Wie seine Bücher meist fängt auch dieser hier sehr merkwürdig an. Wir lernen direkt die etwas skurrile Oma und einige ihrer Ansichten kennen. Die pensionierte Ärztin raucht wie ein Schlot und beschwert sich gerne mal über die politische Korrektheit, die immer und überall präsent ist - und die ihr gehörig auf die Nerven geht.Leben retten und die Leute in den Wahnsinn treiben sind Omas Superkräfte.Zitat Seite 9Elsa, ihre Enkelin, wohnt zusammen mit ihrer Mutter und deren neuen Freund im selben Haus. Direkt vorne im Buch sieht man auch die Wohnsituation, mit allen Mietern - die auch der Reihe nach in ihrer Rolle vorgestellt werden. Neben einem ganz lieben Pärchen, gibt es (natürlich) auch jemandem, der ständig alles inspiziert und in Frage stellt, eineFür Elsa ist ihre Oma jedenfalls eine Superheldin, zumindest meistens. Elsa ist mit ihren knapp 8 Jahren aber auch so etwas wie eine Besserwisserin, deren Ratschläge oder Verbesserungen nicht oft auf positive Reaktionen stoßen und auch Ärger mit Gleichaltrigen heraufbeschwört.Die erste Situation auf der Polizeistation wirkt schon etwas merkwürdig, da Elsa und ihre Oma sich regelrecht anschreien. Aber schon kurz darauf erfährt man, wie es dazu kam und da geht einem direkt schon ein bisschen das Herz auf. Vor allem der Spruch ist sofort bei mir hängen geblieben, nämlich das "wenn man das Schlechte nicht wegkriegt, viel Gutes darüber kippen muss".Etwas verarbeiten ist immer gut, aber manchmal geht es nicht so leicht - aber mit ganz vielen positiven Momenten ist es vielleicht etwas einfacher zu ertragen.Während Oma als das perfekte Chaos impliziert, ist Elsas Mutter - also Omas Tochter - das genaue Gegenteilt: ordnungsliebend und beherrscht.Der Trauerfall wirft Elsa in einen Strudel an Gefühlen und der Autor lässt uns durch sie daran teilhaben, ohne dass er etwas versteckt. Alle Facetten, die in einem brodeln und die oft sehr unangenehm und auch gemein sind. Typisch für Kinder wird man vielleicht denken, während man weiß, dass man als Erwachsene genau die gleichen Gedanken hat, auch wenn man sie sich nicht eingestehen will. Dabei sind sie völlig natürlich und menschlich - genauso wie der Umstand, dass sie wieder vorbeigehen. In manchen Momenten ist man einfach so überflutet von Trauer, Einsamkeit oder Angst, dass man sich nicht mehr anders zu helfen weiß und Mechanismen in Kraft treten, die einem darüber hinweghelfen sollen.Ein interessantes Zitat hierzu auch, was oftmals nicht gutgeheißen wird:"Wenn man das Schlechte nicht wegkriegt, dann muss man viel Gutes drüberkippen."Zitat Seite 18Es wird ja immer aufgefordert, alles zu verarbeiten und durchzukaufen, aber ganz ehrlich, nicht alles muss man immer wieder aufrütteln und durchleben. Ich denke, es kann durchaus auch mal gut sein, etwas ruhen zu lassen, bis die Erinnerungen verblassen, weil zu viele neue schöne Erlebnisse dazu gekommen sind.Die Sichtweise von Elsa überaus berührend und authentisch und die Figuren und Themen sehr gut gewählt und sie verdeutlichen perfekt die Gesellschaft und wie jeder versucht, darin mit seinen eigenen Methoden damit klarzukommen. Die Kleine ist äußerst schlau, was weder bei den Erwachsenen noch bei anderen Kindern gut ankommt. Ihre einzige Freundin ist ihre Oma, die mit ihr durch dick und dünn geht und sehr eigene spezielle Weltanschauungen hat. Sie merkt sehr wohl, das Elsa oft leidet und entführt sie dann in