Die Rezension zu Im Dunkel war, zugegeben, nicht leicht zu schreiben. Ich habe gemerkt, dass ich beim Formulieren immer wieder sehr behutsam vorgehen musste weil so vieles ineinander greift und sich manches nur schwer ohne Spoiler ansprechen lässt.
Rita Voss ist für mich keine bekannte Ermittlungsfigur, sondern eine Figur, der ich in diesem Roman zum ersten Mal begegne. Vielleicht fällt mir deshalb besonders auf, wie unsympathisch sie ist. Ihre persönliche Vorgeschichte wird nur knapp gestreift, und vieles bleibt daher für mich bruchstückhaft. Ihr Verhalten gegenüber ihrem Exmann ist dabei der fragwürdigste Punkt: Sie nutzt ihre Position als Polizistin, um private Interessen durchzusetzen ein moralischer Fehltritt, der den Charakter nicht komplexer, sondern schlicht problematisch macht. Auch das Verhältnis zu ihren Eltern wirkt kühl und funktional. Als alleinerziehende Kriminalbeamtin war ihre Mutter gut genug die minderjährige Enkelin zu betreuen, doch darüber hinaus scheint kaum Nähe zu bestehen.
In der Geschichte entfaltet sich ein breites Figurenfeld: Thea, die Tochter von Rita die nach langer Zeit erstmals wieder mit ihrem Vater spricht; Malu und Alena, zwei Schülerinnen mit schwierigen sozialen Hintergründen; Juliette, die nach einem beruflichen Vortrag betäubt und verschleppt wurde; und Hannah, die nur mit Glück entkommen konnte. Und dann gibt es noch Mira, die behauptet, in ihren Träumen sowohl vergangene als auch zukünftige Ereignisse zu sehen und gesehen zu haben.
Die Kapitel werden jeweils aus der Sicht der einzelnen Figuren erzählt.
Die Auflösung des Falls erfolgt mit, sagen wir, mit sehr unkonventionellen Mitteln und genau diese haben mir hier leider überhaupt nicht zugesagt. Mehr kann ich dazu nicht sagen, ohne ins Spoilern zu geraten.
Für mich ist diese Mischung aus Krimi und Mystery eine ausgesprochen unglückliche Kombination. Sie nimmt der Ermittlungsarbeit ihre eigentliche Logik und entzieht den Roman die Spannung, die das Genre üblicherweise tragen sollte. Zu allem Überfluss wird am Ende auch noch ein alter Cold Case gelöst. Für mich ist das der Punkt, an dem der Roman endgültig überfrachtet wirkt. Es tut mir leid, aber diese zusätzliche Baustelle macht die Handlung nicht spannender, sondern schlicht unglaubwürdig.
Am Ende werden die eigentlichen Drahtzieher hinter dieser grauenhaften Geschichte nicht ermittelt. Das lässt nur zwei Möglichkeiten offen: Entweder bleibt der Fall bewusst unvollständig, oder es soll eine weitere Geschichte um Kommissarin Rita Voss folgen. In beiden Fällen wirkt der Abschluss für mich unbefriedigend.
Mir fallen nur wenige Romane oder Serien ein, wo eine Kriminalgeschichte mit mystischen Elementen für mich funktioniert hat, und das war zum einen Twin Peaks oder auch Der Name der Rose.
Daher gibt es von mir keine Empfehlung.