The Exes" ist das Debüt der britisch-ghanaischen Autorin Leodora Darlington, erschienen auf Deutsch am 18.02.2026 bei Insel Verlag (464 Seiten), übersetzt von Conny Lösch. Das Hörbuch (Hörbuch Hamburg, 12 Stunden 46 Minuten, ungekürzt) wird von Sandrine Mittelstädt, Benito Bause und Viola Müller gesprochen. Danke an NetGalley und Hörbuch Hamburg für das Rezensionsexemplar!
Worum geht's?
Natalie will eigentlich nur eines: den richtigen Mann finden, eine Familie gründen, das nachholen, was sie selbst nie hatte. Doch ihre Beziehungsgeschichte ist lang und dunkel. Als sie James kennenlernt und glaubt, endlich angekommen zu sein, kommt heraus, was Natalie um jeden Preis verborgen halten wollte: Ihre drei Ex-Partner sind tot. Und sie war jedes Mal in der Nähe. Was wie ein abgründiger Psychothriller über Liebe und Verlust beginnt, wird zur Frage: Ist James jetzt auch in Gefahr?
Meine Meinung
Der Einstieg hat mich wirklich gepackt. Die Prämisse ist stark, die Atmosphäre von Beginn an dicht, und Natalie als Figur hat etwas Magnetisches, wenn auch nicht unbedingt sympathisches. Man will verstehen, was passiert ist und vor allem: wer sie wirklich ist. Diese Sogwirkung hat das Buch in den ersten Stunden deutlich.
Was mich besonders beeindruckt hat: die Darstellung der Männerfiguren. Darlington trifft problematische Beziehungsdynamiken mit einer Präzision, die nicht überzogen oder plakativ wirkt, sondern in feinen Nuancen arbeitet. Kleine Gesten, subtile Machtverschiebungen, Momente, die erschreckend vertraut klingen können.
Gleichzeitig lohnt sich ein Blick auf die Perspektive, aus der das alles erzählt wird: Sowohl die Autorin als auch die Protagonistin sind Schwarze Frauen. In einem Genre, das diese Stimmen nach wie vor strukturell unterrepräsentiert, ist das nicht nichts. Die Erfahrungsebene fließt subtil in die Erzählung ein. Bestimmte Machtverhältnisse und Dynamiken werden dadurch anders lesbar, authentischer. Das verleiht dem Roman eine Tiefe, die über den reinen Thriller-Plot hinausgeht.
Und dann gibt es da noch den feministischen Subtext, der sich durch die ganze Geschichte zieht: Natalie sitzt immer wieder demselben Muster auf, gerät an ähnliche Männer, kann nicht raus. Was die Psychoanalyse Wiederholungszwang nennt, wird hier zur Erzählstruktur. Das fand ich wirklich spannend.
Aber irgendwann kippt das Ganze leider. Je weiter das Hörbuch voranschreitet, desto mehr stapeln sich tote Ex-Partner, potenzielle Täter:innen und Wendungen, die ich kaum noch einordnen konnte. Ich habe mehrfach alle meine Theorien verwerfen müssen und das Verwirrspiel hat so viele Ebenen, dass die Geschichte zunehmend ihre Glaubwürdigkeit verliert. Für Leser:innen, die genau das lieben immer neue Twists, ein Feuerwerk an falschen Fährten, könnte das funktionieren. Mir persönlich war es zu viel.
Was das Hörbuch selbst angeht: das ist ein echtes Highlight. Sandrine Mittelstädt, Benito Bause und Viola Müller hauchen den Figuren wirklich Leben ein, transportieren Emotionen glaubwürdig und machen die Wendungen greifbar. Die Besetzung ist eine der größten Stärken dieses Formats.
Fazit
The Exes" startet super stark, hat echten feministischen Biss und eine Stimme, die im Genre auffällt. Wer Psychothriller mit vielen Twists und feministischer Note mag, wird die ersten Stunden lieben und vielleicht auch darüber hinwegsehen, wenn es zu viel wird. Wer lieber stringente Plots und glaubwürdige Figuren bis zum Schluss will, könnte eventuell vorher aussteigen.