Bücher unabhängiger Verlage gehen leider oft zwischen all den Bestsellern der großen Verlage unter. Dabei haben auch sie ein feines Programm, das mehr Menschen lesen sollten. Denn sie tragen zur Vielfalt bei und besitzen mehr programmatische Freiheiten. Indie Verlage veröffentlichen Bücher, die im Mainstream weniger Raum finden - etwa experimentelle Literatur, Debüts oder Werke aus weniger vertretenen Sprachräumen. Wir haben Ihnen hier die 10 spannendsten Bücher zusammengestellt.
1. Susanne Schirdewahn: Karacho
(1Bewertung)15
Buch (gebunden)
22,00 €
Darum geht es: Die Künstlerin Kira, Mitte 40, lebt mit ihrem Ehemann Vau und zwei jugendlichen Söhnen in Berlin. Eines Tages verabschiedet Vau sich mit den Worten: Ich liebe dich nicht mehr. Und als wäre das nicht genug, hat er auch noch eine Neue, jünger und bald auch schwanger. Kira muss sich entlieben, doch wie soll das nach 20 Jahren Ehe gehen? Von nun an schlägt sich Kira durch den Alltag, macht eine Weiterbildung - das Künstlerinnendasein allein reicht zum Leben nicht -, hat neue und wiederkehrende Liebhaber, versucht, eine gute Mutter zu sein, uns stellt fest, dass sie sich zwar nie trennen wollte, mit jedem Tag des Getrenntseins aber auch Erleichterung verspürt.

Darum lieben wir dieses Buch: In "Karacho" durchlebt man gemeinsam mit Kira eine Trennung und damit auch das Ende einer Ehe. Während die meisten Romane vom Kennenlernen und Verlieben handeln, dreht Susanne Schirdewahn das Ganze um und hat einen Trennungsroman geschrieben. Unbedingt lesen!
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2. Nora Gomringer: Am Meerschwein übt das Kind den Tod
(8Bewertungen)15
Buch (gebunden)
22,00 €
Darum geht es: Sie hinterlässt drei Kinder und einen Bindestrich. Sie hinterlässt mir ihre Freundinnen, ihre Bibliothek, ihr Unbehagen. Ich schreibe ihr hinterher als vermissende Tochter, als wütende Frau, als verstummte Dichterin und wundere mich, wie wenig sie sich beschwören lässt, wenn ich es will. Sie hat sich - nun himmlisch - endlich emanzipiert. Ich schreibe über meine mannigfaltige Mutter, ihre Weisheit und Komik, ihren Mann, die Sache mit den Meerschweinchen und mich.

Darum lieben wir dieses Buch: "Am Meerschwein übt das Kind den Tod" - allein den Titel finden wir genial - ist ein Nachruf, in dem Nora Gomringer mit Humor gegen das Dramatische anschreibt: den Tod ihrer Mutter. Wer sich für Literatur interessiert, die nicht beruhigt, sondern herausfordert, sollte dieses Indie-Buch lesen, das unserer Meinung nach viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.
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3. Stefan Sommer: Partypeople
(6Bewertungen)15
Buch (gebunden)
24,00 €
Darum geht es: Der Ich-Erzähler im neuen Roman von Stefan Sommer hat alles und nichts: Als erfolgreicher Techno-DJ wird er auf private Partys von Superreichen eingeflogen, lässt sich von Haute-Cuisine-Chefs bekochen, nächtigt in Grand Hotels. Ein luxuriöses Leben zwischen Helikopterflügen, Infinitiy-Pools, Champagner und den immer groteskeren Wünschen eines Superstars, der von sich und der Welt gelangweilt ist. Dazwischen: Loneliness. Designerdrogen und Schmerzmittel helfen nur vorübergehend, und auch Christian, ein verheirateter Mann, ist schnell wieder aus dem Leben des DJs verschwunden. Während seiner gnadenlosen Hetze um die Welt erkennt der Erzähler irgendwann, dass er davonläuft: Vor dem Verlust der Mutter, die Jahre zuvor verstorben ist. Seither trägt er ihre Lieblingsblumen als Tattoo auf der Haut - ein zarter Versuch, der Härte der Erfolgsindustrie etwas entgegenzusetzen.

