Emotionales Own-Voices-Finale mit authentischer bi Selbstfindung, warmem Portugal-Setting und zwei komplexen Love Interests.
Mit "Wer, wenn nicht du" schließt Alicia Zett ihre queere New-Adult-Dilogie auf berührende und empowernde Weise ab. Nach der Trennung von ihrem Langzeitfreund Leo und der verwirrenden ersten queeren Liebeserfahrung mit Kate steht Lena an einem Punkt, an dem nichts mehr eindeutig ist. Sie fühlt sich zerrissen, sehnt sich nach Ruhe und meldet sich spontan zu einem Fotografie-Workshop in Portugal an. Sonne, Meer und Distanz zum alten Leben werden für sie zum Katalysator, um die eigentliche Frage endlich zuzulassen: Wer will sie sein, jenseits der Erwartungen anderer?Ich empfehle unbedingt, mit Band 1 zu beginnen, denn die emotionale Wucht dieses Finales entfaltet sich nur mit Lenas Vorgeschichte. Was Alicia Zett hier so besonders macht, ist ihre Own-Voices-Perspektive. Als queere Autorin schreibt sie Lenas Selbstfindungsreise mit einer Ehrlichkeit, die man von außen kaum so treffen könnte. Sie inszeniert das Coming-Out nicht als plötzlichen Aha-Moment, sondern als das, was es meistens ist: ein verworrener, manchmal schmerzhafter, oft zweifelnder Prozess. Besonders wertvoll finde ich, wie sie Lenas Bisexualität ernst nimmt und Bi-Erasure konsequent den Boden entzieht. Genau diese Repräsentation fehlt in der deutschsprachigen Young-Adult-Landschaft an vielen Stellen.Auch die beiden Love Interests sind bemerkenswert differenziert gezeichnet. Kate ist keine bloße Projektionsfläche für Lenas queere Selbstfindung, sondern eine eigenständige Figur mit Grenzen, Bedürfnissen und einer eigenen Geschichte. Leo hätte leicht zum Bösewicht werden können, damit die Entscheidung klarer wirkt. Alicia Zett widersteht dieser Versuchung. Leo ist ein guter Mensch, der Lena wirklich liebt, und sein Schmerz trifft einen mitten ins Herz. Genau dadurch fühlt sich das Love-Triangle nie kitschig an, sondern wie eine echte, schwierige Entscheidung.Das Portugal-Setting habe ich atmosphärisch geliebt. Man riecht das Meer, spürt die Wärme, sieht die Farben. Die Fotografie-Ebene passt wie ein guter Schnitt: Genau hinsehen, Perspektiven wählen, Details wahrnehmen, all das sind Fähigkeiten, die Lena beim Fotografieren übt und die parallel ihre Selbstwahrnehmung schärfen. Rundherum entsteht eine warmherzige queere Community, die als Support-System aufscheint und dem Buch zusätzliche Tiefe gibt.Der Ton ist empathisch, empowernd und ehrlich, ohne je belehrend zu werden. Für queere Leser:innen, besonders für bisexuelle Frauen, ist das ein wichtiges Repräsentations-Werk. Für alle anderen ein warmes, kluges Coming-of-Age-Buch, das nachwirkt. Alicia Zett hat sich mit diesem Finale endgültig als eine der zentralen Stimmen der deutschsprachigen queeren Romance bestätigt.