Intensive Gefühle, ein besonderer Schreibstil und eine spannende Protagonistin ¿ mir fehlte nur etwas mehr Handlung.
¿Shatter me¿ spielt in einer dystopischen Zukunft, in der die Welt nach zahlreichen Katastrophen und Umweltproblemen kurz vor dem Zusammenbruch steht. Das Reestablishment, eine neue autoritäre Regierung, verspricht, Ordnung und Sicherheit wiederherzustellen ¿ tatsächlich kontrolliert es die Bevölkerung jedoch mit strengen Regeln. Im Mittelpunkt steht Juliette, die seit fast einem Jahr eingesperrt ist. Der Grund dafür ist ihre besondere Fähigkeit: Eine Berührung von ihr kann für andere tödlich sein. Sie wird daher als große Gefahr angesehen.Besonders gefallen hat mir, wie intensiv Juliettes Gefühlswelt beschrieben wird. Zu Beginn ist sie unglaublich unsicher, isoliert und von ihren eigenen Gedanken und Ängsten überwältigt. Im Laufe der Geschichte merkt man jedoch, wie sie langsam beginnt, sich selbst und ihre Fähigkeiten anders wahrzunehmen. Ihre Entwicklung war für mich dadurch gut nachvollziehbar und hat mir als Teil der Geschichte besonders gefallen.Passend dazu verändert sich auch der Schreibstil der Geschichte im Laufe der Handlung. Gerade am Anfang sind die Sätze häufig sehr kurz und abgehackt, Gedanken werden wiederholt oder ganze Passagen durchgestrichen. Anfangs war das für mich etwas gewöhnungsbedürftig, aber je mehr man Juliettes Gedankenwelt versteht, desto besser passt diese Art des Schreibens zu ihr. Man hat das Gefühl, direkt in ihrem Kopf zu stecken. Der Schreibstil wird im Verlauf immer vielschichtiger ¿ sowohl bei den Satzstrukturen als auch bei den beschriebenen Emotionen. Für mich spiegelt sich darin sehr schön Juliettes eigene Entwicklung wider.Auch die Handlung fand ich durchaus spannend. Die dystopische Welt, Juliettes Fähigkeit und die Frage, welche Rolle sie darin spielen soll, bieten definitiv viel Potenzial. Allerdings hatte ich gerade bei diesem ersten Band das Gefühl, dass ich über die eigentliche Welt und ihre Hintergründe noch relativ wenig erfahren habe. Viele Fragen bleiben offen und auch bei den verschiedenen Charakteren bin ich mir noch nicht sicher, wem man wirklich vertrauen kann. Gerade dadurch bleibt aber auch eine gewisse Spannung bestehen.Allerdings hätte ich mir an manchen Stellen einfach etwas mehr Inhalt und Informationen gewünscht. Der Band stellt vor allem die Figuren und ihre Gefühlswelt in den Mittelpunkt.Insgesamt konnte mich Shatter Me vor allem durch seine ungewöhnliche Erzählweise sowie Juliettes Emotionen und ihre Entwicklung überzeugen. Jedoch hätte ich mir doch mehr Story und Inhalt gewünscht. Trotzdem bin ich neugierig, wie es weitergeht. Gerade weil noch so viele Fragen offen sind und ich noch überhaupt nicht einschätzen kann, wem Juliette und auch ich als Leserin vertrauen kann, möchte ich die Reihe auf jeden Fall weiterlesen.