Ein einfacher Kriminalfall, aber ein starkes historisches Umfeld: Rademachers dritter Stave-Fall ist lesenswert.
Der dritte und letzte Fall von Oberinspektor Stave spielt rund um die Währungsreform 1948 in Hamburg. Stave wechselt von der Mordkommission zum Chefamt S, das den Schwarzmarkt bekämpft.Der Roman lebt von der historischen Kulisse, vor der er spielt: das zerbombte Hamburg, der Schwarzmarkt und die Währungsreform. Wie schon bei den Vorgängerromanen gewährt der Autor tiefe Einblicke in diese Zeit, die mir bisher wenig bekannt war.Ausgeprägter als in den vorherigen Bänden beschäftigt sich Rademacher mit Schuld und Sühne: mit Nazis, die im Rahmen der Entnazifizierung als unbelastet eingestuft wurden, obwohl ihre Vergangenheit durchaus bekannt war, mit Mitläufern und mit Menschen, die Widerstand leisteten und sich dennoch schuldig machten.Der Kriminalfall selbst ist eher einfach gestrickt und kommt ohne überraschende Wendungen aus.Die Sprache ist sachlich und nüchtern. Die Sätze sind kurz, manchmal auch ohne Verb.Die Stärke des Romans liegt für mich in der Beschreibung des historischen Umfelds und erneut in den moralischen Fragen nach dem Ende des Dritten Reiches. Rademacher gibt hier eine deutliche Antwort. Auch der dritte Teil dieser Hamburg-Trilogie ist sehr lesenswert.