Schwedenkrimi mit gutem Plot, groben Figuren und nervigem Perspektivenmix
Nachdem der erste Band der Reihe mich ziemlich enttäuscht hat, war dies also Camilla Läckbergs zweite Chance bei mir. Und in der Tat hat mir Band zwei entschieden besser gefallen, auch wenn es zu echter Begeisterung noch nicht reicht.Der Sommer 2003 war bemerkenswert heiß. Während der westschwedische Badeort Fjällbacka in der Julihitze simmert, wird in der Königsschlucht auf einer Decke die Leiche einer jungen Frau gefunden, die zunächst niemand im Ort kennt oder vermisst hat. Unter der Decke sind Knochen drapiert, die zwei Skelette ergeben: Man vermutet rasch, dass es die Überreste von zwei jungen Frauen sein könnten, die im Sommer 1979 spurlos aus Fjällbacka verschwunden sind. Die Ermittlungen der Polizei führen schnell auf das Anwesen der Familie Hult. Der längst verschiedene Patriarch Ephraim war seinerzeit ein charismatischer freikirchlicher Prediger, dessen Söhne über Wunderheilkräfte verfügen sollten. Eine dankbare Jüngerin hat ihm einen luxuriösen Hof und ein beachtliches Vermögen vererbt. Einer der Söhne, Gabriel, hat 1979 bei der Polizei angegeben, er habe eines der verschwundenen Mädchen mit seinem Bruder Johannes zusammen im Auto gesehen. Johannes beging bald darauf Selbstmord, was allgemein als Schuldanerkenntnis gewertet wurde und in der Familie zu Bitterkeit und Zerwürfnis führte, die bis zum heutigen Tag nachwirken. Der Krimiplot ist diesmal perfide plausibel, die Auflösung zwar vorhersehbar, aber unbedingt clever und für meine Begriffe gelungen. Das erfreuliche Ende versöhnt etwas mit den Seiten davor, in denen eine Vielzahl von Perspektiven das Lesen mühsam macht. Zehn, zwölf Stimmen sind es, die uns berichten; eine Kakophonie, die ich in einem Krimi gar nicht brauchen kann und die zusätzlich verkompliziert wird, weil Szenen und Perspektiven mitten im Absatz wechseln (ich kreide das dem deutschen Layout an).Der wilde Genremix, den ich im ersten Band moniert habe, fällt dieses Mal moderater aus. Die grausige Opferperspektive ist unbedingt "Noir", die Ermittlerarbeit im Polizistenalltag fällt okay aus, und Titelfigur Erica Falck tapst dankenswerterweise nur sehr am Rande durch den Roman, mit ihrem Schwangerschaftsbauch, wechselnden Gästen, die ihr auf die Nerven fallen, und der Sorge um die Schwester und ihre toxischen Männer. Die kurze (und für den Plot bedeutungslose) Episode um den verliebten Polizeichef und sein russisches Gschpusi fand ich in ihrer Komik sogar gelungen.Die Charaktere freilich sind auch in Band zwei mit dem sehr dicken Filzstift gezeichnet, und wenn man vergleicht, wie etwa eine Åsa Larsson die bedrückende, alles vereinnehmende Atmosphäre der schwedischen Freikirchenszene schildert, wie fein und subtil eine Sara Strömberg ihre Figuren zeichnet, dann ist - allem Erfolg zum Trotz - zumindest in diesem Band bei Frau Läckberg noch reichlich Luft nach oben.