Geht Familie auch humoristisch? Ja! Das beweist Joachim Meyerhoff mit seiner Reihe "Alle Toten fliegen hoch". Im dritten Band "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" geht der 19-jährige Joachim an die Münchner Schauspielschule und zieht kurzerhand bei seinen Großeltern ein. Dort erlebt er den ganz normalen Wahnsinn. Aber was ist bei den exzentrischen Großeltern schon normal?"Ach, diese Lücke" ist mein erstes Buch des Autors. Aufgrund sehr guter Bewertungen und positiver Pressestimmen waren meine Erwartungen hoch, wurden jedoch enttäuscht.Zuerst zum Positiven, der Sprache: Selbstironisch und mit Wortwitz berichtet Meyerhoff von seinen Erlebnissen an der Schauspielschule und bei den Großeltern. Meyerhoff schreibt autobiografisch mit fiktionalen Elementen, verbindet Komisches mit Tragischem. Von heiter bis wolkig. Mit guter Beobachtungsgabe und viel Humor seziert er die Menschen und seinen Alltag. Dabei besitzt er das große Talent, Alltagsmomente und Figuren so eloquent zu beschreiben, dass man schmunzeln muss.Meyerhoff reiht Erlebnis an Erlebnis: Hier eine Anekdote, da eine Kindheitserinnerung, dort ein Alltagsmoment. Das liest sich so als hätte man ein Familienfotoalbum in einen Roman verwandelt.Das ist unterhaltsam, aber genügt das, um 350 Seiten nicht nur zu füllen, sondern auszufüllen? Die Geschichte brilliert sprachlich, doch inhaltlich schwächelt sie. Spätestens ab der Hälfte des Romans (da wurde es für mich zunehmend fade) hätte ich mir eines gewünscht; eine interessante Handlung und nicht so viele Belanglosigkeiten (so wurde zum Beispiel dem Diebstahl eines Fotobildbandes ein ganzes Kapitel gewidmet). Stattdessen gibt es viele Wiederholungen: Peinlichkeiten an der Schauspielschule und Besäufnisse bei den Großeltern, immer im Wechsel. Die fehlende Handlung hinterlässt meiner Meinung nach tatsächlich eine entsetzlich große Lücke in diesem Roman.Zu den Figuren: Die Großeltern sind so etwas wie der Fels in der Brandung, nicht nur für den Protagonisten, sondern auch für den Roman, denn sie halten sie Geschichte zusammen. Man hat sie beim Lesen bildlich vor Augen - den stoffeligen Philosophieprofessor und die extravagante Schauspielerin. Dabei überstrahlt die Großmutter alle anderen Figuren und scheint - auch abgesehen von allem "Diven-Glitzer" - eine interessante Frau gewesen zu sein. Demgegenüber bleiben die anderen Charaktere ziemlich blass. Vor allem Joachims Kommilitonen und Schauspiellehrer wirken auf mich wie Sketchfiguren, genauso ulkig aber auch genauso flach.