Als Literaturprofessor Katz ein Manuskript eines Autors in die Hände bekommt, hat es mich sofort gepackt - genau wie ihn. In einem Roman über einen anderen rätselhaften Roman zu lesen, fand ich großartig. Der verschachtelte Aufbau, bei dem sich Fakten und Charaktere nur langsam zusammensetzen wie ein Puzzle, hat für mich einen besonderen Reiz gehabt. Das Manuskript handelt von dem nie gelösten Mord des berühmten Psychologieprofessors Joseph Wieder. Katz vermutet, dass der Autor eine Enthüllungsgeschichte geschrieben hat, um die Tat aufzuklären. Doch dann bricht der Text abrupt ab.Katz sucht den Autor, nur um zu erfahren, dass dieser bereits nach schwerer Krankheit verstorben ist. Nicht nur Katz will die Wahrheit herauszufinden, meine Neugier wurde auch geweckt. Ein engagierter Detektiv beginnt, die Ereignisse von damals zu rekonstruieren - und je tiefer gegraben wird, desto mehr verschwimmt alles. Genau dieses Gefühl, dass die Wahrheit nicht greifbar war, fand ich spannend.Dennoch haben mich die verschiedenen Erzählebenen manchmal eher aus der Geschichte herausgerissen, als dass sie mich hineingezogen hätten. Die Perspektivwechsel sind gut konstruiert, aber der Lesefluss litt darunter. Jede Stimme bringt ihre eigene Wahrheit mit und Wahrheit und Lüge lassen sich nicht mehr unterscheiden. Das hält die Spannung hoch, hat aber auch seine Längen.Die Auflösung kam für mich überraschend und war dennoch gut nachvollziehbar. Ein Kriminalfall der anderen Art, der mit seiner verschachtelten Struktur Aufmerksamkeit fordert.