Mit "Wherever" schlägt die Dunbridge-Academy-Reihe ein neues Kapitel auf und entführt uns zurück in die nebligen, geschichtsträchtigen Mauern des schottischen Internats. Im Mittelpunkt der neuen Generation steht Scarlett, deren gesamte Zukunft und das dringend benötigte Stipendium von ihren akademischen Leistungen abhängen. Perfektion ist für sie kein Wunsch, sondern pure Notwendigkeit. Eigentlich wäre der erste Platz im Stufenranking ein Leichtes, gäbe es da nicht George. Er ist arrogant, unerträglich klug, teilt sich mit ihr die Spitze und treibt Scarlett mit seinen ständigen Sticheleien und Lateinzitaten regelmäßig in den Wahnsinn. Als Scarlett sich dann auch noch das Amt der Schulsprecherin mit ihrer Konkurrentin Cleo teilen muss, ist das Chaos perfekt. Doch der erbitterte Konkurrenzkampf gerät ins Wanken, als Scarlett und George gezwungen sind, enger zusammenzuarbeiten. Hinter den perfekt inszenierten Masken der beiden kommen tiefe familiäre Lasten und Geheimnisse zum Vorschein, die alles verändern.Es gelingt mühelos, den altbekannten, magischen Dunbridge-Vibe vom ersten Moment an wiederaufleben zu lassen. Die nächtlichen Spaziergänge, das heimelige Internats-Feeling und die legendären Mitternachtspartys sorgen sofort für eine vertraute Wohlfühlatmosphäre.Besonders das Zusammenspiel zwischen Scarlett und George trägt die Geschichte über weite Strecken. Ihr intellektueller Schlagabtausch und der humorvolle Konkurrenzkampf machen unglaublich viel Spaß. Die Anziehungskraft der beiden entwickelt sich in einem angenehmen, subtilen Tempo, wodurch die Annäherung emotional tiefgründig und absolut authentisch wirkt. Beide Protagonisten besitzen echte Ecken und Kanten. Scarletts Versagensängste und der immense Druck, den sie sich selbst auferlegt, sind greifbar und berührend. Auch George entpuppt sich als weitaus vielschichtiger als der anfänglich bloß arrogante Schönling; hinter seiner Fassade liegt ein verletzlicher Kern und eine schwere Last.Die Geschichte nimmt sich mit fast 600 Seiten viel Zeit für ihre Figuren. Während die erste Hälfte durch die dichte Atmosphäre fantastisch fließt, zieht sich der Mittelteil an manchen Stellen jedoch ein wenig. Ein kleinerer Dämpfer ist zudem der unerwartete Kriminal- und Spannungsplot, der in der zweiten Hälfte rund um Georges Geheimnis eingewoben wird. Für meinen Geschmack wirkte dieser Twist etwas zu konstruiert und vorhersehbar für ein Genre, das eigentlich von seinen leisen Zwischentönen lebt. Hier wäre weniger Drama und mehr Fokus auf die Beziehungsdynamik die stärkere Wahl gewesen. Schön gelöst ist hingegen die Entwicklung zwischen Scarlett und Cleo, die eine tolle Wandlung von Konkurrentinnen zu echten Freundinnen durchlaufen. Auch das Wiedersehen mit bekannten Gesichtern wie Henry, der nun als Referendar an der Schule arbeitet, lässt das Fan-Herz höher schlagen.Insgesamt ist dieses Buch ein absolut gelungener Start für die neue Generation und ein wunderbares Wohlfühlbuch. Die Liebesgeschichte glänzt durch Emotionen, Prickeln und großartige Dialoge. Wer über die kleinen Schwächen des etwas überdramatisierten Plots im hinteren Teil hinwegsehen kann, bekommt hier ein atmosphärisches Lesehighlight geliefert.