Kurzer Roman mit interessantem Setting
Mir hat das Buch ganz gut gefallen. Ich fand es gut, den Blickwinkel von Kaisern und Königen zu verlassen und sich auf "kleine" Leben in einer einzigen Stadt, nämlich Köln, zu konzentrieren. Das differenzierte Bild des Mittelalters ohne die typischen Klischees (Henker in schwarzer Kluft, schlammige Straßen und das tägliche Enleeren von Nachttöpfen vor die Füße des jeweiligen Protagonisten) gefiel mir sehr. Man merkt eindeutig die gute Recherche und die Begeisterung für die Epoche. Man merkt auch, dass die Autorin viel zu Köln recherchiert hat, denn es kommen individuelle Straßen, Stadtteile und so weiter mitsamt ihren Eigenheiten vor. Leider konnte man sich als Leser nicht so wirklich in Köln wiederfinden. Die Stadt, ihr Aufbau und ihr Aussehen sowie das Leben der Menschen darin kamen mir leider etwas zu kurz. Das Thema Bordell, Unterwelt und Kriminalität fand ich auch sehr gut. Es gibt wirklich nicht viele Geschichten mit so einem Setting und das fand ich hier sehr erfrischend.Der Schreibstil gefiel mir auch gut. Insbesondere mochte ich das, was man in Filmen als "blocking" bezeichnet, nämlich das Geschen im Umfeld der Dialoge. Eine beispielhafte Szene gefiel mir da sehr gut: Elsbeth verhandelt in einem Wirtshaus mit ihren Informanten, dabei schiebt sie Geldmünzen vor und zurück, je nach dem, wie zufrieden sie mit ihren Antworten ist. Auch die Dialoge mit dem Gewaltrichter Vinzenz machten Spaß.Die Spice-Szenen waren auch nicht schlecht und passten zum Bordellthema. Auch der mitunter schonungslose, schockierende Umgang mit Elsbeth während ihrer Tätigkeit ließ einen die harten Seiten miterleben. Schade fand ich beim Spice aber etwas die Gewichtung. So konzentrieren sich die Szenen auf die ersten 100 Seiten und werden danach schlagartig weniger, wo sich fast alles nur noch auf Andeutungen sowie das typische Vorher oder Danach beschränkt. Insbesondere fand ich vom Schwerpunkt her komisch, dass es keine wirkliche Spice-Szene mit Johannes gab, immerhin ihrem langjährigen und geliebten Partner. Hier wäre eine romantische Szene, auch als Kontrast zur harten Realität der Bordellarbeit, wünschenswert gewesen.Alles in allem war das Buch ganz gut. Zum fünften Stern hätten mir vor allem noch 200/300 Seiten gefehlt, um das mittelalterliche Köln wirklich zum Leben zu erwecken und der Handlung und den Charakteren mehr Platz zum Entfalten zu geben.