Spuren im Farbenspiel
Ein leiser Druck breitet sich im Bauch aus, wenn die letzten Seiten fallen und ich die Welt von Matilda und Nora hinter mir lasse. Kirsty Capes malt keine glatte Geschichte, sondern eine, in der Liebe weh tut und Erinnerungen wie alte Farbe abblättern. Ingrid Olssen, gefeierte Künstlerin, chaotische Mutter, schwebt wie ein Geist über jedem Kapitel - grell, faszinierend, zerrissen.Die Reise der Schwestern durch den Westen der USA fühlt sich an wie ein langsamer Atemzug durch staubige Landschaften und alte Wunden. Canyons, die schweigen. Meer, das trägt und gleichzeitig fortspült. Und zwischen all dem zwei Frauen, die zu lange Schatten anderer Erwartungen waren und nun versuchen, ihre eigenen Konturen zu finden.Die Sprache hat mich oft umarmt und dann wieder gestoßen - warm und roh zugleich. Szenen voller Sehnsucht und salziger Luft treffen auf Rückblenden, die manchmal sprunghaft wirken. Da stolpert der Rhythmus, als ob die Geschichte zu viele Ebenen auf einmal halten möchte. Trotzdem bleibt der Kern stark: Wut, Liebe, Verlust und der stille Wunsch, endlich frei zu atmen.Zurück bleibt ein Gefühl wie nasse Farbe auf den Fingern - intensiv, klebrig, schwer wegzuwischen. Kein perfektes Buch, aber ein tiefes. Eins, das fragt, wie man weiterlebt, wenn die Vergangenheit noch spricht. Eins, das leise im Hinterkopf bleibt.