Darum lieben wir dieses Buch: Wer Lust hat, in die Welt der Schönen und Reichen abzutauchen, sollte "Partypeople" lesen. Ein wilder Ritt durch die Glitzerwelt, unter deren Oberfläche Einsamkeit und Leere lauern. Was diesen Roman so besonders macht, ist die Mischung aus Schnelllebigkeit und Melancholie, die immer wieder durchblitzt. Vor allen der Verlust der Mutter hat uns zum Schluchzen gebracht. Ein Buch über das Dazwischen und die Dinge, die wirklich zählen.
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4. Jessica Mawuena Lawson: Kekeli
(6Bewertungen)15
Buch (gebunden)
24,00 €
Darum geht es: Kekeli lebt in einer Kleinstadt in Süddeutschland. Ihr Leben verläuft gleichförmig und angepasst, bis ihre undurchschaubare Cousine Afi aus Togo zu Besuch kommt und Kekeli sich plötzlich mit vielen Fragen der Zugehörigkeit konfrontiert sieht. Zudem wird sie von ihrem Mitschüler Kwame eingeladen, gemeinsam für die »Pamoja Society«, einer Gruppe von kreativen, afro-deutschen Jugendlichen, bei einem Doku-Film über das Leben Schwarzer Menschen in Deutschland mitzuarbeiten und dafür nach Berlin zu fahren. Auf einem Roadtrip mit Afi, Kwame und dessen Bruder Kofi stößt Kekeli auf ein beklemmendes Familiengeheimnis, das sie aus der Bahn wirft. Und das während sie sich immer mehr in Kwame verliebt.

Darum lieben wir dieses Buch: "Kekeli" ist eine Coming of Age-Geschichte, die uns in die Gefühle, Fragen und die Rassismuserfahrungen Schwarzer Menschen eintauchen lässt. Der Indie-Roman zeigt eindrücklich, welche Konsequenzen Abschiebungen für Familien haben können und welche Steine damit ins Rollen gebracht werden. Absolute Empfehlung!
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5. Johann Reißer: Pulver
(2Bewertungen)15
Buch (gebunden)
26,00 €
Darum geht es: Jeder in der Schwarzwaldstadt kennt den frechen Max, der sich statt in der elterlichen Apotheke lieber beim alten Pulvermüller rumtreibt. Dass dieser ehrgeizige Junge die Pulvermühle übernehmen und in wenigen Jahren einen international agierenden Konzern aufbauen wird, ahnt da noch keiner. Sein raucharmes Schießpulver revolutioniert die Kriegsführung und macht ihn zu einem der mächtigsten Männer des Kaiserreichs, der Deals mit Bismarck und Krupp einfädelt und sein Pulver bis nach Japan verkauft. Doch nicht allen gefällt, wie Industrialisierung und Nationalismus die Gesellschaft verändern. Die Aufrüstungsspirale entlädt sich im Ersten Weltkrieg, den seine uneheliche Enkelin Rosa als Arbeiterin in der Pulverfabrik erlebt. Einschneidende Erlebnisse machen sie zur Kämpferin gegen den Militarismus.

