Juliette lebt isoliert, denn ihre Berührung kann tödlich sein. In einer zerstörten Welt wird ihre außergewöhnliche Fähigkeit plötzlich für a
Schon die Grundidee von "Shatter Me" hat mich neugierig gemacht. Eine Hauptfigur, deren Berührung anderen Menschen schaden kann, ist eine interessante Ausgangslage für eine Geschichte, in der es nicht nur um eine dystopische Welt, sondern auch um Einsamkeit, Angst und Selbstfindung geht. Juliette hat gelernt, sich selbst als Gefahr zu betrachten. Sie wird von anderen gemieden und hat lange Zeit kaum die Möglichkeit, normale zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen. Gerade deshalb ist es spannend, ihre Gedanken und ihre Entwicklung zu verfolgen.Besonders auffällig ist der Schreibstil von Tahereh Mafi. Er ist emotional, bildhaft und teilweise ungewöhnlich, weil Juliette ihre Gedanken nicht immer auf eine geradlinige Weise ausdrückt. Die durchgestrichenen Passagen und die vielen Metaphern vermitteln, wie chaotisch es in ihrem Inneren aussieht. Das macht ihre Perspektive unverwechselbar, auch wenn ich mir vorstellen kann, dass dieser Stil nicht jedem gefällt. Manche Formulierungen wirken sehr dramatisch, und an einigen Stellen hätte etwas weniger Intensität der Geschichte vielleicht gutgetan.Interessant finde ich auch den Gegensatz zwischen Juliettes tatsächlicher Stärke und dem Bild, das sie von sich selbst hat. Sie hält sich zunächst für jemanden, vor dem andere geschützt werden müssen. Nach und nach wird jedoch deutlich, dass ihre Fähigkeiten nicht automatisch bestimmen, wer sie als Mensch ist. Dieser innere Konflikt verleiht der Geschichte mehr Tiefe, als man anhand der dystopischen Grundidee zunächst erwarten könnte.Auch die Figuren um Juliette herum bringen unterschiedliche Perspektiven in die Handlung. Vertrauen fällt ihr schwer, und es ist nachvollziehbar, dass sie Schwierigkeiten damit hat, die Absichten anderer Menschen richtig einzuschätzen. Die romantischen Elemente spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Manchmal nehmen die Gefühle allerdings sehr viel Raum ein, sodass die politischen Hintergründe und die dystopische Welt etwas in den Hintergrund treten.Trotzdem entsteht eine Atmosphäre, die das Buch von vielen anderen Jugendbuch-Dystopien unterscheidet. Die Geschichte ist düster, emotional und teilweise bedrückend, ohne ausschließlich auf Action zu setzen. Vieles wird durch Juliettes Gedanken vermittelt, wodurch man ihre Unsicherheit und ihre Sehnsucht nach Nähe unmittelbar erlebt.Insgesamt ist "Shatter Me" ein interessanter Reihenauftakt, der vor allem durch seine ungewöhnliche Erzählweise und seine Hauptfigur überzeugt. Nicht jede dramatische Wendung wirkt vollkommen überraschend, aber die Grundidee besitzt genügend Potenzial, um neugierig auf die Fortsetzungen zu machen. Besonders Leserinnen und Leser, die emotionale Dystopien mit einer komplizierten Liebesgeschichte mögen, könnten an diesem Buch Gefallen finden.