat mich mit seinen unterschiedlichen Gesellschaften, den Überresten der alten Welt und der besonderen Magie sofort neugierig gemacht. Der Weltenbau funktioniert für die Geschichte gut, doch ich hatte immer wieder das Gefühl, dass wir nur an der Oberfläche dessen kratzen, was hier möglich gewesen wäre. Gerade über die Vergangenheit, das Leben in den einzelnen Klans und die Magie hätte ich gerne noch mehr erfahren. Die Anklänge an Tristan und Isolde - die Liebe zwischen vermeintlichen Feinden, Isadoras Vergiftung und die daraus entstehende magische Verbindung - fand ich interessant; für mich standen sie beim Lesen eher im Hintergrund, als dass die Sage Szene für Szene nacherzählt würde.Melissa Poetts Schreibstil habe ich sehr gern gelesen. Er ist flüssig und bildhaft, sodass ich schnell in der Geschichte war und immer wissen wollte, wie es weitergeht. Isadoras Perspektive hat mir gefallen, auch wenn ich mir zwischendurch sehr gewünscht hätte, ein paar Kapitel aus Tristans Sicht zu lesen. Seine Gedanken und Gefühle hätten für mich gerade der Liebesgeschichte noch ein wenig mehr Tiefe geben können.Fazit:Insgesamt hatte ich mit The Enemy's Daughter von Melissa Poet eine schöne und spannende Lesezeit. Der Schreibstil, die Figuren und die Idee hinter dieser Welt haben mir wirklich gut gefallen. Gleichzeitig steckt in der Geschichte für mich so viel Potenzial, dass ich mir an einigen Stellen mehr Raum gewünscht hätte - für den Weltenbau, die Magie und vor allem für die Entwicklung der Beziehung. Deshalb ziehe ich einen Flamingo ab.¿¿¿¿- Für einen schönen Schreibstil, Figuren, die ich gerne begleitet habe, und ein Setting, von dem ich am liebsten noch viel mehr gesehen hätte.