1932 trifft der junge Hamburger Oskar Speck, auf Grund mangelnder Perspektiven in Folge der Weltwirtschaftskrise, die Entscheidung, mit dem Faltboot seiner Schwester bis nach Zypern zu paddeln, um dort Arbeit in den Kupferminen zu finden. Aus diesem Vorhaben wird letztlich eine siebenjährige Bootsfahrt, die ihn bis nach Australien führt und die statt in Ruhm in Internierungslagern endet.Mein Einstieg in das Buch, über ein sehr bewegendes Leben, war ein wenig holprig. Es beginnt mit einer Anekdote aus dem Ende der Erzählung in den australischen Internierungslagern. In Kapitel eins startet die Reise, einige Kapitel weiter wird uns Gili vorgestellt. Und nach einigen weiteren Kapiteln liegt Oskar in einem Krankenhaus irgendwo in Indonesien und erzählt einer jungen Journalistin von seinen abenteuerlichen Erlebnissen. Und dann ist da auch noch der aufstrebende Nazi Konstanty von Stäblein, dessen Dasein mit der Affäre mit Diana Mitford ergänzt wird.Wir springen also zwischen vielen verschiedenen Ebenen hin und her.Alle drei Handlungsstränge sind auf ihre Art von Beginn an interessant.Der Aufbau hat es mir persönlich aber schwer gemacht, die einzelnen Episoden richtig einzuordnen und die roten Fäden miteinander zu verknüpfen. Ich konnte während der Beschreibung der Reise auch nicht immer richtig folgen, wo sich Oskar gerade befindet.Aber ab einem gewissen Punkt, fließt das Buch plötzlich in geradlinigeren Bahnen. Und das Puzzle wird allmählich ein großes Ganzes.Oskars Zeit in Indonesien war für mich persönlich der schönste Teil des Buches. Eine kurze Episode seines Lebens, in der er, zumindest im Roman, seiner Einsamkeit für einige Zeit entfliehen kann, in der er mit Gili ein Team bildet und in Sugar einen Freund findet.Doch das Glück währt nicht lange. In Australien angekommen fällt Oskar vom Regen der Reisestrapazen in die Traufe. Man hält ihn für einen deutschen Spion und so fristet er für viele Jahre ein trostloses Leben in Gefangenschaft. Auch hier sind wir mittendrin. Und auch in diesen Jahren finden sich ein, zwei Vertraute um ihn. Doch das unbeschwerte Leben lässt weiter auf sich warten.Das Ende des Buches hat mir nicht gefallen. Auf Grund des Nachwortes weiß man zwar, dass das Leben für Oskar weitergeht. Aber in dem Moment bleibt man schlichtweg im Ungewissen und ich bin kein Freund offener Enden.Will man wissen, welche Charaktere des Romans wirklich existierten und welche vom Autor für die Dramaturgie dazu erfunden wurden, muss man online selbst weiter recherchieren. Zumindest im E-Book erhält man dazu leider keine Information.Insgesamt ein Roman über ein ereignisreiches, aus meiner Sicht aber nicht beneidenswertes Leben voller Entbehrungen und Risiken, für den man schon ein bisschen Disziplin braucht, um ihn auch über die weniger spannenden Passagen hinweg weiterzulesen.Es war für mich ein Experiment, denn ich bin nicht der Freund von Abenteuerromanen und ich weiß nicht, ob ich mich nochmal zum Kauf dieses Buches entscheiden würde. Aber ich habe auf jeden Fall interessante "Bekanntschaften" gemacht und einiges neue gelernt. 4 Sterne.