Darum geht es:Levana wächst mit dem Bewusstsein auf, Teil einer jüdischen Familiengeschichte zu sein. Ihre Großmutter Hana hat die Shoah überlebt, doch über ihre Vergangenheit spricht sie nie. Erst als Hana im Alter Erinnerungen verliert und in einer fremden Sprache spricht, beginnt Levana, nach den verborgenen Spuren ihres Lebens zu suchen.Ihre Nachforschungen führen sie über mehrere Länder bis auf eine abgelegene Insel an der irischen Atlantikküste. Dort stößt sie auf eine Geschichte, die weit vor ihrer eigenen Zeit beginnt und das Leben ihrer Großmutter in einem neuen Zusammenhang erscheinen lässt. Schritt für Schritt setzt Levana die Bruchstücke einer Vergangenheit zusammen, die über Generationen verborgen geblieben ist.Mein Leseeindruck:Ich wünsche mir sehr, dass dieser Roman viel mehr Aufmerksamkeit bekommt, denn für mich gehört er zu den Büchern, die man nicht so schnell wieder vergisst. Ich habe das Gefühl, dass er viel zu leicht untergeht, obwohl er eine Geschichte erzählt, die tief berührt und lange nachhallt. Ich bin mir nicht sicher, ob meine Worte diesem besonderen Roman gerecht werden können, aber ich möchte versuchen, meine Begeisterung in Worte zu fassen.Der Autor erzählt auf mehreren Zeitebenen und verbindet Vergangenheit und Gegenwart auf eine Weise, die mich von Anfang an gefesselt hat. Einerseits begleiten wir Levana, die nach und nach versucht zu verstehen, weshalb ihre Großmutter plötzlich Dinge sagt, die niemand einordnen kann. Andererseits führt uns die Geschichte zurück ins Jahr 1937 auf eine kleine Insel vor der irischen Atlantikküste, wo wir das junge Mädchen Muraed kennenlernen. Schon früh hatte ich das Gefühl, nicht nur einen Roman zu lesen, sondern gleich zwei Geschichten zu erleben, die zunächst unabhängig voneinander wirken und sich mit jeder Seite immer näherkommen. Zu beobachten, wie sich beide Erzählstränge schließlich miteinander verweben, war für mich einer der schönsten Aspekte des Buches. Besonders gelungen fand ich die Figuren. Sie sind vielschichtig, glaubwürdig und mit großer Sorgfalt gezeichnet. Ihre Gedanken, Gefühle und Entwicklungen haben mich durchweg überzeugt, sodass ich schnell eine enge Verbindung zu ihnen aufgebaut habe.Ebenso begeistert haben mich die vielen Einblicke in die jüdische Kultur und Religion. Diese fließen ganz selbstverständlich in die Handlung ein und verleihen der Geschichte zusätzliche Tiefe. Auch die irische Insel mit ihrer rauen Landschaft, ihren Traditionen und ihrer besonderen Atmosphäre wird so lebendig beschrieben, dass ich das Gefühl hatte, selbst dort zu sein. Das Glossar am Ende des Buches ist eine schöne Ergänzung und hilft dabei, Begriffe und Hintergründe noch besser einzuordnen.Besonders faszinierend fand ich, wie sich die Wahrheit Stück für Stück aus kleinen Erinnerungen und scheinbar unbedeutenden Details zusammensetzt. Niemand hatte Hanas Vergangenheit jemals infrage gestellt. Gemeinsam mit Levana begibt man sich auf eine Spurensuche, bei der sich nach und nach alle Puzzleteile zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenfügen. Gerade dieses behutsame Enthüllen der Zusammenhänge hat die Spannung für mich bis zum Schluss aufrechterhalten.Dieser Roman ist intensiv, atmosphärisch und voller Gefühl. Er erzählt von Familie, Erinnerung, Identität und den Spuren, die die Vergangenheit über Generationen hinweg hinterlässt. Mich hat diese Geschichte tief berührt und bis zur letzten Seite gefesselt.Fazit:Ein eindrucksvoller Roman über Erinnerung, Identität und Familie, der mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat. ¿¿¿¿¿¿