Herrliche Fortsetzung von Glennkill in gewohnt ¿schafsinniger¿ Manier.
Wer nach dem unlängst erschienenen Kinofilm zu Glennkill schon Entzugserscheinungen von der "schärfsten" Herde ever hat, darf aufatmen. Garou schließt an den ersten Band an, sodass ich nicht erst herausfinden musste, welches Schaf gerade philosophiert, welches panisch wird und welches mit seiner ganz eigenen Logik sämtliche Menschen locker in die Tasche steckt. Außerdem spielt der Thriller mitten im Winter. Während ich die aktuelle Hitze verachte, durfte ich gedanklich durch den französischen Schnee stapfen. Allein dafür gibt es schon einen Sympathiepunkt.Diesmal ermitteln nicht nur Miss Maple und Mopple. Endlich dürfen auch die anderen Schafe zeigen, was in ihnen steckt. Mein kleines Winterlamm wächst in diesem Thriller geradezu über sich hinaus ¿.Der Kriminalfall um den Garou hatte mich sprichwörtlich in seinen Klauen. Er wirkt mystischer und einfacher verständlich als in Glennkill. Achtung: Das Verbrechen unterscheidet sich im Buch und im Film erheblich. Zwar ahnt man recht früh, dass wohl kein Garou bei Vollmond durch den Wald streift, trotzdem bleibt lange offen, was tatsächlich hinter den rätselhaften Ereignissen steckt. Die Schafe beobachten bei ihren Ermittlungsarbeiten die Menschen in ihrem Umfeld wieder mit einer Mischung aus klauenscharfer Logik und wolliger Ahnungslosigkeit. Meist sind sie näher an der Lösung des Falls als die Zweibeiner. Ich fand ihre Überlegung, dass Menschen verschiedene Gesichter "anziehen" großartig. Es spricht so deutlich aus, wie wir unsere wahren Gefühle oft verstecken.Auch die Bewohner des Schlosses mit ihren teils skurrilen, beinahe unheimlichen Eigenheiten tragen viel zur Atmosphäre bei. Rebecca ist als geerbte Schäferin eine liebgewonnene Nachfolgerin Georgs. Nur mit Rebeccas Mutter bin ich nicht warm geworden. Ihre Kartenlegerei wirkte auf mich wie ein Gast, der sich ungefragt auf eine Party geschlichen hat. Die Sprache ist wieder angenehm flüssig, der Fall bleibt bis zum Ende undurchsichtig und die Mischung aus Humor, Ironie und Krimi überzeugt mich auch im zweiten Band. Ich freue mich jetzt schon auf "Widdersehen", das kürzlich erschienen ist und nun von mir verschlungen wird.