Cover & Klappentext
Das Cover ist definitiv ein wahrer Blickfang. Die Farbgebung, die Details und die illustrierten Hauptprotagonisten sind durchaus gelungen, obwohl es gleichzeitig auch etwas überladen wirkt.
Der Klappentext hat mich zusätzlich neugierig gemacht. Da ich das Drama Tristan und Isolde bereits kenne, war ich gespannt, was die Autorin daraus gezaubert hat.
Meinung
Nachdem vor dreißig Jahren die Bomben fielen, hat sich die Welt verändert. Nun kommt es zwischen den fünf Klans und dem Kingsland immer wieder zu Kämpfen wegen Land und Ressourcen.
Als die junge Heilerin Isadora auf dem Weg zu verletzten Klanmännern von einem Giftpfeil getroffen wird, rettet ihr ausgerechnet Tristan vom Kingsland mit einer ungewöhnlichen Magie das Leben. Seitdem teilen sie Emotionen und Erinnerungen miteinander.
Isadora hofft dadurch, das Leben ihres Klans zu retten, aber dafür muss sie sich seinen und ihren Gefühlen stellen.
Aus der Sicht von Isadora wird man durch das Geschehen geführt.
Den Einstieg empfand ich als ein wenig verwirrend. Das lag zum einen an der unbeholfenen Schreibweise, aber auch an missverständlichen Sätzen. Das besserte sich aber zum Glück im Laufe der Geschichte.
Die moderne Neuerzählung von Tristan und Isolde mit dystopischen Elementen ist das Debüt der Autorin. Daher habe ich vom Schreibstil nicht allzu viel erwartet. Anfangs holperte es noch ein wenig und alles wirkte etwas konfus, was sich aber, je weiter die Story voranschritt, gab, sodass ich mich komplett auf die Handlung konzentrieren konnte.
Trotz kleinerer Schwierigkeiten zu Beginn bringt die Autorin viel Potenzial mit, weshalb ich mich auf weitere Bücher von ihr freue.
Isadora ist als Hauptprotagonisten gut gelungen. Ihre Ausbildung als Heilerin füllt sie aus, auch wenn sie begeistert von der Alten Welt ist, in der Erkrankungen und Wunden viel effektiver behandelt werden konnten. Als Tochter des Klanführers und insbesondere als Frau besitzt sie kein Stimmrecht in der eher weniger fortschrittlichen Welt, in der sie lebt. Hier wird mit Gewalt das Recht durchgesetzt.
In Kingsland wiederum wirkt im Gegenzug alles viel moderner. Nach dem Sturz der Republik haben sich einige Überlebende zusammengeschlossen und die noch funktionierenden Gerätschaften wiederverwendet.
So ist Tristan aufgewachsen, der zwar als Krieger ausgebildet wurde, aber versucht, den Frieden durchzusetzen. Als Feind hätte ich ihn mir anders vorgestellt. Stattdessen überzeugt er sofort mit seinem ehrlichen Wesen. Dieser Gutherzigkeit kann sich auch Isadora nicht sehr lange entziehen.
Die Story ist dank der unterschiedlichen Lebensweisen überraschend komplex. Jede Seite ist mit unterschiedlichen Lügen aufgewachsen. Wer jahrelang manipuliert wurde, wird nicht sofort der Gegenseite Glauben schenken. Und genau das hat die Autorin wunderbar umgesetzt. Das Vertrauen muss sich entwickeln und verdient werden. Und bis zu diesem Punkt ist es ein weiter Weg. Hier war die Verbindung hilfreich, die es unmöglich macht, den anderen anzulügen.
In dieser Hinsicht wurde die romanische Komponente nicht in den Vordergrund gerückt. Sie entwickelt sich zum Teil beziehungsweise wird gerade, Isadora betreffend, anfangs eine lange Zeit unterdrückt, bis sie schließlich dafür offen war. Das hat mir sehr gefallen.
Aufgrund der Komplexität und Vielschichtigkeit der Geschichte hätte ich mir noch mehr Hintergrundinformationen gewünscht, denn einiges ging im Verlauf etwas unter. Vielleicht wäre hier eine Dilogie sinnvoll gewesen. Genug Material wäre vorhanden gewesen.
So wurde, obwohl das Tempo zeitweise eher gemächlicher anmutete, das Ende recht schnell abgehandelt, was schade ist. Ich persönlich hätte mir einen runderen Abschluss gewünscht.
Fazit
Die Neuerzählung des Dramas Tristan und Isolde mit dystopischen Elementen punktet mit überraschend viel Spannung und tiefgehenden Emotionen, was nicht zuletzt an den wunderbar gezeichneten Hauptprotagonisten liegt.
Mit diesem Retelling gibt die Autorin ihr Debüt, was ihr fabelhaft gelungen ist.
Ich vergebe dreieinhalb von fünf Sternen, die ich auf vier aufrunde, sowie eine klare Leseempfehlung.