Intelligent entfädelter Kriminalfall - durch ein äußerst sympathisches Ermittlerteam ...
Man kann es nicht anders sagen: Es gibt Kriminalromane, die sind unterhaltend und man kann ihnen leichtfüßig folgen. Es gibt darunter aber auch jene, die gleichzeitig durch ihre Tiefgründigkeit den ganzen Leser fordern, allerdings nicht, ohne in gleichzeitig zu belohnen. Daher legt man die einen gelesen zur Seite und hat sie schnell vergessen, während man die anderen durchaus ein weiteres Mal lesen kann - um, wie in diesem Fall, von der neuerlichen unnachahmlichen Sogwirkung der Geschehnisse in Bann geschlagen zu werden.Und dieser Fall, der nahezu die gesamte 27-köpfige Brigade criminelle, Totschlag oder Mord, in Beschlag nimmt zieht seine besondere Brisanz aus den verschiedenen Zeitebenen, die hier, mit verschiedenen Vorgängen ein zunächst schier unentwirrbares Knäuel bilden, zu denen auch das besondere Geschick des Kommissars Adamsberg zunächst wenig Zugang bekommt. Da wird aktuell gemordet und zugleich verweisen die Morde auf zwei weitere Morde zurück, die allerdings bereits zehn Jahre zurückliegen. Und um die Sache noch ein wenig spannender, aber auch undurchsichtiger zu machen, wird gleich die Französische Revolution bemüht. Und zwar in Gestalt einer "Gesellschaft zum Studium der Schriften Maximilien Robespierres", die in wöchentlichen Zusammenkünften die Sitzungen der Revolutionäre nachspielt. Es gibt also genug Fährten, auf denen man sich verirren kann, zumal die zurückliegenden Morde auf einer Geheimnisvollen Kleininsel Islands verübt wurden. Dort spielt ein Inseldämon (Afturganga) eine besondere Rolle, die den menschlichen Wunsch nach Übernatürlichen wie nach Erklärbarem entgegenkommt. In eine ähnliche Richtung zielt auch die Verschmelzung von Spiel und Realität, wenn das Spiel (hier in der genannten Gesellschaft) quasi zur zweiten Natur einer Person zu werden droht.Insofern gibt es genug Material für eine gesunde Gedankenakrobatik, die allerdings zur Entspannung von gelungenen Beschreibungen wie pfiffigen Dialogen der sympathischen Mitglieder des Kommissariats aufgelockert werden, obwohl hier eine kleine Revolte für etwas Unruhe sorgt. Aber insgesamt geht es dort freundlich und unerschrocken zu, auch wenn der erste Eindruck möglicherweise zunächst etwas irritieren ist: "Zögernd trat sie ein, bemerkte eine traurige Gestalt am Empfang und weiter hinten eine sehr große und sehr kräftige Frau, die ihr Angst machte, dann einen unscheinbaren kleinen Blonden, mit dem sie nichts anfangen konnte, weiterhin einen Glatzkopf, der Ähnlichkeit mit einem alten Vogel hatte, der auf seinem Nest hockt in Erwartung einer letzten Brut, die nie schlüpfen würde, schließlich einen Typen, der - sie hatte ein scharfes Auge - in einem Fachblatt über Fische las, einen dicken weißen Kater, der auf einem Kopiergerät schlief, und einen Hünen, der so aussah, als wolle er die ganze Welt auseinandernehmen." Ein Kriminalroman also, der, obwohl er einige Ansprüche an den Leser stellt, genug Material bereithält, um das Gefühl zu bekommen, intelligent unterhalten zu werden.