Guter Auftakt der Reihe. Urban-Fantasy mit einer Prise Humor, aber auch genügend Action und interessanten Figuren.
Die Hexe Rachel Morgen hat die Nase voll von ihrem Job bei der magischen Sicherheitsbehörde von Cincinatti, denn sie bekommt von ihrem Chef die wenig herausforderndsten Jobs zugeteilt. Zusammen mit dem Pixie Jenks und der Vampirin Ivy verlässt sie die I. S. und macht sich selbstständig. Doch ihrem ehemaligen Arbeitgeber gefällt das gar nicht und setzt ein Kopfgeld auf sie aus. Für Rachel gibt es nur eine Möglichkeit ihren Hals zu retten: Sie muss Trent Kalamack, den gefährlichsten Gangster der Stadt, als Rauschmittelschmuggler festsetzen. Ich habe die Reihe entdeckt, als diese mir empfohlen wurde, wenn man Jim Butchers Reihe um Harry Dresden mag. So habe ich diese angefangen und ziemlich bald verstanden, warum man das wirklich gut passt. Es ist ein Urban-Fantasybuch mit einer Prise Humor, aber auch genügend Action und tollen Figuren, die man ins Herz schließt. Und Trent Kalamack wirkt etwas wie Harrys Gegner der Mafiosi. Man weiß nicht recht, ob man ihn für oder gegen Rachels Seite verbuchen sollte.Rachel hat mich stellenweise wirklich an Harry erinnert, obwohl sie dennoch ganz anders als er ist. Aber eines haben sie gemeinsam: Sie bringen sich beide ganz schnell in den größten Schlamassel und wenn man glaubt, es kann gar nicht schlimmer werden, setzen sie noch einen drauf. Von witzigen Passagen bis aber auch sehr ernsten Situationen ist hier alles abgedeckt.Allerdings ist zum Beispiel ziemlich anders. Rachel arbeitet meist mit Amuletten (und leider wurde nur wenig auf die Herstellung eingegangen), während Harry komplexe im Bannkreis kreiert. Nach dem großen Wandel, wie er im Buch benannt wird, als Menschen an einer Seuche, ausgelöst durch Tomaten, gestorben sind, haben sich die Wesen (hier als Inderlander bezeichnet) aus ihren Verstecken getraut und leben nun so offen wie die Menschen. Das führt zu einigen Reibereien und das I.S. wurde gegründet, wo man abtrünnige Inderlander festsetzt.Das ist der Grundaufbau der Welt.Ich fand es zum Beispiel auch sehr interessant, wie hier Vampire dargestellt wurden, denn es wird zwischen lebenden (wie Ivy) und toten (wie ihre Mutter) unterschieden. Ivy hat ein Enthaltsamkeitsgelübde abgeschlossen, was bedeutet, dass sie kein Blut trinkt. Als lebende kann sie das, tote Vampire müssen Blut trinken. Das war ziemlich interessant, wenn auch nicht das Hauptthema des Buches. Aber ich denke, dass man im Laufe der Reihe noch viel besser die Eigenheiten der verschiedenen Wesen und der Welt entdecken wird. Denn es wurde wohl nur ein Bruchteil davon erzählt.Jenks ist ein Pixie und im ersten Moment konnte ich mir nichts darunter vorstellen. Doch inzwischen muss ich etwas an Tinkerbell von Peter Pan denken, denn er ist sehr klein und verteilt Pixiestaub, welcher verschiedene Eigenschaften hat. Jenks hat ein sehr vorlautes Mundwerk und nimmt sich für seine Größe ziemlich viel raus. Zudem hat er direkt seine Familie mitgebracht, Frau und ein paar Kinder.Ivy und Jenks haben mir als Figurencast sehr gefallen, zumal sie wohl dauerhaft weiter auftauchen werden. Jenks kann einen zwar auch etwas auf die Nerven gehen, aber im Prinzip lockert er vor allen die Stimmung auf, während Ivy eher etwas Düsteres bringt. Ich kann zwar Rachels Misstrauen ihr gegenüber verstehen, weil sie eben Angst hat, dass Ivy doch eines Tages der Blutdurst übermannt (und ab und zu hat sie auch nicht wirklich für Vertrauen gesorgt), aber ich mochte sie direkt. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich einfach Vampire liebe.In dem Buch sind auch noch Fairies aufgetaucht. Bei denen kann ich mir noch nicht so recht vorstellen, was das für Wesen sind, da ich auch über diese selten in anderen Büchern lese. Im Prinzip weiß man auch nach dem Buch nur, dass sie die erbitterten Feinde von den Pixies sind. Meine Begeisterung am Anfang des Buches ist dann leider etwas abgeflaut. Irgendwie wirkte es nach einer Zeit so, dass ein Handlungsstrang angefangen wurde, aber dann durch die verschiedenen Attentäter auf Rachel nicht weiterverfolgt werden konnte. Demzufolge haben sich manche Situationen stark wiederholt und Rachel hat sich immer wieder zu unüberlegten Situationen hinreißen lassen. Ich hätte sie mir auch etwas taffer gewünscht. Zum Beispiel verstehe ich nicht, warum sie manchmal so übertrieben misstrauisch, sehr ängstlich gegenüber Ivy war. Es wurde erzählt, dass die Beiden schon einmal früher miteinander gearbeitet haben. Da muss sie die Vampirin doch etwas kennen und vor allem muss sie doch verstehen, dass ihre unnötige Angst die Situation sicherlich nicht verbessert.Daher habe ich stellenweise etwas gezweifelt, ob Rachel wirklich so ein guter Runner bei der I.S. war oder es doch berechtigt war, dass man ihr nicht die großen Aufträge zugetraut hat.Auch wäre dem Buch vielleicht gutgetan, wenn man es 50-100 Seiten kürzer gehalten hätte.Auch weiß ich noch nicht, ob ich die Figur mögen werde, die nach Rachels Gefangennahme bei Trent aufgetaucht ist. Fazit:Der Auftakt hat mir gut gefallen. Es ist genau eine Reihe nach meinem Geschmack und ich mag auch die Prise Humor, die nicht übertrieben ist. Bei Rachel als Protagonistin sehe ich noch Steigerungspotenzial und ich hoffe, dass Ivy mehr mit in die Handlung eingebaut wird. Insgesamt ein guter Start in die Reihe. Vier Sterne.