Ela ist in ihren 30ern und steht kurz vor der Promotion, als ihr Körper plötzlich verrückt zu spielen scheint. Probleme mit dem Herzen, der Haut, Halsschmerzen, Ärzte, die keine Diagnose finden. Lügen, die Ela in ihrer Verunsicherung und dem Wunsch, alles richtig zu machen, zu spinnen beginnt, und Freundschaften, die zu zerbrechen drohen, führen schließlich dazu, dass sie ihren ganzen aktuellen Lebensweg infrage stellen muss.Drei Jahre nach ihrem autofiktionalen Roman "Lügen über meine Mutter", der es damals auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft und der mir sehr gefallen hat, legt uns Daniela Dröscher jetzt mit "Junge Frau mit Katze" eine Art Fortsetzung aus dem Leben ihrer Protagonistin Ela vor. Oder etwa nicht? Mir jedenfalls war bei der Lektüre nur selten bewusst, dass ich mich hier in einem Universum bewege, das mir schon bekannt sein sollte. Das liegt nicht nur daran, dass Ela nun erwachsen ist und das dörfliche Leben, das so eine große Rolle spielte, gegen die Stadt getauscht hat. Der Vater, der vorher so herrschsüchtig präsent war, ist jetzt nur noch eine Randfigur, die Mutter hat sich - zu ihrem Vorteil - in einen ganz anderen Menschen verwandelt und die Schwester ... ist auf wundersame Weise auf einmal ein Bruder (und nein, es scheint sich nicht um eine Geschlechtsanpassung zu handeln).Mich hat das überhaupt nicht gestört. Ich habe "Junge Frau mit Katze" nicht nur fast vollständig losgelöst von mit dem Vorgänger verbundenen Erwartungen gelesen, sondern auch auf einer sehr persönlichen Ebene, die allerdings eine Besprechung deutlich erschwert. Ich denke, der Charme liegt in erster Linie daran, dass Ela als Protagonistin extrem zugänglich ist. Man leidet mit ihr mit, man ist von ihr genervt, man freut sich für sie oder ist auch mal empört über das, was ihr zustößt. Sprich, man ist einfach sehr nah dran.Das Einzige, was ich kritisch anzumerken hätte, ist, dass der Roman sich gegen Ende ein wenig zieht. Für mein Gefühl war ab einem bestimmten Punkt die Geschichte zu Ende erzählt, zog sich dann aber noch ein ganzes Weilchen hin, bis alle Fäden zusammengeführt waren. Aber das hat das Gesamturteil nur wenig trüben können.Kurz gefasst: Wer eine direkte Fortsetzung zu "Lügen über meine Mutter" erwartet, könnte ein wenig enttäuscht sein, aber sicher nicht für lange. Zwar fand ich persönlich diesen Roman nicht ganz so eindrücklich wie sein Vorgänger, aber trotzdem ist "Junge Frau mit Katze" in sich ein ausgesprochen lesenswertes und unterhaltsames Buch, das die Vorfreude auf weitere Werke der Autorin am Leben hält. Leseempfehlung!