wow!
Der Bildwächter von Monika Feth hat mich dieses Mal wirklich überrascht. Ich hatte zwei Figuren als Täter im Verdacht und beide entpuppten sich am Ende als unschuldig. Zum ersten Mal seit Langem hat mich ein Krimi so bis zum Schluss im Unklaren gelassen, wer hinter den Taten steckt. Das war nicht nur spannend, sondern tatsächlich gut geschrieben. Die Autorin schafft es erneut, Charaktere zu entwerfen, die man wirklich verachten möchte. Und das auf eine Weise, die menschlich nachvollziehbar bleibt.Ein kleiner, aber für mich spürbarer Kritikpunkt ist allerdings die Häufung von gefährlichen Situationen: Es wirkt irgendwann fast so, als würden sich die Figuren mit sportlicher Hingabe in die riskantesten Lagen stürzen. Dass Menschen, die Schlimmes erlebt haben, am Ende vorsichtiger oder zumindest reflektierter handeln sollte doch bewusst sein. Traumatische Erfahrungen können zu erhöhter Wachsamkeit oder Vermeidung gefährlicher Konstellationen führen, weil das Nervensystem sozusagen auf "Alarm" gestellt bleibt. Die wiederholte, fast beiläufige Gefährdung aller Figuren wirkt dadurch an manchen Stellen unglaubwürdig.Das schmälert den Lesespaß zwar nur wenig, aber in einer ansonsten so gut konstruierten Geschichte fällt es einfach auf. Vielleicht ist es der dramatische Effekt, der hier regiert und tatsächlich funktioniert dieser Mechanismus ja, um Spannung zu erzeugen. Trotzdem hätte eine etwas dosiertere, psychologisch stimmigere Gefährdungslogik der Handlung noch mehr Gewicht verliehen.Über die gesamte Reihe hinweg ist mir inzwischen eine gewisse Liebe zu Brötchen aufgefallen. Ja, Brötchen. Eckdaten zum Buch:Titel:Der BildwächterAutor:Monika FethVerlag:cbtErscheinungsjahr:November 2013Seitenzahl:480 Genre:KrimiSprache:DeutschMeine Bewertung:4/5 SternePreis:3 € (gebraucht)