Beklemmend, tiefgründig und aktueller denn je.
Kann man Fahrenheit 451 lesen, ohne ins Nachdenken zu geraten - über sich selbst und über die Gesellschaft, in der wir leben? Ich glaube nicht. Dieses Buch lässt einen nicht unberührt zurück.Ray Bradbury behandelt in seinem Klassiker zeitlose und erschreckend aktuelle Themen: Zensur, die politisch und gesellschaftlich gewollte Verblödung der Menschheit, den Vormarsch inhaltsloser digitaler Dauerbeschallung sowie den Rückzug aus echten, tiefgehenden zwischenmenschlichen Beziehungen. Gleichzeitig geht es um die Suche nach dem eigenen Ich und um die Frage, was ein glückliches, bewusstes Leben eigentlich ausmacht.Besonders spannend fand ich auch die Geschichte hinter dem Buch, so wie Ray Bradbury sie selbst beschreibt, da sie dem Roman eine zusätzliche Ebene verleiht.Der Schreibstil ist verstörend und sehr emotional. Er verändert sich spürbar mit der Entwicklung von Guy Montag - von der anfänglichen Anpassung über den inneren Zerfall bis hin zum Wiederaufbau. Viele Nebencharaktere werden nur kurz, aber sehr intensiv eingeführt und nachhaltig im Gedächtnis. Eine Charakterzeichnung dieser Form habe ich selten erlebt.Fahrenheit 451 ist für mich ein Buch, das man nicht nur liest, sondern über das man lange nachdenkt - und das gerade deshalb auch heute noch absolut lesenswert ist.