Auch dieses Mal zieht mich der Autor von Anfang an ins Geschehen ein. Sein Schreibstil ist mitreißend und detailreich, ohne überbordend zu sein. Wir sind mittendrin in der Zeit von Bismarcks Sozialistengesetzen, der sorglosen besseren Gesellschaft und der ausgebeuteten einfachen Arbeiter. Die Atmosphäre Hamburgs sowie die herrschenden Klassenunterschiede im späten 19. Jahrhundert werden sehr deutlich dargestellt. Das alles passiert trotz der Schwere der Thematik in einer sprachlichen Leichtigkeit, die immer die Geschichte in den Vordergrund stellt. Verschiedene Perspektiven und Episoden, Charaktere, scheinbar nebensächlich, werden eindrucksvoll ausgearbeitet und zusammengeführt in einem Finale, was durch Sprache und daraus erzeugte Bilder im Kopf eine atemberaubende Rasanz entwickelt. Und auch bei seinen Cliffhangern bleibt der Autor sich treu, er macht uns jetzt schon neugierig auf die Fortsetzung. Auch wenn mich beim Lesen mancher Passagen Phantom-Zahnschmerzen plagten, so bin ich doch dem abgebrochenen Backenzahn von Ralf H. Dorweiler sehr dankbar, hat er uns doch letztendlich eine ganz besondere Kriminalgeschichte beschert!