Das Leben schreibt bekanntlich die besten Geschichten. Doch erst gute (Auto-)Biografien machen daraus gute Bücher. Sie erzählen von Erfolg und Scheitern, von persönlichen Krisen, politischen Umbrüchen und außergewöhnlichen Entscheidungen. Dabei eröffnen sie nicht nur einen Blick auf bekannte Persönlichkeiten, sondern auch auf die Zeit und die Gesellschaft, die diese Menschen geprägt haben. Die folgenden 10 (Auto-)Biografien zeigen, wie unterschiedlich ein Leben erzählt werden kann und warum wahre Geschichten spannender sein können als so mancher Roman.
1. Belle Burden: Fremde
(114Bewertungen)15
Buch (gebunden)
24,00 €
Darum geht es: An einem kühlen Märztag 2020, zu Beginn der Pandemie, verkündet Belle Burdens Ehemann ohne Vorwarnung, dass er sie verlässt. Zwanzig Jahre sind sie verheiratet. Zuvor haben sie im Ferienhaus der Familie auf Martha's Vineyard einen ganz normalen Tag verbracht: Feuer im Kamin gemacht, Whiskey Sours getrunken, Hähnchen gegrillt. Plötzlich wird aus dem zuverlässigen Ehemann und Vater ein Mensch, den sie kaum wiedererkennt. Er verlässt ihr gemeinsames Leben wie ein Schauspieler, der sein Kostüm ablegt. Mit fünfzig bricht für Belle Burden eine Welt zusammen. Mitten im Schock und Schmerz der Trennung muss sie erfahren, wie naiv es war, ihrem Mann blind zu vertrauen. Kennt man den Menschen, den man liebt, wirklich? Während sie auf schonungslos ehrliche Weise nach der Wahrheit sucht, erwächst in ihr eine beeindruckende innere Stärke. Aus der schüchternen, scheuen Belle, die sich in die Rolle einer traditionellen Ehefrau und Mutter wie selbstverständlich eingefunden hatte, wird eine Frau, die die Kontrolle über ihr Leben zurückgewinnt.

Darum lieben wir dieses Buch: Diese Autobiografie stand in den USA monatelang auf der Bestsellerliste der New York Times und das völlig zu Recht. Belle Burden zeigt darin, wie sehr wir uns in Menschen täuschen können und verarbeitet darin den Trennungsprozess von ihrem langjährigen Ehemann. Ein Memoir mit großer Sogwirkung, das nachdenklich stimmt.
Jetzt entdecken
2. Chloe Dalton: Hase und ich
(140Bewertungen)15
Taschenbuch
14,00 €
Darum geht es: Während des Corona-Lockdowns zieht sich die vielbeschäftigte Chloe aufs Land zurück. In der Nähe ihres Hauses findet sie eines Tages einen verwaisten Junghasen - allein und nicht größer als ihre Handfläche. Sie nimmt ihn zu sich, versorgt ihn und beschließt nach anfänglichem Zögern, den Hasen aufzuziehen und seine Rückkehr in die Wildnis vorzubereiten: Doch "Hase", wie ihn Chloe nennt, bleibt bei ihr - zu seinen eigenen Bedingungen. Er ist nicht zahm, lässt sich nicht streicheln und liebt seinen Freiraum. Wir werden Zeugen eines unwahrscheinlichen Bandes von Vertrauen, geschildert mit einer einnehmenden Stille, Gefühl und Respekt vor einem wilden Geschöpf der Natur.

Darum lieben wir dieses Buch: Diese Autobiografie ist wie eine warme Umarmung. Wer entschleunigende Nature Writing-Geschichten mag, sollte dieses Buch unbedingt lesen. Ein lebensphilosophisches Meisterwerk, das über das Miteinander von Mensch und Tier nachdenkt, eingebettet in eine wunderschöne, nahezu poetische Sprache. Unbedingt lesen!
Jetzt entdecken
3. Margaret Atwood: Book of Lives
(3Bewertungen)15
Buch (gebunden)
36,00 €
Darum geht es: Als Tochter von Wissenschaftler:innen verbrachte Atwood den Großteil ihrer Kindheit in der kanadischen Wildnis - der Start in ein Ausnahme-Leben. Es folgen die Jahre, in denen sie erst Teil der literarischen Bohème und dann zu jener Autorin wurde, deren legendärer »Report der Magd« (geschrieben im Berlin der 1980er Jahre) unsere Welt bis heute prägen. Atwood erzählt, wie es weiterging, lässt uns teilhaben an ihren Freundschaften, am Leben mit ihrem Mann Graeme. Das Ergebnis ist ein farbenfrohes, hochamüsantes Buch voller überlebensgroßer Figuren: Dichter, Bären, Hollywood-Schaupieler... Ein Einblick in ihr Schreiben, in die Verbindungen zwischen realem Leben und Kunst und in die Funktionsweise eines der kreativsten Köpfe unserer Zeit.

