Ich hätte es so gerne geliebt, aber eine Handlung macht es mir wirklich schwer mich vollkommen auf den Protagonisten einzulassen.
Selten lässt mich ein Buch zwiegespalten oder unsicher zurück, deswegen war ich umso überraschter, dass "Strike Me Right" mir einerseits so gut gefallen hat und ich andererseits mit einem Detail einfach nicht warm werden kann.Mit den ersten Seiten hat man einen leichten Start ins Buch, ich bin durch die Seiten geflogen und habe die Dynamik der Figuren am Anfang geliebt. Der sture Fußballer und die noch sturere Physiotherapeutin sind ein Duo, das für viel Knistern und Spannung sorgt. Wie sie langsam immer offener werden, dieser aufgeschlossene Umgang miteinander, war einfach schön zu lesen. Sowohl in Silvano, als auch in Rowan konnte ich mich gut hineinversetzen und ihre Emotionen und Motive verstehen. Rowans Zurückhaltung und ihr Schmerz haben sie so greifbar gemacht - und ich habe es geliebt wie verständnisvoll und langsam Silvano auf sie eingeht und sie trotzdem herausfordert. Im Verlauf des Buches gab es eine Szene, die mir etwas bitter aufgestoßen ist, über die ich aber hinweg sehen konnte, weil ich davon ausgegangen bin, dass der Protagonist sein Verhalten wirklich reflektiert hat. Später hingegen gab es einen ähnliche, noch 'intensivere' Szene, mit der ich mich bis heute nicht ganz anfreunden kann. Fehler sind verständlich und menschlich, nur war es irgendwie ernüchternd, dass sich diese Situation so abgespielt hat. Diese Art von Handlung, diese fehlende Kontrolle gehört für mich zu keinem Charakter, den ich wirklich weiterhin schätzen kann (für eine weitere Erklärung findet ihr nach dem Fazit einen Spoiler). Weil die Konsequenz einfach zu gering war. Die Wut in dieser Situation war verständlich, das macht jedoch die Reaktion dadurch nicht in Ordnung. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich, dass ich mit der Geschichte abgeschlossen habe, der Charakter mich losgelassen hat. Gerade dann konnte mich das Buch von einer ganz anderen Seite überraschen, denn es wurde noch emotionaler, noch tiefgehender. Ich habe mich dagegen gewehrt, dass ich so viel Empathie empfunden habe, weil für mich die Tatsachen immer noch unentschuldbar sind. Dennoch muss ich zugeben, dass der emotionale Twist am Ende mich nicht kaltgelassen hat. Dennoch ist und bleibt ein ungutes Gefühl, etwas, gegen das alles in mir protestiert - es macht Sinn für die Geschichte, Sinn für den Charakter, aber irgendwo sträubt sich einfach alles in mir, wenn ich daran denke.Fazit:Der zweite Teil der Richmond Deers Reihe lässt mich leider eher zwiegespalten zurück. Ich hatte mir von dem Buch tolle Fußballvibes, ganz viel Knistern und große Gefühle erhofft, aber am Ende hat eine Szene die vielen schönen Kapitel in dem Buch einfach gedämpft. Deswegen kann ich euch nicht vom ganzen Herzen dieses Buch empfehlen. Achtung, ab hier gibt es die Erklärung. Diese enthält jedoch SPOILER. In dem Buch gibt es zwei Szenen, in denen der Protagonist zur Gewalt neigt. Die erste war für mich noch 'in Ordnung', weil die Person nicht (ernsthaft) verletzt wurde. Bei der zweiten sehr ähnlichen Situation handelt Silvano jedoch mehr als nur grob und aggressiv. Die Person, die er verletzt hat ihn zwar vorher wirklich mit Dingen provoziert, die unter der Gürtellinie liegen, dennoch rechtfertigt das in keinem Fall die Reaktion von ihm.