Fesselnd bis zur letzten Seite
Auch Bierstadt will sich ein Image einer weltoffenen und toleranten Metropole geben. Deshalb wird die Hochzeit des geflohenen russischen Ex-Agrarminister Schmattkow mit seinem zwanzigjährigen Lebenspartner ein beinahe internationales Ereignis, das auch in Russland nicht unbemerkt bleibt. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, als man den Skandalreporter Felix Mohr, der für seine homophoben Artikel berüchtigt war, grausam ermordet auffindet. Er soll, so die Gerüchte, von einem Anschlag auf die bevorstehende Hochzeit gewusst haben. Musste er deswegen sterben? Natürlich beginnt Maria Grappa zu recherchieren und trifft auf Georg Baum, einem der Mitbegründer der "Klemmschwestern", einer Organisation, die gleichgeschlechtlich Liebenden Beratung anbietet. Hier erfährt Grappa, dass Mohr selbst schwul war und einige andere Dinge, die sie kaum glauben kann. Meine Meinung:Gabriella Wollenhaupt greift in jedem ihrer Krimis ein gerade aktuelles gesellschaftliches Thema auf. So wird diesmal über das Vermögen von Schmattkow, das er ergaunert haben soll, und über Steuerschulden in Millionenhöhe, philosophiert. Das liest sich dann so: "Ein Hoeneß entspricht 27 bis 29 Millionen Euro. Mittlere Steuerschulden werden jetzt in Hoeneß angegeben."(S.143) Der geneigte Leser wird sich vielleicht an den Prozess gegen Uli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung von 2014 erinnern. Jedenfalls hat mich dieser Seitenhieb - das Buch ist 2014 erschienen - laut auflachen lassen. Gleichzeitig findet La Grappa heraus, dass Menschen jeglicher sexuellen Orientierung eigentlich nur eines wollen: Eine erfüllende Beziehung mit einem Partner, einer Partnerin, dem/der sie vorbehaltlos vertrauen können, den/die sie lieben."Wir suchen einfach nur das Glück." Wünscht sie nicht ähnliches? Auch wenn sie diese Sehnsucht hinter einer ruppigen Fassade versteckt? Fazit:Auch der 24. Fall für die toughe Polizeireporterin hat mich begeistert, daher gibt es 5 Sterne.