Darum lieben wir dieses Buch: Diese interessante Autobiografie ist für alle Fans von "Der Report der Magd". Margaret Atwood ist eine der bedeutendsten Autor:innen unserer Zeit und ihre Memoiren sind genauso scharfsinnig wie ihre Romane. Mit Offenheit, Ehrlichkeit und Humor erzählt sie von Tief- und Höhepunkten ihres Lebens.
Jetzt entdecken
4. Trevor Noah: Born a Crime - Als Verbrechen geboren
(49Bewertungen)15
Taschenbuch
15,00 €
Darum geht es: Trevor Noah kam 1984 im Township Soweto als Sohn einer Xhosa und eines Schweizers zur Welt. Zu einer Zeit, da das südafrikanische Apartheidsregime "gemischtrassige" Beziehungen weiterhin unter Strafe stellte. Als Kind, das es nicht geben durfte, erlebte er Armut und systematischen Rassismus, aber auch die mutige Auflehnung seiner Eltern, die einfallsreich versuchten, Trennungen zwischen Ethnien und Geschlechtern zu überwinden. Heute ist er ein international gefeierter Comedian, der jahrelang die legendäre The Daily Show in den USA hostete und weltweit - ob Sydney, Dubai, Toronto, San Francisco oder Berlin - in ausverkauften Sälen auftritt.

Darum lieben wir dieses Buch: Der Comedian Trevor Noah schafft es in seiner spannenden Autobiografie, seine schwere Kindheit in den südafrikanischen Townships durch Humor aufzubrechen. Dadurch verliert das Werk jedoch keinesfalls an Tiefe, sondern verschärft vielmehr die darin mitschwingende Gesellschaftskritik. Großartig erzählt und keine Sekunde langweilig.
Jetzt entdecken
5. Tara Westover: Befreit
(120Bewertungen)15
Taschenbuch
14,00 €
Darum geht es: Tara Westover betritt mit 17 Jahren zum ersten Mal ein Klassenzimmer. Aufgewachsen in den Idaho-Bergen, befreit sie sich aus einer Welt voller Armut, archaischer Strukturen und Gewalt, geprägt vom Fundamentalismus und Verfolgungswahn ihres Vaters. Auf einem Schrottplatz schuftend, ohne Geburtsurkunde und ärztliche Versorgung, erscheint Bildung unerreichbar. Doch Tara kämpft sich frei. In "Befreit" beschreibt sie ihren schmerzhaften, aber wunderbar poetischen Weg zur Selbstfindung. Sie schafft es, sich auf die Aufnahmeprüfung fürs College vorzubereiten, obwohl sie bei null anfangen muss. In nur zehn Jahren gelingt ihr eine beeindruckende akademische Laufbahn.

Darum lieben wir dieses Buch: Dieses ergreifende Memoir zeigt, wie Tara Westover durch die Aneignung von Wissen, das ihr so lange vorenthalten wurde, ein Bewusstsein von sich selbst entwickelt. Es ist die universelle Geschichte einer Abnabelung von der Familie und einer Befreiung durch Bildung. Eine wahnsinnig tolle Heldengeschichte, die wirklich so stattgefunden hat.
Jetzt entdecken
6. Oliver Hilmes: Witwe im Wahn
(33Bewertungen)15
Taschenbuch
13,00 €
Darum geht es: Die Reihe ihrer Liebhaber liest sich wie ein "Who is who" der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Wer war die Frau, die mit Gustav Mahler, mit Walter Gropius und Franz Werfel verheiratet war, die eine wilde Liebesaffäre mit Oskar Kokoschka hatte und der Gerhart Hauptmann zu Füßen lag? Oliver Hilmes zeichnet in seiner umfassenden Biografie, die sich auf bisher noch nicht ausgewertete Briefe und Tagebücher stützt, das facettenreiche Bild einer Frau, die hysterisch, antisemitisch, herrschsüchtig war - aber auch inspirierend, klug und leidenschaftlich.

Darum lieben wir dieses Buch: Diese interessante Biografie ist ein echter Geheimtipp. Wer war Alma Mahler-Werfel wirklich? Wer sich für Literaturgeschichte und die Bohème der Roaring Twenties des 20. Jahrhunderts interessiert, muss dieses Buch unbedingt lesen.
Jetzt entdecken
7. Gabriel García Márquez: Leben, um davon zu erzählen
(62Bewertungen)15
Taschenbuch
24,00 €
Darum geht es: Diese Autobiographie ist üppiges Lesefutter. Ein Leben wie ein Roman. Erinnerungen an Kindheit und Jugend, an das Haus der Familie in Aracataca. Den Ort, der in "Hundert Jahre Einsamkeit" zur phantastischen Welt von Macondo wurde. Die ergreifende Liebesgeschichte der Eltern, denen er in "Die Liebe in den Zeiten der Cholera" ein Denkmal setzte; die Gespensterwelt der Großmutter, Liebesabenteuer, Freundschaften fürs Leben, die blutige Geschichte Kolumbiens und García Márquez größte Leidenschaft - die für die Literatur.

