Das Herz dieser Stadt

Ein Roman aus Berlin.
eBook epub

Dieses eBook können Sie auf allen Geräten lesen, die epub-fähig sind.

Berlin im Spätsommer 1920: Die Mächtigen und Berühmten der Weimarer Republik feiern auf Schloss Lessien ein rauschendes Fest. Noch stehen der Hausdiener Reinhard Kretzner und sein Sohn im Hintergrund, doch sie wissen die Zeichen der Zeit zu nutzen. D … weiterlesen
Dieser Artikel ist auch verfügbar als:
eBook epub

4,99 *

inkl. MwSt.
Sofort lieferbar (Download)
Machen Sie jemandem eine Freude und
verschenken Sie einen Download!
Ganz einfach Downloads verschenken - so funktioniert's:
  1. 1 Geben Sie die Adresse der Person ein, die Sie beschenken
    möchten. Mit einer lieben Grußbotschaft verleihen Sie Ihrem
    Geschenk eine persönliche Note.
  2. 2 Bezahlen Sie das Geschenk bequem per Kreditkarte,
    Überweisung oder Lastschrift.
  3. 3 Der/die Geschenkempfänger/in bekommt von uns Ihre Nachricht
    und eine Anleitung zum Downloaden Ihres Geschenks!
Das Herz dieser Stadt als eBook epub

Produktdetails

Titel: Das Herz dieser Stadt
Autor/en: Stefan Murr

EAN: 9783943824582
Format:  EPUB ohne DRM
Ein Roman aus Berlin.
hockebooks GmbH

4. September 2014 - epub eBook - 450 Seiten

Beschreibung

Berlin im Spätsommer 1920: Die Mächtigen und Berühmten der Weimarer Republik feiern auf Schloss Lessien ein rauschendes Fest. Noch stehen der Hausdiener Reinhard Kretzner und sein Sohn im Hintergrund, doch sie wissen die Zeichen der Zeit zu nutzen. Die Welt ist längst im Umbruch, die gesellschaftliche Elite der Intellektuellen, Gelehrten und Stars steht unwissentlich kurz vor dem Untergang.
Eine spannende Familiensaga und bewegendes politisches und gesellschaftliches Portrait aus den Schicksalsjahren Deutschlands.

Leseprobe

3
Ein gewagtes Komplott


Ihre letzte Ruhestätte fand Thilde Krentzner am 17. Januar 1931 nach einem freudlosen und vergrämten Dasein nur wenige Meter vom Rückgebäude jener Mietskaserne entfernt, in dem sie vor etwas weniger als sechzig Jahren zur Welt gekommen war, auf dem alten Friedhof von Neukölln, da, wo er mit seinem westlichen Rand an das weite Feld des Tempelhofer Flugplatzes stößt. Es war ein außerordentlich trauriges Begräbnis. Schon des Wetters wegen an diesem Wintertag, an dem es selbst um die Mittagszeit gar nicht hell werden wollte. Dünner Schnee lag auf den schadhaften Dächern der Häuser der Umgebung und auf den vernachlässigten Grabdenkmälern, zwischen denen eine fröstelnde Gemeinde von einem Fuß auf den anderen trat und auf das Ende einer nichtssagenden Predigt wartete, die ein teilnahmsloser evangelischer Geistlicher daher leierte. Bisweilen fielen ein paar verirrte Flocken Schnee aus einem bleifarbenen Himmel. Nein, wirklich nichts schien an diesem Tag dazu angetan, auch nur einen Funken Freude zu verbreiten. Zumal auch die Folgen des raschen Todes ihrer Mutter für die beiden Söhne einschneidend waren, dessen sich der vierzehnjährige Roderich allerdings noch kaum bewusst war. Er stand neben Iris Goldamer, die ihn mit der einen Hand an sich drückte, während sie in der anderen den aufgespannten Regenschirm hochhielt. Auch Albert Goldamer und seine Frau waren gekommen, Georg Wuttke und sein Prokurist, ein farbloser Vierziger mit schütterem Haar und spitzer tropfender Nase. Dann gab es noch ein paar alte Nachbarn aus der Braunschweiger Straße und zwei oder drei Leute von Roberts Partei, angeführt von Edgar Alfonsi, der einen Schlips von unbestimmbarer Farbe umgebunden hatte.