Darum lieben wir dieses Buch: Überraschend und fesselnd bis zur letzten Seite erzählt Johann Reißer in seinem Indie-Roman die unerhörte Geschichte von Max Duttenhofer, den kaum beleuchteten Anfängen der deutschen Rüstungsindustrie und den Hoffnungen, Begierden und Abgründen dahinter. Ein mitreißender und vielstimmiger Familien- und Epochenroman, der einen erzählerischen Bogen zwischen dem ausgehenden 19. Jahrhundert und dem 21. Jahrhundert spannt.
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6. Bianca Nawrath: Schöne Scham
(29Bewertungen)15
Buch (gebunden)
24,00 €
Darum geht es: Zwei befreundete Paare fahren für ein gemeinsames Wochenende an die Ostsee, und zum ersten Mal ist auch Ola dabei. Ola ist Single, liebt Frauen und Männer und hat eine Biografie von Hildegard von Bingen im Gepäck. Für Amalias Freund Christian ist Ola mit ihren feministischen Bemerkungen eine einzige Katastrophe. Schon der erste Abend droht über der Frage, wem es gelingt, den Grill anzuzünden, und einem Gespräch über weibliche Selbstbefriedigung zum Fiasko zu werden. Das zweite Paar, Kata und Lenny, ist zunehmend irritiert von Christians Verhalten, aber weitgehend mit ihren eigenen unterdrückten Streitereien beschäftigt. Spätestens als Amalia und Ola plötzlich unauffindbar sind, eskaliert die Situation.

Darum lieben wir dieses Buch: Wie befreie ich mich aus einer selbstzerstörerischen Beziehung, und ab wann ist Nicht-Einmischung Komplizenschaft? Bianca Nawrath beweist ein scharfes Auge für die Grauzonen innerhalb von Freundschaft und Liebe, für das leise Wirken von Scham- und Schuldgefühlen. Mit zugespitzten Dialogen, psychologischer Spannung und glaubhaften Figuren hinterfragt sie traditionelle Machtstrukturen und führt ihre Leser:innen über viele, oftmals hochamüsante Umwege zu der Erkenntnis, wie wertvoll weibliche Solidarität ist.
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7. Meikel Mathias: Strong Men
Taschenbuch
26,00 €
Darum geht es: Rund um den Globus erleben wir gerade das Comeback autoritärer Führungsfiguren. Diese Entwicklung geht Hand in Hand mit der Normalisierung reaktionärer, frauenfeindlicher und rückwärtsgewandter Denkmuster, die weit über die Politik hinaus in alle Lebensbereiche hineinwirken. Im Zentrum dieses Kulturkampfes steht das Thema Männlichkeit. Zwischen Selbstinszenierung und Vermarktung wird es hier zur Bühne, zum Mythos, zur Ware und zur politischen Waffe.

Darum lieben wir dieses Buch: In mehreren Kapiteln beleuchtet diese Graphic Novel die vielfältigen Facetten von Männlichkeit: von den historischen Wurzeln unserer Männlichkeitsbilder in der Antike über das Mittelalter bis hin zu seinem aktuellen digitalen Gewand in Form von Manfluencern, Gymbros, Podcastern und Alt-Right-Agitatoren. Unbedingte Empfehlung für alle, die Lust auf einen feministischen Comic haben und sich dem Thema mal anders als gewohnt annähern wollen.
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8. Susanna Hast: Beweiskörper
(1Bewertung)15
Buch (gebunden)
24,00 €
Darum geht es: Zuerst sind da die Räume. Der Garten der Großmutter, die hellgrün gestrichene Nervenklinik, in der die Mutter arbeitet, ein Dorf im Norden Finnlands. Ein Reihenhaus, ein Schlafzimmer, ein Badezimmer. Ein Keller. Ein Haus auf einer Insel. Die Erzählerin muss an diese Orte zurückgehen, um sich zu erinnern. Warum ihre Kindheit abrupt endete, als sie zwölf Jahre alt war. Ein Verbrechen war geschehen, aber niemand verständigte die Polizei. Beweise wurden nicht gesammelt, Verdächtige oder Zeugen nicht verhört. War überhaupt etwas passiert? Nun, Jahre später, wird sie zur Ermittlerin in eigener Sache, ihr Körper zum Archiv, er erinnert sich, auch wenn die Verletzungen nicht mehr sichtbar sind. Die Räume leben in ihrem Körper fort. Ihre Spurensuche wird keine Heilung bringen, aber einen selbstbestimmten Umgang mit der eigenen Vergangenheit.