Darum lieben wir dieses Buch: "Leben, um davon zu erzählen" sollten alle Fans von Gabriel García Márquez gelesen haben. Man merkt sofort, wie eng sein eigenes Leben mit seiner späteren Literatur verbunden ist und erkennt bekannte Motive und Schauplätze wieder. Eine spannende und lesenswerte Autobiografie, die wir Ihnen ans Herz legen können.
Jetzt entdecken
8. Javier Zamora: Solito
(132Bewertungen)15
Taschenbuch
15,00 €
Darum geht es: Javier Zamora wächst in einer kleinen Stadt in El Salvador bei seinen Großeltern auf. Seine Eltern sind vor Jahren vor dem Bürgerkrieg geflohen und leben in den USA, er kann sich kaum an sie erinnern. Eines Tages beauftragen sie einen Schlepper damit, ihren Sohn zu ihnen zu bringen, quer durch Mittelamerika. Als Javier abgeholt wird, rechnet er damit, dass die Reise zwei Wochen dauert. Er freut sich darauf, seine Eltern wiederzusehen - und kann sich nicht vorstellen, was auf ihn zukommt. Er reist allein, inmitten einer kleinen Gruppe fremder Erwachsener, die für ihn auf dem monatelangen Trip zu einer Art Familie wird. Er erlebt lebensgefährliche Fahrten mit Booten, wandert in erbarmungsloser Hitze durch lebensfeindliche Wüsten, lernt, sich als ein anderer auszugeben, wird festgenommen und eingesperrt, steht vor schussbereiten Gewehren, erlebt Einsamkeit, Täuschungen, Gefahren - und, immer wieder, an unerwarteten Stellen auch Freundlichkeit, Hilfe, Liebe.

Darum lieben wir dieses Buch: Diese autobiografische Fluchtgeschichte wurde bei der Veröffentlichung von der Kritik gefeiert und sofort zum New York Times-Bestseller. "Solito" ist ein erschütterndes Memoir über Migration, Hoffnung und die Sehnsucht eines Kindes nach seiner Familie. Tief berührend.
Jetzt entdecken
9. Lukas Bärfuss: Königin der Nacht
(7Bewertungen)15
Buch (gebunden)
22,00 €
Darum geht es: Die Mutter von Lukas Bärfuss war eine Frau ohne Bildung und ohne Perspektiven, dafür mit einem unstillbaren Freiheitsverlangen. Das Kind sah sie als Fessel, sie hatte sich dieses Leben nicht ausgesucht. Eine Rabenmutter, so nannte sie sich selbst; ihr Sohn landete auf der Straße. Sie hatte nur die Waffe der Ohnmächtigen, das böse Maul. Und im Alter blieb ihr kein anderer Ausweg als die Armutsmigration in die Dominikanische Republik, aus einem der wohlhabendsten Länder der Welt, in dem der Lebensabend unerschwinglich für sie war.

Darum lieben wir dieses Buch: Lukas Bärfuss musste sich früh in der Kunst üben, seine Mutter zu überleben. Und in der Rückschau stellt er sich die Frage, wo in einem elenden Leben die persönliche Verantwortung aufhört und die einer ganzen Gesellschaft beginnt. Ein aufrüttelndes Buch, perfekt geeignet für Leser:innen von Edouard Louis und Annie Ernaux.
Jetzt entdecken
10. Adèle Yon: Mein wahrer Name ist Elisabeth
(2Bewertungen)15
Buch (gebunden)
26,00 €
Darum geht es: Da ist dieses kleine Bild, ein Passfoto in einem Karton mit Familienpapieren. Sonst war Élisabeth nur eine Peinlichkeit, ein schmerzliches Gerücht, das hinter vorgehaltener Hand weitergegeben wurde. Weggesperrt, lobotomiert, gestorben. Erst ihre Urenkelin beschließt, Nachforschungen zu dieser Frau ohne Geschichte anzustellen, auch weil sie befürchtet, selbst "verrückt zu werden". Sie trägt Briefe, Diagnosen, Interviews und jede Menge Schweigen zusammen. Und bringt so den verheerten Körper einer Frau und die kollektiv betäubte Erinnerung und die verletzten Seelen von Generationen ans Licht.

Darum lieben wir dieses Buch: "Mein wahrer Name ist Elisabeth" ist eine sehr gelungene Mischung aus Autobiografie, Untersuchung und historischer Forschung. Es deckt ein grausames Kapitel der Psychiatrie-Geschichte auf und ist ein grundlegender Beitrag zur Aufarbeitung dessen, was man die Hexenjagd des 20. Jahrhunderts nennen muss. Wer von Anne Berest "Die Postkarte" mochte, wird dieses Buch lieben.
Jetzt entdecken