Als der Pfarrer seine Predigt beendigt, seinen Segen gesprochen und jeder sein Schäufelchen Erde auf Thilde Krentzners Fi
chtenholzsarg hatte rieseln lassen, wandte sich die kleine Trauergemeinde dem Ausgang zu. Wie es üblich war, hatte Robert Krentzner im Anschluss an das Begräbnis bei sich zu Hause zu einer bescheidenen Kaffeetafel gebeten. Es war ein anderes Auto, dieses Mal schon ein großer Sechssitzer einer deutschen Marke, in dem die Goldamers die beiden Krentznerbrüder mit zurück zur Brombeerallee nahmen. Während der Fahrt war es Ilsabe Goldamer, die sich nach rückwärts wandte und das Gespräch mit Robert begann, während Roderich, der zwischen seinem Bruder und Iris auf dem Rücksitz saß, mit großen traurigen Augen von einem zum anderen blickte.

»Wie soll es denn jetzt mit dem Jungen weitergehen, Herr Krentzner, nachdem es ja nun keine Frau mehr gibt, die sich um Haushalt und Familie kümmern kann?«

»Ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie das so direkt aussprechen, Frau Goldamer«, antwortete Robert. »Ich gebe ja zu, dass det meine größte Sorge war, seitdem ich wusste, dass es mit Muttern nicht mehr lange dauert. Für mich alleine hätte ich ja gar keine Sorgen. Mit ihr wollte ich nicht drüber sprechen. Aber ich weiß, dass det mit dem Jungen irgendwie auch Mutterns Kummer war. Aber nun hilft ja erst mal die Partei. Die haben so ‘ne freiwillige Einrichtung. Rote Hilfe nennt sich det und ist sogar international. Die haben da so ‘n Ehepaar aus ner Laubenkolonie mobil gemacht, wenn Sie wissen, was det ist, Frau Professor.«

Albert Goldamer schaltete sich in das Gespräch ein. »Natürlich wissen wir, was das ist. Das sind Leute, die ihre Miete nicht mehr bezahlen können, rausgeklagt werden und dann als letzte Zuflucht in ihren Lauben in die Schrebergärten ziehen.«

»Da gibt es aber auch recht ordentliche dabei, Herr Professor, solche, die sogar im Winter bewohnt werden können
, Felseneck zum Beispiel oder die Rehberge. Und da kommen die Nahleks auch her, die sie uns von der Roten Hilfe geschickt haben. Die haben Kaffee mitgebracht und Stullen. Die lernen Sie nachher auch kennen, zu Hause. Die haben alles vorbereitet für den Trauerkaffee. Und die würden auch den Jungen nehmen.«

»In die Laubenkolonie?«, fragte Goldamer gedehnt.

»In die Rehberge«, bestätigte Robert.

»Die man sogar auch im Winter bewohnen kann?«, fragte Iris ironisch.

Robert schwieg ein paar Sekunden lang betreten. »Na ja«, murmelte er dann. »Wir können es uns eben nicht aussuchen, wo wir doch zum ärmeren Teil der Bevölkerung gehören sozusagen. Wir müssen da froh sein, wenn sich überhaupt wer kümmert, wa?«

»Da wird nichts draus«, sagte Ilsabe Goldamer mit Bestimmtheit, und ihr Mann fügte hinzu: »Sie sind doch bei den Kommunisten in der Partei, Robert?«

»Na ja, schon«, sagte Robert. »Wo soll ich denn sonst sein? Bei den Bürgerlichen vielleicht, wo die Kapitalisten mitmischen? Die Krisen werden von denen fabriziert, die Arbeitslosen auch. Von den alten Eliten werden die gemacht, doch nicht von uns, von der Internationale. Warum fragen Sie, Herr Professor? Haben Sie nen Gegenvorschlag? Bei den Nazis vielleicht? Nee, besten Dank.«

»Und das Ehepaar Nahlek ist dann auch bei den Kommunisten? Und die Leute, die sie Ihnen geschickt haben, auch, oder?«

»Na klar, Herr Professor. Sonst kümmert sich doch keiner. Das wissen Sie doch auch selbst.«

»Doch«, sagte Iris. »Es kümmert sich außer den Kommunisten auch sonst noch wer. Das haben Sie vielleicht nur vergessen.«

»Nee, nee«, sagte Robert Krentzner. »Was der Herr Professor und Sie alle für uns getan haben, das we
rde ich nie vergessen, Fräulein.«

»Meine Tochter meint aber etwas anderes, Robert«, warf Goldamer ein. »Wir haben nämlich über den Jungen kurz vor seinem Tod schon mit Ihrem Vater gesprochen, und zwar ziemlich ausführlich.«