Darum lieben wir dieses Buch: In "Beweiskörper" taucht die Indie-Autorin Susanna Hast in ihre Kindheitserinnerungen ab und verarbeitet darin ihr Trauma, das ihr mit 13 widerfuhr. Sie reflektiert über Schuld und Unschuld, Scham und Würde, über Sexualität und Mutterschaft. Dabei schlägt sie auch einen Bogen zu Autorinnen wie Hélène Cixous oder Maggie Nelson, die sich ebenfalls mit Gewalt und Weiblichkeit befasst haben. Susanna Hasts bewegender Text ist ein feministischer Genrehybrid zwischen Roman, Memoir und Essay und wurde mit Helsingin-Sanomat-Literaturpreis ausgezeichnet.
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9. Paul Murray: Der Stich der Biene
(67Bewertungen)15
Taschenbuch
18,00 €
Darum geht es: Familie Barnes steckt in Schwierigkeiten. Dickie Barnes' lukratives Autogeschäft läuft nicht mehr. Aber anstatt sich dem Problem zu stellen, beginnt er in den Wäldern einen Bunker zu bauen. Seiner Frau Imelda, die ihren Schmuck auf eBay verkauft, erscheinen die Avancen von Big Mike, dem reichen Rinderzüchter, immer attraktiver. Die achtzehnjährige Cass, die immer die Klassenbeste war, reagiert auf den Niedergang, indem sie beschließt sich bis zu ihrem Abschluss jeden Tag zu betrinken, während der zwölfjährige PJ einen Plan schmiedet, um von zu Hause abzuhauen. Wenn das Leben und die Welt auseinanderfallen, stellen sich die großen Fragen: Wann und warum begann der Untergang? Was hätte man tun können und wie weit müsste man zurückgehen, wenn man die Geschichte ändern könnte? Bis zu dem Tag als Dickie Barnes zehnjährig zitternd vor seinem Vater stand und lernte, wie man ein richtiger Mann wird? Bis zu dem Autounfall zwölf Monate vor Cass' Geburt? Oder bis zu dem verheerenden Stich der Biene, der Imeldas Hochzeitstag ruinierte?

Darum lieben wir dieses Buch: "Der Stich der Biene" ist gleichermaßen witzig wie weise. Ein tragisch-komisches Epos über Familie, Schicksal und die Herausforderung, ein guter Mensch zu sein, wenn die Welt auseinanderfällt. Von der New York Times und der Washington Post wurde dieses Indie-Buch zu einem der 10 besten 2023 gekürt, außerdem stand es auf der Shortlist des Booker Prize.
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10. Oisín McKenna: Hitzetage
(5Bewertungen)15
Buch (gebunden)
26,00 €
Darum geht es: London, ein flirrend heißes Juniwochenende: Maggie ist schwanger und pleite und fürchtet die Rückkehr in die Vorstadt ihrer Kindheit. Ed jobbt als Fahrradkurier und verheimlicht seine Bisexualität. Phil ist unglücklich in seinen Mitbewohner verliebt. Als Phils Hausgemeinschaft in einer leerstehenden Lagerhalle aufgelöst wird, feiern sie, als wäre es das letzte Mal. Mit Intensität und Empathie fängt Oisín McKenna die Energie einer Generation ein, die zwischen Arbeit und Selbstfindung, Freiheitsdrang und dem Wunsch nach Stabilität oszilliert. Ein ungeschönter, zärtlicher Roman über das urbane Leben Anfang dreißig - über Kreativität, Prekarität und die Frage, wie man authentisch bleibt, wenn unsere Träume von der Realität eingeholt werden.

Darum lieben wir dieses Buch: Oisín McKenna schafft es, rau und echt über die Ängste und Sorgen der Millenials zu schreiben. Dabei greift er nicht auf die großen Plottwists und Cliffhanger zurück, sondern erzählt diese Geschichte wie ein Freund, den man gerade im Café trifft. Die perfekte Sommergeschichte für alle, die es authentisch mögen.
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