Unerlässlich zur Vorbereitung auf die anstehende Übertragung im ORF!
Die satirische Reportage von Stefanie Sargnagel schildert den Wiener Opernball als Versammlung von verknöcherten, im wahrsten Sinn des Wortes halsstarrigen Gespenstern der besten Wiener Gesellschaft. Schon bald kippt die Erzählung teilweise in eine schwungvolle Groteske. Die Perspektive ist nach dem Konsum diverser Drogen nämlich nicht mehr ganz so nüchtern.
Ein Distinktionsmerkmal der wahrhaft Vornehmen beim Ball scheint die gerade Haltung zu sein, damit im Zusammenhang die Länge des Halses: "Je dünner und länger der Hals, desto älter die Familie", desto besser kann man auf die anderen herabsehen. Das wird dann eifrig praktiziert.
"Ist sie wer?", murmelt eine neugierige Dame in der Menge ihrer Nachbarin zu.
"Die ist wer, glaub ich."
Stefanie Sargnagel bzw. ihr erzählendes Alter Ego ist wer und das zeigt sich auch bei ihrem Besuch am Wiener Opernball. Grandios aufgemaschelt wird sie schon auf der Feststiege vom Star-Journalisten erkannt, ein bisschen gehört sie schon dazu. Denn: "Wer eine Karte hat, gehört dazu." Bussi Bussi. Andererseits: In die Mitarbeiterkantine darf sie nicht mehr hinein, da wird sie für eine "Gspritzte" gehalten, die haben keinen Zutritt im Untergeschoss. Am Schluss, nach vielen Stunden "teilnehmender Beobachtung" der Reichen und Schönen zurück in der Realität vor der Staatsoper, wird sie dann voller Verachtung von Gegnern der Veranstaltung bespuckt. Das hat sie jetzt davon. Mit dieser selbstironischen Haltung spielt sie immer wieder. Als Künstlerin darf sie alles. Böse ist sie, lustig und vulgär.
Dramen ereignen sich, als die Sargnagelcrew einer Dame die Sicht auf den Bildschirm nimmt, auf dem der Einzug der Debütantinnen zu sehen ist, als der hungrige Gefährte die Chuzpe hat, ein gammeliges Brötchen von einem Tisch zu nehmen, Mörtl Lugner seine Priscilla (oder Chinchilla? Brunzilla?) durch die Menge führt, als Kurz-Kanzler Schallenberg sich auf eine Dame übergibt, als die Erzählerin in der Erbmasse des klebrigen Parketts stecken bleibt
Beste Unterhaltung jedenfalls bei Frau Sargnagel. Ganz anders als offenbar beim realen Opernball, wo die Reichen und Schönen vor allem herumstehen und darauf warten, dass eine Kamera auf sie gerichtet wird.
Bald ist es wieder so weit. Dann also alles Walzer. Aber jetzt mit Hintergrundwissen.
Das Hörbuch hat die Sargnagel Stefanie selber eingelesen, sehr authentisch.
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