»Hat er mir nie etwas gesagt«, murmelte Robert. »Und zu Muttern auch nicht, sonst wüsste ich det.«

»Ganz seine Art«, meinte der Professor. »Ich hatte ihn gebeten, vorerst nicht davon zu sprechen. Darüber ist er dann gestorben.«

»Und was hat er zu Ihnen gesagt, Herr Professor?«

»Ich habe was zu ihm gesagt. Und zwar habe ich zu ihm gesagt, wenn die Not noch größer wird, Reinhard, und wenn Sie Sorgen haben mit dem Nachzügler, dann nehmen wir den zu uns. Wenn er wirklich Schwierigkeiten hat im Rechnen und in der Orthographie, dann werden wir das in Ordnung bringen. Sie brauchen sich jedenfalls um ihn keine Sorgen zu machen.«

Iris spürte, während ihr Vater das auseinandersetzte, dass Roderich seinen Arm hoffnungsvoll unter ihren schob und von der Seite her mit den Augen ihr Gesicht suchte. Sie erwiderte seinen Blick, aber anstatt etwas zu sagen, legte sie nur den Zeigefinger an die Lippen und drückte mit der anderen Hand den Arm des Jungen. Gespannt warteten sie auf die Fortsetzung des Gesprächs.

»Ja«, sagte Robert nach einer Weile. »Wie verstehe ich denn det, Herr Professor?«

»Genauso wie es gemeint ist, Robert. Sie können sich nicht als Junggeselle um den Betrieb kümmern, um Ihre eigene Hauswirtschaft und um den Jungen auch noch. Da braucht man gar keine Brille. Der Junge kränkelt. Und dann soll er auch noch zu den Kommunisten in die Rehberge? In eine Bretterhütte, deren Komfort darin besteht, dass man sie auch im Winter bewohnen kann. Nein, nein, meine Frau hat das vorhin ganz kl
ar ausgedrückt: Daraus wird nichts, mein Lieber, das lassen wir nicht zu. Schlagen Sie sich das aus dem Kopf, Robert.«

Wieder trat eine Weile Schweigen in dem Auto ein, bis Robert endlich sagte: »Dann könnte der Junge also ganz zu Ihnen ziehen? Die Schule müsste man wechseln. Die ist ohnehin im Herbst zu Ende. Wie soll es dann weitergehen mit ihm?«

»Darüber muss man reden. Dafür ist ja auch noch Zeit. Jedenfalls ist unsere große Tochter bei uns in Dahlem ausgezogen, und außerdem haben wir eine kleine Tochter, der ein Spielkamerad guttut. Wir würden ihn übernehmen wie einen eigenen Jungen, und Sie wären eine Sorge los, Robert.«

»Bei Nahleks müsste ich ihn erst wieder rauseisen«, sagte Robert. »Die haben sich schon gefreut. Und bezahlt habe ich auch schon was.«

»Nur keine Sentimentalität«, sagte Goldamer. »Die Rote Hilfe macht nichts aus Menschenfreundlichkeit, das ist bekannt. Die haben für alles einen Zweckbezug. Für einen, den sie nicht zu den Ihren rechnen, würden die nie was tun.«

»Det is aber bei den Bürgerlichen ganz genauso, Herr Professor, da beißt sich die Wurst haargenau in den Schwanz.«

»Lass man gut sein, Robert. Ich will Ihnen Ihre Roten ja gar nicht vermiesen. Aber der Junge soll wenigstens die Chance kriegen, keiner werden zu müssen. Das werden Sie uns doch zugestehen, oder?«

»Und ob, Herr Professor. Wenn es ihm mal bessergehen täte als uns … det wäre ja wohl auch im Sinne von Vätern, wa?«

»Meine ich auch. Lassen Sie den Tag heute erst mal Vorbeigehen. Morgen regelt sich dann alles andere. Meine Frau wird das mit Ihnen machen, und Iris wird ihr dabei helfen.«

»Meint ihr nicht, dass man, bevor wir das alles machen, den Jungen mal fragen sollte, ob e
r es überhaupt will?«, fragte Ilsabe und wandte ihr Gesicht Roderich zu.