Fantasiewelten, die ihr helfen sollen, mit der realen Welt zurecht zu kommen. Was ihr auch durchaus gelingt!Als Elsa jedoch nach und nach erfährt, wie ihre liebste Oma früher war, bricht dieses Bild zusammen. Elsa muss lernen, dass Menschen Fehler machen - daraus lernen und sich ändern können. Dass jeder anders ist und jeder dadurch seinen Platz hat, seine "Superheldenkräfte" nicht in jeder Situation funktionieren, aber eben für bestimmte Situationen gerade richtig sind.Tapfer versucht sie, alles zu meistern, auch ihre widerstreitenden Gefühle für das neue Geschwisterchen, denn die Eifersucht nagt sehr an ihr.Der Autor versteht es ausgesprochen gut, die Menschen aus der Sicht des Kindes zu definieren. Wie sie sind, warum sie so sind - und warum überhaupt so viele Entwicklungen und Veränderungen in Menschen stattfinden, die man als Außenstehender nicht verstehen kann. Erst, wenn man näher kommt, ihnen zuhört, und mitfühlen kann.Die Themen sind wie meist bei seinen Büchern nicht leicht ... Verlust, Tod, Trauer, Krieg, Einsamkeit, Eifersucht, Schmerz. Auch wenn es einige Momente gibt, die wirklich tief greifen und traurig machen, schafft er es mit seinem ihm sehr eigenen, speziellen Humor, das ganze nicht zu sehr auf diese Seite zu ziehen. Denn das Leben besteht immer aus Gegensätzen und auch wenn das Lachen nicht in jeden Moment passt, ist es in vielen selbst unpassenden Momenten das einzige, das darüber hinweghilft.Ich bin bei jedem Buch fasziniert, wie Fredrik Backman es schafft, diesen Spagat zwischen Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit hinzubekommen. Denn das Leben hält so viel Schattentage für uns bereit, dass man sich umso mehr auf die Sonnentage freuen muss, sie genießen sollte und mit jedem Gefühl von Achtsamkeit in seiner Erinnerung festhalten.Ein bisschen gestört haben mich die Märchen. Natürlich ist es eine tolle Idee von Oma, der kleinen Elsa die Welt in Märchen zu erklären, aber die vielen Königreiche und Personen hab ich einfach schlecht auseinanderhalten und mit den realen Charakteren in Verbindung setzen können, so dass diese Parts etwas an mir vorüber gegangen sind.Die Idee allerdings, wie die Oma für Elsa gesorgt hat, also was sie ihr für einen Auftrag mit der Schatzsuche gegeben hat, war schon etwas ganz besonderes und großartiges! Der Autor hat ein tolles Gespür für Menschen, Emotionen und vor allem für das Leid und wie unterschiedlich damit umgegangen wird, so dass diese Geschichte hier wieder tief beeindruckt hat.Ich hätte so viel zitieren können, da so viele kleine Weisheiten hier drin stecken, aber ein Zitat möchte ich gerne noch zum Abschluss anbringen:"Man will geliebt werden, mangels dessen bewundert, mangels dessen gefürchtet, mangels dessen gehasst und verachtet. Man will irgendein Gefühl in den Menschen wecken. Die Seele schreckt vor der Leere zurück und sucht um jeden Preis Kontakt."Zitat Seite 415In diesem Sinne: Natürlich kann und muss man nicht mit jedem Menschen Verständnis haben, aber man kann feinfühliger werden und zumindest versuchen, zu verstehen, dass jedes Verhalten, jedes Wort, einen Hintergrund hat, der meist tiefgründiger ist als es scheint und mit dem aktuellen Moment oft gar keinen Bezug hat. Laut sein ist ein Ruf nach Aufmerksamkeit, Wut sucht meist nach Verständnis, Aggression ist Hilflosigkeit und viele dieser Emotionen kann man auffangen, wenn man nur etwas genauer hinsieht.