Ein Mensch ohne Träume ist wie ein Segel ohne Wind.
Aussteigerbücher gibt es inzwischen viele, nicht alle gefallen mir. Bei manchen lässt der Protagonist zu sehr raushängen, wie toll doch sein neues Leben ist und wie doof wir alle anderen sind, dass wir nicht auch alles hinschmeißen. Zum Glück ist Jens Brambusch nicht so, ich gönne ihm sein neues Glück nach einem stressigen Leben als Journalist und drohendem Burnout.Jedem Kapitel sind Fachbegriffe aus der Segelwelt vorangestellt und ich lerne neben den Anfängerbegriffen wie Backbord und Steuerbord auch einiges über die unterschiedlichen Bootstypen, über Spinnaker und Fender und verschiedene Segelmanöver.Besonders gut gefallen hat mir nach dem ersten Drittel der Teil mit den Bildern, da kann man sich das Bordleben auch visuell noch einmal besser vorstellen.Obwohl ich Bücher über Corona hasse, die Zeit fand ich schlimm genug zu erleben, ohne darüber auch noch einmal lesen zu müssen, hat es mich hier nicht gestört. Es hatte Einfluss auf Brambuschs Leben in der Türkei und gehört damit zu seiner Geschichte dazu, die Ende 2017 beginnt und im März 2026 vorläufig endet.Jens Brambusch schreibt nicht reißerisch, er ist glücklicherweise kein Prahlhans und er beschönigt sein Leben auch nicht. Aber wie er auf dem Cover am Steuer seines Bootes sitzt, mit Cingene und Oglus im Vordergrund, da strahlt er Zufriedenheit aus.Ich muss grinsen bei dem Gedanken, dass seine jetzige Partnerin zunächst seine Dreckwäsche kennengelernt hat.Das Leben an Bord ist kein Urlaub, Jens Brambusch liegt nicht den ganzen Tag in einer Hängematte und chillt sein Leben. Er beschreibt sein Leben selbst als "Langfahrtsegeln heißt, sein Boot an den schönsten Plätzen der Welt zu reparieren." Er hat gelernt, mit wenigen Dingen auszukommen, da auch der Platz an Bord reduziert ist. Am meisten Geld kosten die Instandhaltungen des Bootes. Er genießt "die Erfahrungen in fremden Ländern, die Begegnungen mit Fremden, die zu Freunden werden, die vielen schönen und selbst die weniger schönen, dafür lehrreichen Momente auf See."Ich habe den Autor gerne ein Stück seines Lebens begleitet, könnte mir eine Woche Urlaub auf der Dilly-Dally gut vorstellen, aber möchte nicht mit ihm tauschen."Tausche Büro gegen Boot" hat mich gut unterhalten, teilweise amüsiert und auch zum Nachdenken gebracht darüber, was mich wirklich glücklich macht und wird daher von mir sehr gerne weiterempfohlen.