»Natürlich möchte ich das, Frau Professor«, sagte der Junge. »Am liebsten würde ich in Ihrem schönen Garten mithelfen, wenn Sie das zulassen täten.«

»Und da kann er auch was«, rühmte Robert. »Bei uns im Fabrikhof, det hat er ja auch alles gemacht, Sie werden gleich sehen.«

Inzwischen waren sie in die Brombeerallee eingebogen und hielten vor Wuttkes Hoftor. Sie stiegen aus und gingen durch die Durchfahrt. Es war winterlich, und die Bäume und Sträucher waren entlaubt, aber man sah doch, dass die angepflanzten Birken, Weiden und Rotdornsträucher das Rückgebäude im Sommer vollständig verdecken müssten. Vor den...


Technik

Dieses eBook wird im epub-Format ohne Kopierschutz geliefert. Sie können dieses eBook auf vielen gängigen Endgeräten lesen.

Sie können dieses eBook auf vielen gängigen Endgeräten lesen.

Für welche Geräte?
Sie können das eBook auf allen Lesegeräten, in Apps und in Lesesoftware öffnen, die epub unterstützen:

  • tolino Reader
    Öffnen Sie das eBook nach der automatischen Synchronisation auf dem Reader oder übertragen Sie es manuell auf Ihr tolino Gerät mit der kostenlosen Software Adobe Digital Editions.

  • Andere eBook Reader
    Laden Sie das eBook direkt auf dem Reader im Hugendubel.de-Shop herunter oder übertragen Sie es mit der kostenlosen Software Sony READER FOR PC/Mac oder Adobe Digital Editions.

  • Für Tablets und Smartphones: Unsere Gratis tolino Lese-App
         

  • PC und Mac
    Lesen Sie das eBook direkt nach dem Herunterladen Herunterladen über "Jetzt lesen" im Browser, oder mit einer kostenlosen Lesesoftware, beispielsweise Adobe Digital Editions.

Bitte beachten Sie: Dieses eBook ist nicht auf Kindle-Geräten lesbar.

Ihr erstes eBook?
Hier erhalten Sie alle Informationen rund um die digitalen Bücher für Neueinsteiger.

Mehr aus dieser Reihe

zurück
Südwest
eBook epub
von A. E. Johann
Die Farben von Florenz
eBook epub
von Rainer M. Schröd…
Kronos Code
eBook epub
von Veit Etzold
Sohn der Sterne und Ströme
eBook epub
von A. E. Johann
Das Geheimnis der Templer
eBook epub
von Peter Berling
vor
Servicehotline
089 - 70 80 99 47

Mo. - Fr. 8.00 - 20.00 Uhr
Sa. 10.00 - 20.00 Uhr
Filialhotline
089 - 30 75 75 75

Mo. - Sa. 9.00 - 20.00 Uhr
Sicher & bequem bezahlen:
Bleiben Sie in Kontakt:
Hugendubel App
Zustellung durch:
1 Mängelexemplare sind Bücher mit leichten Beschädigungen, die das Lesen aber nicht einschränken. Mängelexemplare sind durch einen Stempel als solche gekennzeichnet. Die frühere Buchpreisbindung ist aufgehoben. Angaben zu Preissenkungen beziehen sich auf den gebundenen Preis eines mangelfreien Exemplars.

2 Diese Artikel unterliegen nicht der Preisbindung, die Preisbindung dieser Artikel wurde aufgehoben oder der Preis wurde vom Verlag gesenkt. Die jeweils zutreffende Alternative wird Ihnen auf der Artikelseite dargestellt. Angaben zu Preissenkungen beziehen sich auf den vorherigen Preis.

4 Der gebundene Preis dieses Artikels wird nach Ablauf des auf der Artikelseite dargestellten Datums vom Verlag angehoben.

5 Der Preisvergleich bezieht sich auf die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) des Herstellers.

6 Der gebundene Preis dieses Artikels wurde vom Verlag gesenkt. Angaben zu Preissenkungen beziehen sich auf den vorherigen Preis.

7 Die Preisbindung dieses Artikels wurde aufgehoben. Angaben zu Preissenkungen beziehen sich auf den vorherigen Preis.

11 Bestellungen ins Ausland und der DHL-Paketversand sind von der kostenfreien Lieferung ausgeschlossen.

* Alle Preise verstehen sich inkl. der gesetzlichen MwSt. Informationen über den Versand und anfallende Versandkosten finden Sie hier.

*** Gilt für Bestellungen auf Hugendubel.de. Von dem verlängerten Rückgaberecht ausgeschlossen sind eBooks, Hörbuch Downloads, tolino select, das Leseglück-Abo, die eKidz.eu Apps sowie phase6 Apps. Das gesetzliche Widerrufsrecht bleibt hiervon unberührt.