Iona Tauber, Klimaforscherin auf Grönland, wird von ihren Kollegen unterkühlt ausserhalb der Forschungsstation gefunden. Obwohl es ihr schnell wieder besser geht besteht der Arzt auf ihrer Rückkehr nach Hause. Die Rückreise wird mit dem US-Forschungsschiff RV Anthropocene vereinbart, auf der Ionas Mann als erster Offizier arbeitet. Als das Schiff in der Elbmündung ankommt wird das Fehlen der Forscherin bemerkt, anscheinend ist sie über Bord gegangen. Natürlich werden direkt Rettungsversuche eingeleitet, aber Iona bleibt verschwunden und die Kollegen der Bundespolizei See untersuchen den Fall.Als das Buch erschienen ist war ich direkt von der Thematik angetan und auch die vielen positiven Besprechungen haben mich neugierig gemacht. Ich habe das Buch gekauft und dann erstmal auf dem SUB vergessen. Als ich nun endlich dazu gekommen bin es zu lesen war meine Erwartungshaltung ziemlich hoch und so zu hundert Prozent konnte das Buch mich dann aber nicht überzeugen. Was mir nicht bewusst war, war die Tatsache, dass es sich bei "Die Lotsin" bereits um das vierte Buch rund um den Ermittler Liewe Cupido handelt. Cupido ist eine sehr charismatische Figur, eine, der man sich erstmal annähern muss, ob diese Annäherung besser funktioniert hätte, wenn ich die anderen Bücher gelesen hätte, kann ich nicht sagen, so hatte ich eigentlich nicht das Gefühl es würde mir etwas fehlen, oder es wäre etwas besonders erschwert. Vom Gefühl her würde ich also sagen, die Bücher sind gut unabhängig voneinander zu lesen, denn auch wenn es viel persönliches zu Cupido und seiner Familie, besonders zu seiner Mutter gibt, nimmt der Kriminalfall mehr Raum ein im Buch. Mathijs Deen erzählt sehr unaufgeregt und ruhig, mit einem starken Fokus auf Figuren und Dialoge. Er stellt die Ermittlungen an Bord recht realitätsnah und detailliert dar und rekonstruiert nur aus Zeugenaussagen und Gesprächen einen möglichen Ablauf der Ereignisse. Lange Zeit bleibt in der Schwebe, ob es sich beim Verschwinden der Forscherin um einen Unfall, ein Verbrechen, oder gar Selbstmord handelt, die Ermittler schießen sich nicht direkt auf eine Version ein, sondern sind bis zuletzt offen für alle Möglichkeiten und legen ihren Fokus darauf dem Opfer gerecht zu werden, egal was das in letzter Instanz bedeutet, so bekommt der Leser mehr eine Charakterstudie, als eine Ermittlung.Die Art des Erzählens hat mir sehr gefallen und ich verstehe warum das Buch als Roman deklariert wird und nicht als Krimi, denn obwohl es eine dahingehende Handlung gibt, könnte es eingefleischten Krimifans zu unspektakulär sein, zu wenig spannend. Das ist es allerdings nur oberflächlich betrachtet so, denn unterschwellig schwingt die ganze Zeit eine leichte Bedrohung mit, die ganze Atmosphäre auf dem Schiff, das Verhalten einzelner Besatzungsmitglieder, alles wirkt irgendwie bedrückend, düster und regelrecht kalt. Man merkt, da ist was unter der Oberfläche, etwas, dass man noch nicht erkennen kann. Die Auflösung wird schlüssig und nachvollziehbar dargestellt, als Leser ist man in diesem Moment einfach nur traurig.Ich bin mit sehr großen Erwartungen an dieses Buch herangegangen und irgendwie haben sich diese nicht komplett erfüllt, ohne das ich genau sagen kann woran das gelegen hat. Das Setting, die Storyline, die Figuren, es passt alles, ich könnte mir gut vorstellen das Ganze verfilmt zu sehen, aber so der letzte Funke ist halt leider nicht übergesprungen. Ob das daran lag, dass ich mich so extrem an dem Titel festgebissen habe und das dieser Titel dann zwar schon einen Bezug zum Buch hat, aber eben nicht den, den ich erwartet habe, keine Ahnung. Ich kann es final nicht anders erklären, aber mir ist, als hätte ich bis zum Schluss auf etwas gewartet, das eben jener Titel mir suggeriert hat, das aber so nicht gekommen ist.