Rasanter Cyberpunk-Abenteuerroman und Hommage an die Gaming-Geschichte, vernachlässigt kritische Dekonstruktion des inhärenten Eskapismus.
Ready Player One von Ernest Cline ist eine Mischung aus Science-Fiction, Dystopie und einer großen Liebeserklärung an die Popkultur der 1980er-Jahre. Die Handlung spielt in einer Zukunft, in der die reale Welt von Umweltproblemen, Armut und gesellschaftlichem Niedergang geprägt ist. Für viele Menschen ist die virtuelle Welt OASIS deshalb zum eigentlichen Lebensraum geworden.Im Mittelpunkt steht Wade Watts, der als "Parzival" in OASIS nach dem Erbe des verstorbenen James Halliday sucht. Halliday hat in seiner virtuellen Welt mehrere Hinweise und Rätsel hinterlassen. Wer sie zuerst löst, soll sein gigantisches Vermögen erben. Was zunächst wie ein harmloses Spiel beginnt, entwickelt sich schnell zu einem Wettlauf, bei dem nicht nur einzelne Spieler, sondern große Unternehmen um die Kontrolle über OASIS kämpfen.Die größte Stärke des Romans ist eindeutig seine Atmosphäre. Cline steckt den Roman voller Anspielungen auf Videospiele, Filme, Musik und Technik der 1980er-Jahre. Wer mit dieser Popkultur vertraut ist, wird zahlreiche bekannte Namen und Anspielungen entdecken. Gleichzeitig sind viele dieser Referenzen direkt Bestandteil der Handlung und nicht nur dekoratives Hintergrundwissen.Auch die Grundidee funktioniert sehr gut. Die Vorstellung einer virtuellen Welt, in der Menschen arbeiten, lernen, spielen und soziale Kontakte pflegen, wirkt aus heutiger Sicht erstaunlich aktuell. Gerade deshalb ist die Dystopie interessanter als zunächst erwartet: Die Flucht in eine digitale Realität erscheint gleichzeitig faszinierend und erschreckend.Wades Entwicklung vom zurückgezogenen Jugendlichen zum selbstbewussteren Spieler ist nachvollziehbar, auch wenn die Figurenzeichnung insgesamt nicht die größte Stärke des Romans ist. Teilweise wirken die Charaktere eher wie Träger der Handlung und der zahlreichen Popkulturreferenzen. Die eigentliche Faszination entsteht stärker durch die Welt und die Rätsel als durch psychologische Tiefe.Etwas anstrengend können die vielen Anspielungen werden. Wer mit der Popkultur der 1980er-Jahre wenig anfangen kann, dürfte einige Passagen als überladen empfinden. Zudem ist die Handlung stellenweise recht vorhersehbar und folgt teilweise deutlich den Regeln eines klassischen Abenteuer- und Videospiels.Trotz dieser Schwächen ist Ready Player One ein ausgesprochen unterhaltsamer Roman. Besonders gelungen ist die Verbindung aus dystopischer Zukunft, virtueller Realität, Schatzsuche und Popkultur. Ernest Cline erzählt keine besonders tiefgründige Charakterstudie, dafür aber ein temporeiches Abenteuer mit einer ungewöhnlich starken Atmosphäre.Für mich ist Ready Player One vor allem ein Buch, das Spaß macht. Die zahlreichen Referenzen sind gleichzeitig seine größte Stärke und seine größte Schwäche. Wer Videospiele, Science-Fiction und die Popkultur der 80er mag, dürfte an dem Roman deutlich mehr Freude haben als Leser, denen diese Themen wenig bedeuten. Rezensiert von Herr U.